Berlin-Schönefeld : Flughafen will neue BER-Piste nur teilweise betreiben

Die Flughafengesellschaft plant, in Schönefeld während der Reparaturarbeiten an der nördlichen Startbahn die neue Südpiste zu betreiben – und setzt dabei auf einen Trick.

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Die neue Südbahn am BER würde nicht in voller Länge genutzt. Bislang ist sie mit einem roten Kreuz gesperrt.
Die neue Südbahn am BER würde nicht in voller Länge genutzt. Bislang ist sie mit einem roten Kreuz gesperrt.Foto: dpa

Die Flughafengesellschaft plant, in Schönefeld während der Reparaturarbeiten an der nördlichen Startbahn die neue Südpiste zu betreiben – obwohl dies nach geltender Rechtslage eigentlich die automatische Schließung des Flughafens Tegel sechs Monate später auslösen würde. Doch es gibt einen Trick. Die 4000 Meter lange Südbahn am BER soll nur auf einer Länge von 3600 Meter für Starts und Landungen genutzt werden. Das entspricht der Länge der älteren Startbahn, die erneuert wird. Begründung: Damit werde die neue Startbahn eigentlich nicht in Betrieb genommen, weil ja auf die Nutzung der kompletten Länge verzichtet wird.

Flughafenchef Mehdorn und seine Mannschaft glauben, dass sie so um die Erfüllung einer Bestimmung aus dem Flughafenurteil des Bundesverwaltungsgerichtes vom März 2006 herumkommen. In diesem Urteil hatten die Leipziger Richter zustimmend die Absichten zur Kenntnis genommen, die die Planfeststellungsbehörden bezüglich der drei Berliner Flughäfen formulierten. Danach soll Tegel sechs Monate nach Aufnahme des Betriebs von BER geschlossen werden. Als Betriebsaufnahme wird der Moment definiert, an dem die neue, südliche Start- und Landebahn regelmäßig genutzt wird. Während der ILA, der Internationalen Luftfahrtausstellung, waren Starts und Landungen auf der Südpiste für wenige Tage gerichtlich hingenommen worden.

Ein Flughafen, viele Terminals - nicht nur am BER
Bleibt Schönefeld-Alt in Betrieb, gibt es auf dem BER-Gelände zwei Terminals, die nicht direkt miteinander verbunden sind. Woanders gibt es bereits solche Beispiele, wobei häufig Billigfluglinien dann auf ein Abfertigungsgebäude konzentriert werden, so wie es Mehdorn auch in Schönefeld vorhat. Hier im Bild: Schönefeld-Alt.Weitere Bilder anzeigen
1 von 28Foto: dpa
14.02.2014 11:20Bleibt Schönefeld-Alt in Betrieb, gibt es auf dem BER-Gelände zwei Terminals, die nicht direkt miteinander verbunden sind....

Ob die Gerichte aber den Flugbetrieb auf der Südpiste für fünf Monate – so lange soll die Erneuerung der asphaltierten Nordpiste dauern – noch als Zwischenlösung akzeptieren, die die Schließungsautomatik für Tegel nicht in Kraft setzt, ist fraglich. Das gilt auch für den vermeintlichen Geniestreich, die neue Betonpiste nur auf 3600 der 4000 Meter zu nutzen. Eher wahrscheinlich ist, dass Piloten je nach Wetterlage und Gewicht der voll besetzten und betankten Maschinen aus Sicherheitsgründen die zur Verfügung stehende Gesamtlänge der Südpiste in Anspruch nehmen. Das wird man am Gummiabrieb schnell erkennen – darauf, wie lange es dann bis zur ersten Klage dauert, kann man wetten.

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