BER-Manager : Wieder macht einer den Abflug

BER-Immobilienchef Harald Siegle wehrte sich gegen seinen Rauswurf vor Gericht. Er wollte bleiben. Nun geht er doch und nimmt 230 000 Euro dafür mit - wenn der Aufsichtsrat zustimmt. Ein Gerichtstermin

von
Wieder einen auf dem Gewissen: BER-Chef Hartmut Mehdorn als Schattenriss. Jetzt geht auch BER-Immobilienchef Harald Siegle. Er war nicht als korrupt oder inkompetent aufgefallen, nur als kritisch.
Wieder einen auf dem Gewissen: BER-Chef Hartmut Mehdorn als Schattenriss. Jetzt geht auch BER-Immobilienchef Harald Siegle. Er war...Foto: dpa

Harald Siegle ist zwar weder als korrupt aufgefallen noch als inkompetent, doch BER-Chef Hartmut Mehdorn warf ihn trotzdem raus. Siegle, Nicht-mehr-Bereichsleiter Real Estate am Noch-nicht-Flughafen BER, wehrte sich gegen die Kündigung. Am Donnerstag kam es zur vorerst letzten Verhandlung vor dem Berliner Arbeitsgericht. Nach einem zähen Verhandlungsverlauf endete sie mit einem Vergleichsvorschlag, den das Gericht unterbreiten musste. Die Parteien waren jedenfalls aus eigener Kraft nicht dazu imstande. Wenn jetzt alles glattgeht, ist Siegle zum Jahresende beim BER raus und bekommt 230 000 Euro Abfindung. Das ist mehr als die BER-Vertreter erwarteten; für eine Zustimmung in dieser Höhe haben sie kein Mandat. Sie müssen die Einigung vom Aufsichtsrat absegnen lassen. Der tagt erst am 12. Dezember. Bis 15. Dezember haben die Parteien jetzt Zeit zuzustimmen. Tun sie es nicht, ergeht am 18. Dezember ein Urteil.

Siegle hatte im April einen Brandbrief an drei Aufsichtsratsmitglieder geschickt, in dem er auf gravierende Mängel auf der BER-Baustelle hinwies und deutlich machte, dass die Fertigstellung aus seiner Sicht noch länger dauern werde als erwartet. Daraufhin wurde ihm gekündigt.

Die Verhandlung zeigt nun beispielhaft, wie zerrüttet das Verhältnis zwischen Siegle und seinem Arbeitgeber ist. Terminiert ist die Sache für 12 Uhr. Es erscheinen Harald Siegle und sein Anwalt Hans-Georg Meier für die Klägerseite; für den BER die Anwälte Joachim Littig und Karsten Kühne sowie ein Vertreter der Flughafengesellschaft. Das Gericht verspätet sich. Die fünf Männer sitzen in einer Reihe nebeneinander vor der leeren Richterbank, ohne das Gespräch zu suchen. Eine halbe Stunde lang. Als wäre eine Glaswand zwischen Siegle und Meier auf der Linken und dem BER-Trio auf der Rechten. Um 12.29 Uhr ist das Gericht immer noch nicht da, dafür sitzt hinten im Saal schon die 12.30-Uhr-Sache.

Siegle will eigentlich weitermachen, aber das scheint undenkbar

Vielleicht hatten die Richter erwartet, dass die Parteien schonmal Vergleichsverhandlungen aufnehmen, jedenfalls betritt die Kammer um 12.31 Uhr den Saal, und die Vorsitzende Richterin Andrea Lungwitz-Retzki fragt: „Na, haben Sie schon eine Lösung gefunden?“ Doch davon kann keine Rede sein.
Siegles Ziel ist eigentlich die Weiterbeschäftigung in einer Führungsposition. Nach der Kündigung im April war ihm im Juni nochmal betriebsbedingt gekündigt worden; seine Stelle wurde abgeschafft. Deswegen strebt er jetzt eine andere Bereichsleitung an. Kaum vorstellbar, wie das in diesem Klima möglich sein soll.

Sein Anwalt Hans-Georg Maier wirft der BER-Delegation vor, keinen Vorschlag für eine Einigung zu haben, hat selbst aber auch keinen. „Wir haben einen Auflösungsantrag mitgebracht“, bietet die BER-Seite an. Jede Seite wirft der anderen mangelnde Verhandlungsbereitschaft vor. „Was können Sie sich denn vorstellen?“, will das Gericht wissen. Nach ratlosem Schweigen sagt der BER-Vertreter: „Es erschließt sich mir nicht, wie eine Zusammenarbeit noch möglich sein soll.“ Über die mögliche Höhe einer Abfindung hat aber auch noch keiner nachgedacht, obwohl dies nicht der erste Verhandlungstermin ist.
„Machen Sie endlich einen Vorschlag“, fordert Anwalt Maier die Gegenseite auf, doch von dort heißt es nur: „Nein, machen Sie doch einen!“ Schließlich bitten die Anwälte das Gericht um Hilfe.
Das Gericht, bewundernswert ruhig, unterbricht und schiebt erstmal die 12.30-Uhr- Sache ein. Es geht um die Frage, ob der Flughafen Schönefeld zu Berlin gehört, arbeitsrechtlich betrachtet. Es klagt ein Flugbegleiter von Air Berlin. Es geht auch um Geld: ein Bruttomonatsgehalt von 2015 Euro.


Danach ist wieder Siegle dran. Als der Vergleich nach langem Hin und Her gegen 15 Uhr fast fast steht, geht es noch um das Zeugnis. Siegle verlangt ein Arbeitszeugnis „mit sehr guter Leistungs- und Verhaltensnote und einer Dankes- und Bedauernsformel.“ Ein sehr gutes Zeugnis hatte er zuletzt vor anderthalb Jahren als Zwischenzeugnis bekommen. Es war unterzeichnet vom früheren Technik-Chef Horst Amann. Auch er ist nicht mehr am BER.

6 Kommentare

Neuester Kommentar