Berlin-Kreuzberg : Ein Baumhaus am Schlesischen Tor

Beat Gottwald und Felix Hansen haben am Schlesischen Tor eine Bar im Baumhaus-Stil eröffnet. Im Club darunter gibt es Live-Radio, Kaos Karaoke, Glücksrad-Partys – und hoffentlich einige Newcomer.

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Baumhaus Bar
Schöne Aussichten. Aus der Baumhaus Bar blickt man direkt auf die U1 am Schlesischen Tor. Ein „Knallerblick“, sagen die neuen...Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Einträchtig sitzen die beiden Männer vor der großen Fensterfront ihrer Bar auf einer Holzbank, während sich draußen die U1 vorbeischlängelt. Sie stellen sich vor: Felix Hansen und Beat Gottwald – Beat englisch ausgesprochen, wie der Beat oder Rhythmus eines Songs. Die beiden führen ein Leben mit und für die Musik. Gottwald, 37, managt unter anderem den Berliner Rapper Casper sowie Bands wie K.I.Z und Kraftklub. Hansen, 31, organisiert als Booker Konzerttermine.

Seit fünf Jahren führen sie gemeinsam ihre Firma Landstreicher Booking. Und jetzt eben die mit Holz verkleidete „Baumhaus Bar“ an der Oberbaumbrücke, direkt über dem alten Magnet Club in der Falckensteinstraße.

Die hohen Fenster mit dem „Knallerblick“, wie Gottwald die Aussicht auf die Hochbahn mit der glitzernden Spree im Hintergrund getauft hat, kommen durch das hölzerne Podest, auf dem die Bänke und Tische verteilt sind, richtig zur Geltung.

Tatsächlich erinnert die Einrichtung an ein riesiges Baumhaus. In der Mitte des Raums recken sich zwei schlanke Bäume vom Boden bis unter die Decke. Im unteren Stockwerk gibt es zwei Floors mit Konzertbühnen und eine Bar, in der zwei Kicker stehen. „Die Baumhaus Bar ist das Herzstück unseres Konzepts“, sagt Gottwald. Im oberen Stockwerk thront sie, daneben gibt es noch ein Sendestudio für Radio Fritz sowie einen weiteren Konzertraum.

Felix Hansen (links) und Beat Gottwald wollen das ehemalige Magnet an der Falckensteinstraße neu beleben. Hund Felix ist immer dabei.
Felix Hansen (links) und Beat Gottwald wollen das ehemalige Magnet an der Falckensteinstraße neu beleben. Hund Fred ist immer...Foto: Doris Spiekermann-Klaas

K.I.Z. ist Mit-Eigentümer

Das Gesamtkonzept ist der Club, der als „Musik & Frieden“ den alten Magnet Club beerbt hat. Neben Hansen und Gottwald gehören unter anderen auch die Jungs von K.I.Z zu den Eigentümern. Gottwald formuliert das gemeinsame Ziel: „Wir wollen, dass man irgendwann mal sagen kann: Hier sind Bands groß geworden...“ „…die du dann später in der Columbiahalle oder in der Wuhlheide siehst“, ergänzt Hansen.

Auf ein Genre wollen sie sich nicht festlegen. „Hier kann auch eine russische Blaskapelle spielen, wenn das spannend ist“, sagt Gottwald. Ihr Gespür für „das nächste große Ding“, wie sie es nennen, haben sie schon häufig bewiesen – jetzt hoffen sie, dass das Vertrauen des Publikums in das Gesamtkonzept „Musik & Frieden“ so weit wächst, dass sie hier weitere Nachwuchsbands mit aufbauen können.

Gerade tummeln sich die Mitglieder der Kölner Band AnnenMayKantereit an der Bar, für die Hansen und Gottwald mit ihrer Bookingagentur arbeiten. „Die haben hier den ganzen Tag Interviews gegeben“, sagt Gottwald. Die beiden gesellen sich an der Bar dazu – auf das Angebot an Spirituosen, die von „Spitzen-Barkeepern“ gemixt werden, wie Gottwald betont, sind sie besonders stolz.

Blick auf die Theke der Baumhaus Bar
Blick auf die Theke der Baumhaus BarFoto: Doris Spiekermann-Klaas

Gottwalds Foxterrier Fred trottet heran. „Fred ist immer bei mir“, sagt Gottwald. Der Hund hatte schon mehrere Momente des Ruhms – unter anderem mit einem Auftritt in einem Casper-Video. Welche synergetischen Effekte durch die gute Vernetzung der Betreiber entstehen, machte auch die Eröffnungsparty im Dezember deutlich. K.I.Z waren natürlich da, das Kasseler Duo Milky Chance, auch der Berliner Rapper Prinz Pi sagte noch am Nachmittag spontan seinen Auftritt zu.

Radio Fritz sendete aus dem Studio, in das man durch eine große Glasfront von der Baumhaus Bar direkten Einblick hat. In den kommenden Wochen sollen weitere Formate von hier gesendet werden. „Internationale Künstler, die ein Berlin-Konzert geben, müssen dann nicht mehr extra ins Studio nach Potsdam fahren“, sagt Hansen. Zudem kann aus jedem Raum live übertragen werden.

In der U-Bahn kennengelernt

Kennengelernt haben sich Hansen und Gottwald nicht weit von hier, nahe dem Görlitzer Bahnhof, ausgerechnet in der U1, die hier alle paar Minuten am Fenster vorbei um die Kurve fährt. Hansen saß mit einer ausgedruckten Bandbiografie von K.I.Z in der Bahn. „Das Gespräch ging ungefähr so“, sagt er jetzt. „Beat sagte: Bist du Fan von der Band? – Nee, ich bin der Booker. – Interessant, ich bin der Manager.“ Jetzt arbeiten die beiden seit zehn Jahren zusammen. Fünf Jahre nach dem Kennenlernen gründeten sie die gemeinsame Bookingagentur.

Ganz wichtig ist ihnen bei ihrem neuen Projekt, dass es für alle Neugierigen offen sein soll. Daher ist ihnen auch die Bar so wichtig. „Früher warst du auf 'nem Konzert und bist danach nach Hause oder in ne andere Kneipe gegangen“, sagt Gottwald. „Jetzt kannst du einfach hier bleiben.“ Neben Konzerten gibt es auch „Kaos Karaoke“-Abende sowie den „Creepy Comedy Club“ unter Schirmherrschaft von Oliver Polak. K.I.Z veranstalten ihre „Ehrenlos“-Partyreihe und es gibt kreative Partykonzepte wie die „Glücksrad“-Party. Im Februar legt Totze Trippi von den Gottwaldsteaks gegen DJ Craft von K.I.Z auf – anhand eines Glücksrads wird das jeweilige Musik-Jahrzehnt ausgesucht, das sie als nächstes spielen.

Klar ist: Es geht nicht um Coolness. Sondern um Kreativität und Spaß. „Hier können sich die Leute austoben“, sagt Hansen. Er freut sich schon auf den nächsten Karaoke-Abend, denn er ist selbst leidenschaftlicher Karaoke-Sänger. Wahrscheinlich wird es diesmal ein Michael Jackson-Song. Alles für die Musik – und alle sind eingeladen.

Baumhaus Bar, Falckensteinstr. 48, Kreuzberg. Geöffnet Montag bis Freitag ab 12 Uhr, Samstag ab 15 Uhr, jeweils bis der letzte Gast geht. Weitere Infos und Programm unter www.musikundfrieden.de

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