BER-Verschiebung : Airlines, Bahn und BVG beklagen immer höhere Verluste

Unter der erneuten Verschiebung des BER-Starttermins leiden auch Fluggesellschaften, Bahn und BVG. Auf sie kommen nun erhebliche Mehrkosten zu.

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In den fertigen Bahnhof unter dem Flughafen müssen regelmäßig Züge fahren, um dort die Luft zu bewegen.
In den fertigen Bahnhof unter dem Flughafen müssen regelmäßig Züge fahren, um dort die Luft zu bewegen.Foto: picture alliance / dpa

Für die Lufthansa ist klar: „Zuverlässigkeit und Gründlichkeit geht vor Schnelligkeit“, sagt Sprecher Wolfgang Weber. Und damit könne die Fluggesellschaft auch mit einer BER-Eröffnung erst im Oktober 2013 leben. An den bis zuletzt offiziell immer noch genannten 17. März 2013 habe doch ohnehin kaum noch jemand geglaubt. Und so war auch die Lufthansa bereits darauf eingestellt, noch länger von Tegel aus zu fliegen.

Wichtig sei jetzt, die Bauarbeiten komplett abzuschließen; Provisorien zur Eröffnung dürfe es nicht geben, sagte Weber weiter. Danach sei eine lange Probephase erforderlich, die beim März-Termin wahrscheinlich zu kurz ausgefallen wäre. Experten raten, eine neue Flughafenanlage sechs Monate lang zu testen. Einen Puffer solle man bei der Terminplanung ebenfalls einbauen. So gesehen sei der Termin Oktober 2013 ein „vernünftiger Zeitplan.“

Allerdings kostet es die Lufthansa auch eine Menge Geld, erst so spät zum BER ziehen zu können. Sie muss in Tegel zusätzliches Personal vorhalten; auf dem neuen Gelände in Schönefeld steht zudem der Neubau des Hangars leer, dessen Bau pünktlich abgeschlossen worden war. Statt Maschinen dort zu warten, könne man „vom Fußboden essen“, sagte Weber. So aufgeräumt sei der Komplex. Die Gesellschaft Air Berlin, die den neuen Flughafen zu einem Drehkreuz ausbauen will und unter den beengten Bedingungen in Tegel besonders leidet, wollte sich nicht äußern.

Das BER-Debakel in Bildern:

Das Debakel um den neuen Flughafen in Bildern
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Auch die Bahn sagte nichts. Sie wolle warten, bis der Termin offiziell mitgeteilt werde, sagte ein Sprecher. Der Schaden für die Bahn gehe bereits jetzt in die Millionen, sagte der Sprecher lediglich. So müssen unter anderem regelmäßig Züge in den fertigen Bahnhof unter dem Flughafen fahren, um dort die Luft zu bewegen, damit sich kein Schimmel bildet. Mit der Eröffnung des Flughafens sollen Regional- und S-Bahnen dorthin fahren. Ob auch die wenigen vorgesehenen Fernzüge bereits im Oktober in den Flughafenbahnhof geleitet werden, sagte die Bahn noch nicht. Ihr regulärer Fahrplanwechsel ist erst im Dezember. Ungenutzt bleibt auch weiter der neue S-Bahnhof Waßmannsdorf, den die Gemeinde Schönefeld auf eigene Kosten bauen ließ.

Gelassen reagierte die BVG auf die erneute Terminverschiebung. Das Umstellen des Fahrplans habe man im Griff, heißt es – egal, zu welchem Termin. Allerdings koste der Mehrverkehr zum Flughafen Tegel monatlich rund 70 000 Euro. Die Aufwendungen für die Umstellung des Fahrplans zum 3. Juni und die Rücknahme verursachten einen Aufwand in Höhe von 450 000 Euro.

Das Nachsehen haben auch Fahrgäste, die auf einen neuen Atlas mit den Linien von Bahnen und Bussen in der Stadt und im Umland warten. Der Druck der neuen Ausgabe konnte im Juni am letztmöglichen Tag gestoppt werden. Eine neue Ausgabe wird es wohl erst im Dezember 2013 geben.

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