Berlin : BER MIT MRR

Leuchtturm des Geistes. MRRs Worte bringen sogar Licht ins BER-Dunkel. Foto: dpa
Leuchtturm des Geistes. MRRs Worte bringen sogar Licht ins BER-Dunkel. Foto: dpaFoto: picture-alliance/ dpa

Ach, liebe Leserinnen und Leser, haben Sie das in dieser Woche auch gedacht: Wie GUT dieser Marcel Reich-Ranicki doch einfach war! Wie unterhaltsam! Wie furchtlos! Und haben Sie auch gedacht: Schade eigentlich, dass der sich fast „nur“ (im Sinne von ausschließlich) mit Literatur beschäftigt hat? Wir haben das gedacht – und dann mit seinen Zitaten gebastelt und Wörter und Namen aus dem Feld Literatur durch solche aus einem anderen ersetzt. Herausgekommen ist ein Gegenwartskommentar, der etwas abgedreht, aber stellenweise trotzdem – ob der Brillanz des Originals – erschütternd prägnant ist. Eine kleine Huldigung im Rahmen unserer Möglichkeiten. Ruhe in Frieden, großer MRR!

„Mich interessiert an Flughäfen eigentlich nur der Mensch. Mäuse und Kühe interessieren mich nicht.“

(Zur Frage, was an Flughäfen eigentlich überhaupt interessiert)

„Ein Flughafen zeigt die Erlebnisse, die Leiden von Menschen. Eine Stadt kann nur die Szene, den Hintergrund geben.“

(Zur Frage, welche Bedeutung der BER

für Berlin hat)

„Man kann überhaupt nicht Flughafen machen, ohne zu übertreiben.“

(Zur Frage nach der richtigen Einstellung)

„Wenn ich die deutschen Flughäfen der letzten zwanzig Jahre sehe, die sind ja unerhört unerotisch.“

(Zur Frage, wann genau alles angefangen hat, so kolossal schiefzulaufen)

„Ich glaube nicht an den großen, umfangreichen Gegenwartsflughafen.“

(Zur Frage, ob es noch Hoffnung gibt)

„Ich erwarte, dass ich nicht gelangweilt werde. Das ist mein Hauptverhältnis zu Flughäfen.“

(Zur Frage, warum denn jetzt trotzdem nicht alles schlecht ist)

„Viele Autoren und Kritiker hegen ein Misstrauen gegen unterhaltsame Flughäfen. Ich sage stattdessen: Flughäfen dürfen nicht nur unterhaltsam sein, sie müssen es sogar!“

(Zur Frage, ob Galgenhumor hilft)

„Dieser Flughafen passt nicht hierhin, weil er gebaut wurde ohne den geringsten Ehrgeiz.“

(Zur Frage nach der Todsünde)

„Der Flughafen ist von Anfang an von ungewöhnlicher Zartheit. Es ist ein hocherotischer, sich steigernder Flughafen, der auf das riesige Schlusskapitel zuläuft.“

(Zur Frage, warum man trotz allem nicht immer so überkritisch sein soll)

„Je schwieriger es für den Flughafenbauer wird, seiner Epoche beizukommen, desto mehr sieht er sich auf das Nächstliegende verwiesen, auf das, was sich noch fassen und zeigen lässt.“

(Zur Frage nach einer Teileröffnung)

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