Berlin-Neukölln : Mann bringt Kind zur Welt

Vater und Mutter zugleich: Ein Neuköllner Transmann, also ein Mensch, der die körperlichen Merkmale einer Frau aufweist, sich aber als Mann fühlt, hat einen Sohn zur Welt gebracht. Das Kind hat juristisch keine Mutter, da der Gebärende als Vater und nicht als Mutter eingetragen werden wollte.

Kristina Wollseifen

„Das ist der erste Fall, der mir in dieser Art untergekommen ist“, sagt Neuköllns Sozialstadtrat Falko Liecke (CDU). Irgendwie ist er immer noch ein wenig verwirrt. Wie soll man ihn oder sie denn nun korrekt nennen? „Der Gebärende“ trifft es für ihn am besten. Oder wie sonst könnte man den Mann aus Neukölln nennen, der im April ein Kind zur Welt gebracht hat?

Der Fall erinnert an Thomas Beatie. Der Transsexuelle aus Arizona, USA, hat bereits drei Kinder zur Welt gebracht. Über den Neuköllner Transmann ist bis auf seinen Heimatbezirk nichts bekannt. Ein Transmann ist jemand, der die körperlichen Merkmale einer Frau aufweist, sich aber als Mann fühlt. Deshalb steht der Neuköllner mittlerweile als Mann, und nicht mehr als Frau, im Melderegister. Von der anstehenden Geburt informierte der werdende Vater im März die Senatsverwaltung für Inneres, die auch für die Standesämter zuständig ist. Er wünschte sich, auch in die Geburtsurkunde als Vater eingetragen zu werden. Dem ist das Standesamt nachgekommen. Für das Kind bedeutet das, dass es juristisch keine Mutter hat.

Außerdem hatte sich der Transmann gewünscht, dass das Geschlecht des Kindes, es ist ein Junge, nicht in die Geburtsurkunde eingetragen wird. Dieser Wunsch wurde ihm nicht erfüllt. „Ein geschlechtsloses Kind? An dieser Stelle habe ich Zweifel bekommen“, sagt Falko Liecke. Die Senatsverwaltung für Inneres hatte das Jugendamt und damit auch ihn als Stadtrat über den Fall informiert. Es sollte geprüft werden, ob eine Gefährdung des Kindeswohls vorliege. „Aber dafür gab es keinerlei Anzeichen“, sagt Liecke.

Deswegen gab ihm das Standesamt auch nicht die Kontaktdaten des Vaters weiter. „Ich hätte den Vater und seinen Sohn gerne besucht“, sagt der Stadtrat. „Es geht uns gar nicht darum, dass wir den Vater kontrollieren wollen.“ Vielmehr würde er gerne mal vorbeischauen, um über Möglichkeiten und Beratungsangebote des Jugendamts zu infomieren.

In Neukölln besuchen Sozialarbeiter alle Familien mit Neugeborenen. Allerdings ist dafür die übliche Frist bereits abgelaufen. Doch selbst wenn nicht, hätte der Vater den Besuch verweigern können. Auch von den Amtsärzten, die für die Untersuchungen zur Früherkennung zuständig sind, kamen bisher keine Meldungen, dass irgendetwas auffällig sei. „Ich hoffe, dass der Kleine liebevoll behandelt und versorgt wird“, sagt Falko Liecke. „Ich weiß nicht, wie das Kind erzogen werden soll, aber es könnte schon irgendwann problematisch werden. Die Informationen über seine Mutter sollten ihm nicht vorenthalten werden.“ Laut dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ wurde das Kind mittels Samenspende gezeugt.

Anfangs war das Jugendamt sich nicht sicher, ob das Kind wirklich ein Junge ist, daran besteht aber kein Zweifel mehr. Die Unsicherheit entstand, weil das Kind nicht in einer Klinik, sondern mit Hilfe einer Hebamme zu Hause zur Welt kam. Allerdings sind jetzt im Standesamt Zweifel aufgetaucht, ob der Transmann nun doch als Frau oder als Mann im Personenstandregister zu führen ist. Das Amtsgericht Schöneberg soll darüber nun entscheiden.