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Verzögerung am Flughafen BER : Hinterm Bauzaun herrscht Ruh'

01.11.2012 10:28 Uhrvon
Kein Durchkommen. Unterführung zum Terminal des Flughafens BER. Foto: dpaBild vergrößern
Kein Durchkommen. Unterführung zum Terminal des Flughafens BER. - Foto: dpa

Ein Restaurantbesitzer hat sein Lokal im Flughafen BER zunageln lassen, im Airport-Hotel versucht man Schäden durch den Stillstand zu verhindern. Schließlich ist die Eröffnung noch in weiter Ferne. Besuch am Ort einer Entschleunigung.

Die Spatzen proben Sturzflüge an der Böschung und setzen sich dann paarweise auf den provisorischen Gitterzaun. Die losen Stäbe klirren leise im Ostwind. Ein Turmfalke schwebt über die Flughafenwiese vor dem Zaun. Klatschmohn, Margeriten, weißer Klee, violette Taubnesseln blühen unter einem tief verhangenen Herbsthimmel. Zwei Bundespolizisten im Landrover biegen auf den Feldweg ein, fahren im Schritttempo über die Wiese und die Kiefernschonung bis zur Bahntrasse. Nachher werden sich die beiden Männer im Burger-Restaurant an der Total-Tankstelle eine Pause gönnen. Das Restaurant ist schon offen. Tanken geht auch.

Noch ein Jahr bis zur Eröffnung des Flughafens Berlin Brandenburg Willy Brandt.

Fast alles ist fertig, sagt der neue Technikchef Horst Amann, nur die Brandschutzanlage macht noch große Sorgen. „Heerscharen von Programmierern“ seien dabei, die Probleme zu lösen. So lange steht der Flughafen still.

Das neue Kraftwerk pustet hellen Rauch aus seinen schlanken Schornsteinen. In den Büroräumen von Condor ist Licht. Die jungen Linden am Willy-Brandt-Platz verlieren ihre Blätter, die auf dem Pflaster dunkle Flecken bilden. Ein Mann in roter Flughafenweste poliert eine Tafel mit dem Lageplan des Flughafens. Sie steht hinter dem Bauzaun. Unerreichbar. Ein Lkw aus Frankfurt am Main parkt am Platz. Die Firma Stamm Spezialtransporte lädt Geldautomaten aus dem Terminal ein. „Die braucht ja jetzt keiner“, sagt der Mann am Ladekran. In einem Jahr wären sie ohnehin technisch veraltet.

Weit weg von hier, auf einer Anhöhe über dem Flughafenzaun, den Kienitzer Bergen, steht Christian Schonack, die Hände tief in den Latzhosentaschen vergraben, und schaut lange in die große baumlose Flughafenebene und den leeren Himmel darüber. Von Westen gesehen wirken Terminal und Tower wie ein gestrandeter flügellahmer Albatros. Vorne rechts, der helle Streifen, das ist die südliche Landebahn, der Vierkilometerauslauf für die Riesenvögel von Boeing und Airbus. Ein friedlicher Anblick, so ohne Turbinendonnern.

Am 21. Dezember soll Schonack, Maschinenschlosser von Beruf, Haus und Garten dem Flughafen ausliefern. Darauf haben sich beide Seiten im Februar geeinigt. Geld gegen Heimat, „der Flughafen hat ein faires Angebot gemacht“, sagt Schonack. Im Dezember würde der Lärm der Flugzeuge, die über die Kienitzer Berge hinwegdonnern, längst jedes erträgliche Maß überschritten haben, so durfte er annehmen. Nun wird es im Dezember genauso erträglich sein wie im Februar. Vielleicht liegt auch wieder eine dicke Schneedecke wie auf den Fotos im Familienalbum.

Seit mehr als 30 Jahren baut Schonack an seinem Datschenwohnsitz. Hier sind seine Kinder aufgewachsen. Früher stand vor dem Haus ein Wald, und es gab Tümpel und einen kleinen See. Dort sind die Kinder Boot gefahren und im Winter Schlittschuh gelaufen. War ja fast wie im Gebirge früher, so hoch türmte sich der Schnee auf den Tannen und Torpfosten.

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