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BER-Standort Schönefeld : Angst vor den Naturschützern

07.01.2013 15:48 Uhrvon
Auf den neuen Schönefelder Landebahnen sind Starts und Landungen noch nicht möglich.Bild vergrößern
Auf den neuen Schönefelder Landebahnen sind Starts und Landungen noch nicht möglich. - Foto: dpa

Vertrauliche Vermerke decken auf, warum Schönefeld überhaupt als Standort für den neuen Hauptstadtflughafen ausgewählt wurde: Die Verantwortlichen fürchteten Proteste von Naturschützern am Alternativstandort Sperenberg. Die Lärmbelästigung der Anwohner war dagegen kein Problem.

Rund 100 Aktenordner hat der Flughafen-Untersuchungsausschuss BER bisher von der Senatskanzlei erhalten. Und bereits bei den ersten Auswertungen der zum Teil als vertraulich eingestuften Papiere lässt sich nachvollziehen, wie es überhaupt zu der fatalen Entscheidung kam, Schönefeld als Standort zu wählen. Der Ausbau dort sei nicht nur billiger, es werde auch mit weniger Widerstand gerechnet als in Sperenberg, heißt es in einem vertraulichen Vermerk der Senatskanzlei von 1995, den die Piraten auf ihrer Internetseite veröffentlicht haben.

Damit sich die Öffentlichkeit generell informieren kann, hatte der Vorsitzende des Gremiums, Martin Delius (Piraten), am Sonntag in einem Tagesspiegel-Beitrag gefordert, alle Unterlagen frei zugänglich zu machen.

Berlin und der Bund erwarteten damals in Schönefeld weniger Widerstand gegen einen Flughafen-Ausbau als in Sperenberg, obwohl es im vertraulichen Vermerk der Senatskanzlei heißt: „Am Standort Schönefeld ist die Lärmbelästigung der Anwohner das am schwersten wiegende Problem.“ Doch wenige Zeilen weiter steht dann: „Nach hiesiger Auffassung behindern die Naturschutzprobleme am Standort Sperenberg die Durchsetzbarkeit eines Flughafenprojektes deutlich mehr als die Lärmschutzfragen und das Erfordernis von Umsiedlungen am Standort Schönefeld.“

Da sich auch der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) sowie die Grünen in Berlin für Schönefeld ausgesprochen hätten, werde der Widerstand an diesem Standort deutlich geringer sein als in Sperenberg, wo der Eingriff in Natur und Landschaft voraussichtlich starke Proteste hervorrufen würde, heißt es in dem Vermerk weiter. Dabei verweist man auf die heftigen Auseinandersetzungen vor dem Bau des Atomkraftwerks Brokdorf, dem geplanten Bau einer Wiederaufbereitungsanlage in Wackersdorf und bei der Startbahn West in Frankfurt am Main.

Eingetreten ist die im Vermerk gemachte Prophezeiung, dass bei Flughafenprojekten mit einer Verdoppelung bis Vervierfachung der anfangs angesetzten Kosten zu rechnen sei. Beim Spatenstich in Schönefeld 2006 gab die Senatskanzlei die Kosten mit zwei Milliarden Euro an; derzeit ist man bei 4,3 Milliarden Euro angekommen. Und mit der erneuten Verschiebung dürfte es noch teurer werden.

Klar wird aus den bisher veröffentlichten Unterlagen auch, warum 1996 das Schließen von Tempelhof und Tegel beschlossen worden war: Dies werde eine der Vorgaben bei der damals geplanten Privatisierung des Flughafens sein, so steht es im Konsensbeschluss, mit dem der Standort Schönefeld vom damaligen Regierenden Bürgermeister Eberhard Diepgen (CDU), von Brandenburgs damaligem Ministerpräsidenten Manfred Stolpe (SPD) und vom 1996 amtierenden Bundesverkehrsminister Matthias Wissmann (CDU) besiegelt worden war. So sollte Konkurrenz für den privaten Betreiber des Flughafens verhindert werden. Die Privatisierung scheiterte dann allerdings später. Und, wie man jetzt merkt, nicht nur die.

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