Berlin-Mitte : U5-Baustelle lässt Treppe des Roten Rathauses wegsacken

Vor dem Rathaus soll ein neuer U-Bahnhof entstehen. Zu dieser Großbaustelle kommt jetzt noch eine neue: Die Freitreppe vor dem Haupteingang wird mürbe.

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Die Treppe vor dem Roten Rathaus ist in Teilen abgesperrt.
Die Treppe vor dem Roten Rathaus ist in Teilen abgesperrt.Foto: Laura Hofmann

Wo gehobelt wird, da fallen Späne, sagt der Zimmermann. Und wenn gegraben wird, so richtig tief, dann wackeln im Roten Rathaus auch schon mal die Wände – und die Freitreppe vor dem mächtigen Haupteingang wird mürbe. Die Folge: Stufe 3 von unten, vorn links, ist weggesackt. Das Loch verdecken jetzt Spanplatten und ein paar Holzbohlen. Drum herum ein hässliches Absperrgitter, an dem zwei schief angebrachte Schilder hängen. „Baustelle! Kein Durchgang.“ 

Egal. Wer unbedingt ins Rote Rathaus will, kann sich immer noch rechts an der Absperrung vorbeimogeln. Außerdem gibt es Nebeneingänge, die beispielsweise der Regierende Bürgermeister Michael Müller nutzt, wenn er sich am frühen Morgen auf den Dienst-Parkplatz im Innenhof fahren lässt. Durch die getönten Scheiben sieht man eh nicht viel. Ganz abgesehen davon, dass die Großbaustelle vor dem Rathaus, wo ein neuer U-Bahnhof der Linie 5 entsteht, die Berliner und ihre Gäste nicht zum Verweilen einlädt. Jeder Recyclinghof der Stadtreinigung ist derzeit attraktiver als die von Bauzäunen eingefasste Passage vor dem Eingang des Rathauses.

Der Rohbau steht

Immerhin: der Rohbau ist fertig, jetzt wird der U-Bahnhof vor dem Regierungssitz des Landes Berlin in neogotischem Stil ausgebaut und mit schwarz-weißer Keramik geschmückt. 58 400 Kubikmeter freier Raum werden umbaut. Da werden sich in nächster Zeit doch auch noch ein paar Euros aus der Stadtkasse für einen Sack Zement und die nötigen Steinplatten finden, um die Rathaustreppe wieder in einen Zustand zu versetzen, den man betretbar nennen kann.

Angeblich gibt es bereits Pläne, um die erschütterte Bodenstruktur zu stabilisieren und den ursprünglichen Zustand wiederherzustellen. In Sachen Bau ist der Senat bekanntlich fix – und damit es auch jeder mitkriegt, dass dort eine wichtige Baustelle eingerichtet wird, soll der Haupteingang in Kürze vollständig geschlossen werden. Aber keine Sorge. Weil Sprinkleranlagen vor der Tür baurechtlich nicht vorgeschrieben sind, wird die Bauzeit überschaubar bleiben. Irgendwann heißt es dann wieder: Treppe frei! Doch bis dahin hilft es nichts, am Gitter des Rathauses zu rütteln und zu rufen, ich will rein. Es ist ja auch schon ein Müller drin.

Foto: Laura Hofmann
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