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Berlin-Moabit : Lageso-Wachmann nach Hetze gegen Flüchtlinge gefeuert

In einem Video pöbelt ein Wachmann gegen Flüchtlinge und kündigt rechte Aktionen an. Die Sicherheitsfirma hatte schon mehrfach Ärger.

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Ohne Sicherheitsleute geht am Lageso nichts. Es gab schon öfter Ärger - jetzt ist ein Video aufgetaucht, in dem ein Wachmann gegen Flüchtlinge hetzt. Der Abgebildete ist nicht der Mann, um den es geht.
Ohne Sicherheitsleute geht am Lageso nichts. Es gab schon öfter Ärger - jetzt ist ein Video aufgetaucht, in dem ein Wachmann gegen...Foto: dpa

Erneut ist es mit Wachleuten am Lageso zu einem Zwischenfall gekommen. In einem Video, das die "B.Z." veröffentlicht hat, ist ein Gegenbauer-Mitarbeiter zu sehen und zu hören, der gegen Flüchtlinge hetzt. Die Firma Gegenbauer hatte sich nach Bekanntwerden des Videos bestürzt gezeigt. Der Mann sei mittlerweile identifiziert und mit sofortiger Wirkung von seinen Aufgaben entbunden worden, erklärte das Unternehmen; es gebe für ihn keine Zukunft in der Firma, die mehr als 15.000 Menschen aus über 100 Ländern beschäftigt. Allerdings ist der Job am Lageso auch stressig, Konflikte sind Alltag. Erst im Oktober hatte es nach einem Video mit prügelnden Sicherheitsmitarbeitern am Lageso viel Ärger gegeben.

Der Aufpasser sagt: "Da kriege ich Hakenkreuze in den Augen"

In dem Video-Material sieht man den Mann in Räumlichkeiten am Eingang zum Lageso-Areal an der Turmstraße mit einer Stulle in der Hand auf und ab gehen, dabei sagt er Sätze wie: "Die schleppen hier alles nach Deutschland ein, weil sie alles reinholen. (…) Allein da kriege ich schon Hakenkreuze in den Augen, nur bei sowas." Und: "In zwei Jahren hat es hier die Revolution gegeben und dann gibt es die ganze Scheiße nicht mehr. Die fegen wir aus dem Land raus." Und weiter: "Und du kannst mir eins glauben: Wenn man sagt, das können die Rechten nicht, da würde ich mal sagen, seid euch da nicht so sicher. Wir machen es auf die radikale Weise, so einfach ist das. Da wird nicht mehr gefragt, ob das richtig ist oder falsch, da wird es gemacht. Wo gehobelt wird, fallen Späne. Bis zum bitteren Ende." Die Tirade gipfelt darin, dass der Mann ankündigt, die "Ferienlager" würden bald wieder genutzt. "Auf das Tor: Arbeit macht frei", ruft er.

Der Türkische Bund Berlin-Brandenburg (TBB) forderte am Dienstag, der Berliner Senat müsse diesem skandalösen und zum Teil rassistischen Treiben ein Ende bereiten. Auch der Linke-Abgeordnete Hakan Tas erklärte, Sozialsenator Mario Czaja (CDU) sei aufgefordert, für einen menschenwürdigen Security-Service zu sorgen.

Am Landesamt für Gesundheit und Soziales schlugen sich am 23.10.2015 Sicherheitskräfte mit Flüchtlingen

Es hatte schon öfter Prügel-Vorwürfe gegen Mitarbeiter der Firma Spysec gegeben - im Oktober waren Videos aufgetaucht -, auch eine Anklage wegen eines Vorfalls vor zwei Jahren gab es. Die Angeklagten wurden allerdings kürzlich freigesprochen. Spysec ist auch ein Subunternehmer von Gegenbauer. Spysec hat 56 Mitarbeiter am Lageso, die an ihren roten Jacken zu erkennen sind. Fast alle haben einen Migrationshintergrund; sie sprechen die Sprachen der Flüchtlinge - arabisch, serbisch, türkisch. Die Gegenbauer-Leute tragen blaue Jacken und sind überwiegend Deutsche; sie sind mehr im Objektschutz eingesetzt.

Lesen Sie die große Tagesspiegel-Reportage: Nur nicht austicken, immer freundlich bleiben. Am Berliner Lageso schlugen Security-Mitarbeiter auf Flüchtlinge ein, in Sachsen arbeiteten Rechtsradikale für den Wachschutz. Seitdem steht die gesamte Branche unter Generalverdacht. Mehmet Seferoglou ist anders.