Berlin-Neukölln : Karl-Marx-Straße ist noch bis 2021 Baustelle

Die Bagger rollen wieder über die Karl-Marx-Straße, daneben schiebt sich die Blechlawine vorbei. Seit sechs Jahren wird hier saniert, bis 2021 soll es noch dauern. Die Händler bangen um ihre Existenz.

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So sieht's nach der Sanierung aus - sehr ins Auge fallen die Veränderungen nicht.
So sieht's nach der Sanierung aus - sehr ins Auge fallen die Veränderungen nicht.Foto: Thomas Loy

„Wann haben wir angefangen zu bauen – 2012?“ Staatssekretär für Stadtentwicklung, Engelbert Lütke Daldrup (SPD), ist sich nicht ganz sicher. Kann passieren, bei den vielen Baustellen in der Stadt. „2010“, bekommt er zugerufen. Sechs Jahre sanieren sie schon an der Karl-Marx-Straße in Neukölln herum, und jetzt ist erst die halbe Strecke geschafft. „Donnerwetter, braucht eben so seine Zeit“, pariert Lütke Daldrup seine eigene Verwunderung. Voraussichtliche Fertigstellung: 2021.

Neuköllns Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) formuliert es blumiger, mit einem Schuss Unbekümmertheit: „Irgendwann wird es fertig, und dann wird es schön.“

Die Karl-Marx-Straße hat viele Funktionen

Die Karl-Marx-Straße ist Einkaufsstraße, Hauptverkehrsstraße, Kiezzentrum – und ein Sanierungsfall. Die BVG dichtet die Tunneldecken über der U-Bahn ab, Telekom und Vattenfall erneuern ihre Leitungen, der Bezirk verbreitert die Bürgersteige, pflanzt Bäume und stellt Fahrradbügel und neue Straßenlaternen auf. Die Straße soll hübscher werden, fahrradfreundlicher, etwas Boulevardcharakter erhalten, was bei einer durchschnittlichen Straßenbreite von 40 Metern nicht ganz einfach ist. 14 Millionen Euro wird die Runderneuerung voraussichtlich kosten.

Gebaut wird in Etappen, damit der Verkehr nicht gänzlich zusammenbricht. Aber auch so ist es für Autofahrer, Radfahrer und die Geschäftsleute schwer genug. Im dritten Bauabschnitt, der jetzt begonnen wurde, gibt es zwischen Uthmannstraße und Briesestraße nur noch eine Fahrspur stadteinwärts. Der Verkehr stadtauswärts muss die Nebenstraßen nutzen oder auf die Sonnenallee ausweichen. Bis Ende 2017 soll dieser Abschnitt fertig sein.

Straßenkunst soll das Trottoir beleben

Im südlichen Bereich am Karl-Marx- Platz stehen bereits neue Bügel zum Zweirad-Anschließen, Radstreifen sind markiert, neue Bäume gepflanzt, aber ein Boulevardgefühl stellt sich nicht ein. Im jetzigen Bauabschnitt wird noch etwas draufgesattelt – mit Straßenkunst: Poller, die wie große Nägel aussehen und haufenweise auftreten, „ohne Wege zu versperren“, Sitzbänke mit unterschiedlichen Sitzhöhen und „Gehwegintarsien“ sind angekündigt. Umgebaut wird die Karl-Marx-Straße insgesamt auf einer Länge von zwei Kilometern, zwischen Weichselstraße und Hermannplatz bleibt alles beim Alten. Der Hermannplatz selbst ist für eine komplette Neugestaltung vorgesehen – Baubeginn laut Baustadtrat Thomas Blesing (SPD) frühestens 2021, also nach Fertigstellung der Karl-Marx-Straße.

Auch am Image wird gearbeitet

Neben der materiellen Erneuerung der Straße läuft auch ein Projekt zur Imagepflege, die „Aktion Karl-Marx-Straße“, mit dem Anwohner und Gewerbetreibende für gemeinsame Kulturprojekte und Feste auf der Straße gewonnen werden. Zwei „Citymanagerinnen“ kümmern sich um ein gemeinsames Marketing der Händler und beraten bei wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Im Notfall können die Händler während der Umbauphase der Straße auch Finanzhilfen beantragen, sagt Blesing, aber dazu müssten sie ihre finanzielle Lage offenlegen – „das wollen die meisten nicht“.

Die südliche Karl-Marx-Straße verändert sich seit ein paar Jahren, die Bewohnerschaft wandelt sich. Zwischen den türkischen Bäckern und arabischen Juwelieren haben die ersten Bioläden aufgemacht. Nadia Massi von der „Bioase 44“ findet Veränderung gut und notwendig und hofft zugleich, dass „Lärm, Dreck und chaotische Verhältnisse“ vor ihrer Tür nicht länger als unbedingt nötig das Geschäft beeinträchtigen. „Letztes Jahr hatten wir vier Stunden Stromausfall“, wegen einer Havarie auf der Baustelle. Die Straße sollte, wenn sie fertig ist, „eine gute Mischung aus Prenzlauer Berg und Kreuzberg“ präsentieren. Ohne ihre Neuköllner Herkunft zu verleugnen.

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