BER-Untersuchungsausschuss : Horst Amann baut neues Flughafenterminal in Frankfurt

Horst Amann hat die BER-Episode abgehakt. Nun arbeitet der ehemalige Baugeschäftsführer des BER wieder - am Neubau eines Terminals am Frankfurter Flughafen. Im heutigen Untersuchungsausschuss sagte zudem der „Mister BER“ Brandenburgs aus. Kaum einer kennt ihn.

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Foto: Gregor Fischer/dpa

Horst Amann geht es blendend, so ohne den BER. Sein neuer Job macht ihm Spaß. Der frühere Baugeschäftsführer des Hauptstadtflughafens, der nach der gescheiterten Eröffnung im Sommer 2012 als „Retter“ geholt worden war, aber nach Zerwürfnissen mit Hartmut Mehdorn, dem nächsten „Retter“, nach einem Jahr wieder gehen musste, baut demnächst wieder einen Airport. In Frankfurt am Main, wo er am Fraport bereits vor dem kurzen Berliner Abstecher tätig war, ist Amann für den Bau eines neuen Terminals zuständig. „Wir planen es gerade. Es soll 2022 fertig sein“, sagte Amann am Freitag dem Tagesspiegel. Wird es pünktlich eingeweiht? „Na klar!“ Er lachte und setzte einen Blick auf, der nur so zu lesen war: Frankfurt sei ja nicht Berlin.

Hier war er nämlich am Freitag, nicht ganz freiwillig, noch einmal eingeflogen. Um im Untersuchungsausschuss des Abgeordnetenhauses, der auch Missmanagement nach der geplatzten Eröffnung aufklären will, als Zeuge auszusagen. Zum zweiten Mal. Bei seiner ersten Vernehmung vor ein paar Wochen hatte er Mehdorn belastet, der im März 2013 als Vorstandschef an den Flughafen gekommen war. Der habe ihn gleich danach quasi kaltgestellt und aus dem Projekt gedrängt. Spätestens seit Mai 2013 sei er draußen, im eigentlichen Projektgeschäft, „nur Zuschauer“ gewesen.

Ein 300.000 Euro teurer Zuschauer

So war Amann fortan mit 300 000 Euro Jahresgehalt ein teurer BER-Spaziergänger, ehe er dann im Oktober gegen eine Abfindung in Millionenhöhe – sein Vertrag lief noch bis 2016 – endgültig gehen musste.

Am Freitag bekräftigte Amann, warum aus seiner Sicht der Konflikt mit Mehdorn eskalierte. Der hatte bei seiner Vernehmung dem Ex-Technikchef vorgehalten, das Projekt nicht vorangetrieben, ja gebremst zu haben. Amann widersprach: Mehdorn habe die umfassende Bestandsaufnahme der Baumängel, die er veranlasst habe, für überflüssig gehalten. „Dabei war sie zwingend notwendig, weil es eben keine Übereinstimmung zwischen dem baulichen Zustand und den genehmigten Plänen gab“, sagte Amann. „Man hatte gar keine andere Möglichkeit, als durch physische Erfahrung des Bau-Ists die Kenntnisse zu erlangen.“ Nach Erkenntnissen des Untersuchungsausschusses ist das, was Amann wollte, im Zuge des „Sprint“-Programms von Mehdorn doch vorgenommen worden.

Ein unbekannter Koordinator entlastet Platzeck

Amanns Vernehmung hatte später begonnen, weil sich die Befragung eines anderen Zeugen in die Länge zog. Einer, der nicht prominent ist, nie im Rampenlicht stand, aber bei dem ins Trudeln geratenen Milliardenprojekt immer ganz nah dran war, ja mittendrin: Thomas Seidel, 61 Jahre, Ministerialbeamter in der Staatskanzlei. Jahrelang war er dort Flughafenkoordinator, der „Mister BER“ Brandenburgs, im Range eines Referenten in der dritten Hierarchieebene weit unten.

Sein Job war es, Platzeck, den Ministerpräsidenten und Vizevorsitzenden des Aufsichtsrates, zu informieren. Immer bei Seidel – er hatte noch eine Mitarbeiterin – liefen auf brandenburgischer Seite die Informationen zusammen, oder eben nicht. Jedenfalls gab er nun zu Protokoll, dass der Aufsichtsrat vor der „tragischen“ Absage der Eröffnung im Mai 2012 eben „keine Informationen“ hatte, dass die geplante Inbetriebnahme am 3. Juni 2012 platzen würde: „Die Quintessenz war immer, ja, wir können es schaffen, wenn wir alle Kräfte mobilisieren.“ Es habe auch bei ihm ein Grundvertrauen zur Flughafengesellschaft gegeben. Und so briefte Seidel wohl auch den Regierungschef.

Seidel will das nahende Scheitern nicht mitbekommen haben

Das Problem ist nur, dass das Bauordnungsamt des Kreises Dahme–Spreewald seit Anfang 2012 schriftlich und in den Sitzungen der Flughafen Task Force Brandschutz, in der auch Seidel saß, mehrfach warnte, dass die geplante provisorische Mensch-Maschine-Lösung als Ersaz für die nicht funktionierende Brandschutzanlage, mit hunderten Studenten als Türöffner, „nicht genehmigungsfähig“ sei. So sagten es auch Mitarbeiter im Untersuchungsausschuss aus. Seidel, damit konfrontiert, will das so nie mitbekommen haben. „Ja, das ist ein Widerspruch. Ich bin aus den Sitzungen nie herausgegangen mit dem Eindruck: Wir sind am Ende.“ Und so habe er auch nie den Ministerpräsidenten informiert.

Eine Erklärung dafür, warum auch kein anderer die Hinweise auf den BER-Crash zusammenführte, hatte er nicht. Die Linke-Abgeordnete Jutta Matuschek kommentierte seinen Auftritt so: Seidel habe entweder aus „Loyalität oder Unvermögen“ gehandelt.

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