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Berlin-Marzahn : Verletzte und Festnahmen bei Flüchtlingsdemos

Linke und Rechte demonstrierten am Montagabend auf parallelen, doch getrennten Wegen. Es kam zu zwei Zwischenfällen, Demo-Teilnehmer und Polizisten wurden verletzt.

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In den letzten Wochen wurde jeden Montagabend in Marzahn gegen das geplante Flüchtlingsheim demonstriert.
In den letzten Wochen wurde jeden Montagabend in Marzahn gegen das geplante Flüchtlingsheim demonstriert.Foto: dpa

In Pankow und Marzahn wurde am Montagabend erneut für und gegen geplante Containerdörfer für Flüchtlinge demonstriert. In Marzahn kamen laut Polizei alleine 1500 Demonstranten aus beiden Lagern, bis zu 800 Heimgegner und 600 bis 700 aus dem linken Spektrum. Etwa 600 Polizisten begleiteten diese sechste Montagsdemo sowie die kleinere Demo im Pankower Ortsteil Buch.

Linke Gruppen hatten ab 18 Uhr zu Protesten gegen die Heimgegner in Marzahn aufgerufen. Die „Bürgerbewegung Marzahn“ startete nach 18 Uhr ihre Demo nahe dem S-Bahnhof Marzahn. Laut Polizei demonstrierten beide Seiten auf parallelen, doch getrennten Wegstrecken. Die Polizei erklärte am Dienstagmittag, die Aufzüge seien "weitgehend störungsfrei" verlaufen, dennoch kam es bei zwei Vorfällen zu Verletzten:

Ein 32- und ein 36-jähriger Mann gaben an, dass sie auf dem Weg zur Demonstration "Nein zum Asylcontainer" von etwa 25 bis 30 Personen angegriffen wurden. Gegen 19.45 Uhr waren sie mit drei weiteren Begleitern in der Marzahner Promenade unterwegs, wo sie von der Gruppe angehalten wurden. Nach einem kurzen Wortwechsel erhielten die Geschädigten mehrere Schläge mit einem Schlagstock auf den Kopf, so dass sie zu Boden gingen. Die Tätergruppe flüchtete anschließend mit Fahrrädern. Die Verletzten wurden mit einem alarmierten Rettungswagen in ein Krankenhaus gebracht.

17 Polizisten wurden leicht verletzt

Nach dem störungsfreien Verlauf des Aufzuges mit dem Thema:" Refugees bleiben! - Nazis, Rassisten und Massenblechbüchsen vertreiben" nahmen Polizeikräfte beim Abstrom gegen 22 Uhr im S-Bahnhof Mehrower Allee einen wiedererkannten Tatverdächtigen zu einer länger zurückliegenden Tat und in der Folge einen weiteren Verdächtigen nach Landfriedensbruch fest. Dabei wurden die Einsatzkräfte angegriffen und setzten zur Abwehr Pfefferspray und den Schlagstock ein. Die Tatverdächtigen wurden nach den polizeilichen Maßnahmen wieder entlassen.

Insgesamt wurden 17 Polizeibeamte leicht verletzt. Sie konnten jedoch im Dienst verbleiben.

Vor zwei Wochen waren die Proteste eskaliert

Vor zwei Wochen hatten beide Lager sich in Marzahn gegenseitig mit Steinen und Flaschen beworfen. Wie berichtet, hatten es 2500 Angehörige linker Gruppen drei Stunden lang an dem Samstagnachmittag geschafft, den Marsch der Heimgegner zu blockieren. Kurz nachdem die rechte Demo dann doch loslaufen konnte, war die Lage eskaliert. Der Polizei war es nicht gelungen, beide Lager auseinanderzuhalten.

Die Proteste begannen vor sechs Wochen, nachdem bekannt wurde, dass Gesundheitssenator Mario Czaja in Berlin sechs Flüchtlingslager aus Containern plant. Das erste Containerdorf mit 400 Plätzen soll noch im Dezember in Köpenick eröffnet werden. Die fünf anderen Sammelunterkünfte sollen in den ersten Monaten 2015 im Pankower Ortsteil Buch, in Hohenschönhausen, Marzahn und zwei in Steglitz-Zehlendorf fertig werden. Proteste von Anwohnern gibt es auch in Buch und in Köpenick. Am größten und aggressivsten sind jedoch die Marzahner Aufmärsche, die nach Angaben linker Gruppen von Neonazis gesteuert werden.

Wohncontainer in Köpenick
Bezugsfertig. Am letzten Dezember-Wochenende 2014 sind die ersten Flüchtlinge ...Weitere Bilder anzeigen
1 von 26Foto: Kitty Kleist-Heinrich
29.12.2014 14:36Bezugsfertig. Am letzten Dezember-Wochenende 2014 sind die ersten Flüchtlinge ...
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