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"Berlin!" : Beyoncé lässt O2-Arena beben

Schon beim Premierekonzert in Berlin beeindruckte Beyoncé mit gewaltiger Show und fantastischer Stimme - und einem sympathischen Einsatz für die Rechte von Mädchen und Frauen. Am heutigen Freitag geht sie wieder auf die Bühne.

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Beyoncé strahlt auf der Bühne in der O2-Arena. Die Stimmung bei ihrer " Mrs. Carter Show World Tour 2013" in Berlin war so gut, dass sie sich entschied, ein Zusatzkonzert zu geben.
Beyoncé strahlt auf der Bühne in der O2-Arena. Die Stimmung bei ihrer " Mrs. Carter Show World Tour 2013" in Berlin war so gut,...Foto: 2013 Parkwood Entertainment

Strahlend stellten sich die Frauen aus Rotterdam fürs Handybeweisfoto vors Beyoncé-Plakat: We were here. "I was here" sang die Künstlerin schon vor der UNO mit dem Appell an jeden, etwas Gutes in der Welt zu hinterlassen. Und nun, liebe Niederländerinnen, hat sich die stundenlange Autofahrt nach Berlin für einen Konzertabend gelohnt? "Aber wie!" Die O2-Arena: ausverkauft, die Fans happy, die Künstlerin offensichtlich auch glücklich, das Unterhaltungskonzept Beyoncé ist mal wieder aufgegangen.

Bereits 20 Minuten nach Freischaltung waren die Karten für das am Freitag stattfindende Konzert von Beyoncé ausverkauft gewesen. Kurzentschlossen hatten sich die Künstlerin und ihr Management entschieden, ein weiteres Konzert in Berlin zu geben und buchte die o2-Arena für den Vorabend - und schaffte es, die Halle bis auf den letzten Platz zu füllen. 30 Trucks hatten die Bühnenaufbauten aus München angefahren, wo Beyoncé noch am Mittwoch auf der Bühne stand. Laut Veranstalter soll es immerhin die "ambitionierteste Welttournee eines Künstlers" werden. Beyoncé will ein ganzes Jahr unterwegs sein und neben den Auftritten in Europa auch Konzerte in den USA, Asien und Lateinamerika geben.

"Berlin!" Ein Wort, eine Begrüßung, und das Oval kochte schon wenige Sekunden nach Konzertauftakt so, wie bei anderen Sängern vielleicht zum Schluss der Show. Sie sei dankbar und glücklich, dass es ihre Fans es ihr ermöglichen, das zu tun, was sie liebe, nämlich hier oben zu stehen, Musik und Show zu machen, sagte sie ins Mikro und bedankte sich dafür - und man nimmt ihr das ab. Anders als Madonna oder Lady Gaga redet Mrs. Jay-Z Carter mit den Fans, taucht in die Massen ein, hält den Leuten das Mikrofon hin: "To the left, to the left".

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1 von 419Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa
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"Jetzt kommt mein Lieblingsteil der Show, jetzt kann ich euch alle sehen", strahlt sie im blauen glitzernden Seejungfrauenanzug, nachdem sie auf den Bühnenring am anderen Ende der Halle geschwebt war. Sekundenlang hält der Weltstar mit glücksverströmenden Gesichtsausdruck im Jubeltosen inne und genießt offensichtlich immer noch jeden Moment, das sieht man auf den Leinwänden links und rechts der in schwarzweißgülden gehaltenen Bildschirmbühne. Dabei ist seit Jahrzehnten doch nichts anderes gewohnt. Und alle im Rund singen mit, so textsicher, wie sonst früher nur die Fans bei Rosenstolz. Und manch einer wundert sich, wie man so reich, berühmt, schön, gut bei Stimme, ausstrahlend, leidenschaftlich, engagiert und natürlich sympathisch zugleich sein kann. Wo bitte ist das Extensions-Haar in der Suppe?

Besonders junge Frauen waren am Donnerstagabend gekommen und hatten vor dem Konzert noch einmal das Styling auf der Toilette überprüft. Sie kreischten schon, als vor dem Konzert das verschnörkelte "B" auf die Bühne heruntergelassen wurde. Auch die Werbespots, mit denen Beyoncé derzeit überpräsent ist, begeisterten die Zuschauerinnen. Aber Beyoncé kann auch unkommerziell und der Spot für die Mädchenrechtsorganisation "Chime for Change", für die sie sich einsetzt, ließ die Zuschauerinnen applaudieren. In ihm kommt unter anderem Hillary Clinton vor, die eine gute Ausbildung und Bezahlung für Mädchen fordert und sich wünschte, dass eine weibliche Präsidentin der USA vorstellbar sei. Wenn es nach den Zuschauerinnen ginge, stünde die Kandidatin wohl schon fest: Beyoncé herself.

Den Drang nach Perfektion merkte man auch ihrer Bühnenshow an: Feuerkaskaden und Goldregen sprühen, ihre Stimme klang noch besser als auf CD. Pressefotografen hatte sie, wie derzeit auch andere Stars, nicht zu ihrer Show zugelassen, sie wollte kontrollieren, welche Bilder von ihr veröffentlicht werden. Gleichzeitig kokettierte sie auf der Bühne mit der vermeintlichen eigenen Unperfektheit und zeigte dem Publikum ihre angeblich hängenden Unterarme. Den Einsatz für Frauen und Mädchen brachte sie auch auf der Bühne ein, mit ihrem Hit "If I were a Boy" ermutigte sie die Zuschauerinnen, ihre Stärken auszupielen, wie sie es selbst tut: Mit der Vermarktung ihrer Karriere und den millionenschweren Werbeverträgen.

Beyoncé ist Solokünstlerin, Schauspielerin, Philantrophin und Geschäftsfrau. Und derzeit überschlagen sich alle mit Lob über sie. Sie hat vier Nummer-Eins-Alben veröffentlicht und weltweit mehr als 75 Millionen Alben verkauft. Sie wurde mit zahlreichen Awards ausgezeichnet, darunter sechzehn Mal mit dem begehrten, weltweit anerkannten Musikpreis Grammy. Billboard bezeichnete Beyoncé als "Top Female Artist" und "Top Radio Song Artist" des Jahrzehnts. "Fin." Steht auf dem Vorhang zum Ende der Show. Schluss ist noch lange nicht.

Die ausführliche Konzertkritik lesen sie am Sonnabend in der gedruckten Ausgabe des Tagesspiegels und unter www.tagesspiegel.de.

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