Berlin-Charlottenburg : Grüne wollen autofreie Tage auf dem Ku'damm

In Charlottenburg-Wilmersdorf möchten die Grünen einen Teil des Kurfürstendamms und die Tauentzienstraße an zwei Tagen im Jahr für den Verkehr sperren – und so die Rückgewinnung des Lebensraums für Fußgänger veranschaulichen. Die Meinungen dazu sind geteilt.

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Fußgänger vor. Die Grünen im Bezirk wollen Teile des Ku'damms und die Tauentzienstraße auch mal ohne besonderen Anlass für Autos sperren.
Fußgänger vor. Die Grünen im Bezirk wollen Teile des Ku'damms und die Tauentzienstraße auch mal ohne besonderen Anlass für Autos...Foto: Thilo Rückeis

Die Tauentzienstraße und der Kurfürstendamm sind Berlins Einkaufsgegend mit den höchsten Passantenzahlen – aber auch mit viel Verkehr. Nur bei Großveranstaltungen wie dem Berlin-Marathon oder dem Christopher Street Day gehört der Boulevard allein Fußgängern oder Radlern. Das wollen die Grünen in Charlottenburg-Wilmersdorf ändern: Zwischen Wittenbergplatz und Joachimstaler Straße solle es dieses Jahr mindestens zwei autofreie Tage geben, steht in ihrem Antrag für die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) am Donnerstag.

Geeignet seien ein Sonnabend und ein verkaufsoffener Sonntag im Sommer, sagt Fraktionschefin Petra Vandrey. Es gehe aber nicht um ein Straßenfest. Man wolle symbolisch die „Rückgewinnung“ innerstädtischen Lebensraums für Fußgänger zeigen. Ein Vorbild sei der New Yorker Times Square: „Früher war dort alles vom Verkehr beherrscht, jetzt gibt es Cafétische und Liegestühle.“ Zum Antrag der Grünen hat ein Video beigetragen, das die Verkehrsberuhigung in New Yorker Straßen zeigt (www.vimeo.com/83173191).

Die anderen BVV-Fraktionen wollen noch beraten. Zustimmend äußern sich bereits Siegfried Schlosser von der Piratenpartei und Karsten Sell, Vize-Fraktionschef der CDU. Skeptisch reagiert Baustadtrat Marc Schulte (SPD). „Wo ist der Mehrwert, wenn es gar keine Veranstaltung gibt, und wer zahlt die Kosten?“, fragt er. In einer Fraktionssitzung der SPD am Montagabend wurden auch rechtliche Bedenken geäußert. Denn die Senatsverkehrsverwaltung betont, laut Straßenverkehrsordnung müssten Sperrungen „mit einer bestimmten Nutzung verbunden sein“.

Mit dieser Begründung hatte der Senat bereits 2008 ein mehr oder weniger stadtweites Sonntagsfahrverbot zum internationalen „Tag der Umwelt“ im Juni abgelehnt, das 61 Berliner Abgeordnete der SPD, Grünen und Linken gefordert hatten.

Die Händler „können auf Autofahrer nicht verzichten“, sagt Gottfried Kupsch, Vorstandsmitglied der AG City. Sperrungen seien nur denkbar als Teil eines Gesamtkonzepts für den Boulevard, auf das „wir seit Jahren drängen“.

Teile der Tauentzienstraße liegen in Tempelhof-Schöneberg. Dort findet Stadtrat Oliver Schworck (SPD), dem das Ordnungsamt untersteht, autofreie Tage „vorstellbar“. Direkt an der Tauentzienstraße gebe es ohnehin kaum Parkplätze. Für den Durchgangsverkehr habe sich die Lietzenburger Straße schon oft als geeigneter Ersatz erwiesen.

Ein Anlass für die möglichen Aktionen werde sich ja wohl finden lassen, sagt der CDU-Politiker Sell – etwa das 25. Jubiläum des Mauerfalls. Als 1989 die Ost-Berliner in Massen zum Ku’damm strömten, war der Verkehr schon mal weitgehend zusammengebrochen.

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