Berlin-Friedrichsfelde : Längste S-Bahn-Waschanlage der Stadt geht in Betrieb

Die Waschanlage ist umweltfreundlich und im Winter taut sie in der Halle Schnee und Eis an den Zügen ab.

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Saubere Sache. 5,5 Millionen Euro hat die neue Waschanlage der S-Bahn im Werk Friedrichsfelde gekostet.
Saubere Sache. 5,5 Millionen Euro hat die neue Waschanlage der S-Bahn im Werk Friedrichsfelde gekostet.Foto: Jörg Carstensen/dpa

Gegen Ausfälle ist sie weiter nicht gefeit – aber zumindest sauberer sollen die Züge der S-Bahn werden. Am Montag hatten nacheinander gleich vier Züge auf dem Ring aufgegeben und den Betrieb blockiert. Am Mittwoch nahm die S-Bahn nun die längste Waschanlage Berlins in Betrieb – 160 Meter lang ist die Halle im Werk Friedrichsfelde. Die S-Bahn hat 5,5 Millionen Euro investiert.

Innerhalb eines Jahres sei dort eine der modernsten Waschanlagen Europas entstanden, freute sich S-Bahn-Chef Peter Buchner. Gebaut hat sie das polnische Unternehmen Agat, das sich in einer Ausschreibung durchgesetzt hatte. Es war der erste Auftrag aus Deutschland und sei im Kosten- und Zeitplan erfüllt worden, sagte Buchner. Überzeugt habe vor allem das technische Konzept der Waschanlage. Auch die polnische Botschaft unterstützte die Firma.

Acht Wagen können pro Stunde gewaschen werden

In der Halle kann ein sogenannter Vollzug mit acht Wagen innerhalb von einer halben Stunde gewaschen werden. In den anderen Anlagen dauert die Prozedur doppelt so lang. Etwa 20 Vollzüge können so täglich in den Abend- und Nachtstunden sowie an Wochenenden gereinigt werden, sagte Werkstattleiter Ulf Dittrich. Gewaschen werden in Friedrichsfelde im 14-Tage-Rhythmus die knapp 200 Doppelwagen, die auf den Linien S 3, S 5 und S 75 fahren.

Sie mussten bisher zur Wäsche ins Werk nach Wannsee. Umweltfreundlich ist die Anlage auch. 80 Prozent des Waschwassers werde mehrfach genutzt, sagte Dittrich. Immerhin verbraucht der Vollwaschgang rund 3200 Liter Wasser. Außerdem setzt die S-Bahn Bio-Waschmittel ein.

Halle kann auch zur Enteisung genutzt werden

Im Winter allerdings endet der Außenglanz. Zur Wäsche fahren die Züge laut Verkehrsvertrag mit dem Land nur bei einer Temperatur bis zu fünf Grad. Aber auch in der waschlosen Winterzeit ist die neue Halle wichtig: In ihr können Vereisungen an den Geräten unterhalb des Fahrzeugbodens abgetaut werden. Ein 40 Grad warmer Luftstrom aus Düsen soll Schnee und Eis innerhalb einer Stunde schmelzen lassen. Die Züge können so schneller zur Wartung oder Reparatur in die Werkstatt.

Das ist auch erforderlich, denn nach wie vor sind die Fahrzeuge trotz Umbauten und nach dem Austausch von Komponenten störanfällig. Am Montag waren alle drei Baureihen der S-Bahn von den Ausfällen betroffen – mit unterschiedlichen Problemen, wie Buchner sagte.

Zu Ausfällen kann es dennoch immer wieder kommen

Die S-Bahn brauche deshalb nach wie vor ihre Werkstätten. Auf dem Höhepunkt ihres Sparkurses hatte die damalige Geschäftsführung der S-Bahn die Werkstatt in Friedrichsfelde – gegen den internen Rat von Fachleuten – 2006 dichtgemacht. 2010 nahm die neue Leitung die Anlage wieder in Betrieb. Insgesamt wird sie dort nach Buchners Angaben rund 15 Millionen Euro investieren. Hinzu kommt noch der Umbau der Gleisanlagen vor der Halle, der unter Regie des Netzbereichs der Bahn erfolgt, der auch das Geld beisteuert.

2019 will die S-Bahn auch ihre störanfällige Waschanlage im Werk Grünau erneuern. Dort werden auch die Züge des Ring-Verkehrs gepflegt, für den es von 2021 an neue Züge geben soll. Der Bau der Waschanlage muss erneut ausgeschrieben werden. Doch bei Agat hofft man, auch in Grünau wieder zum Zug zu kommen.

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