Berlin sucht Polizeipräsidenten : Keine für die zweite Reihe

Margarete Koppers zeigt als amtierende Polizeichefin zunehmend Profil. Auch der Innensenator würde eine Bewerbung wohl unterstützen.

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Innensenator Frank Henkel (CDU) würde eine Bewerbung von Koppers befürworten.
Innensenator Frank Henkel (CDU) würde eine Bewerbung von Koppers befürworten.Foto: dpa

Die Chancen, dass Margarete Koppers Berlins erste Polizeipräsidentin wird, steigen. Innensenator Frank Henkel (CDU) jedenfalls macht kein Geheimnis mehr daraus, dass er eine Bewerbung von Koppers als Präsidentin erwartet und befürwortet. Die Ausschreibung sei fast fertig, sagte Henkel am Dienstag in der Senatspressekonferenz – und lobte anschließend ausdrücklich Koppers. Sie habe nach so vielen Monaten als kommissarische Behördenleiterin für eine Bewerbung ja nun genügend polizeiliche Erfahrung gesammelt. Zwei Jahre ist die Juristin Koppers bei der Polizei, seit dem Ausscheiden von Dieter Glietsch im Juni 2011 führt sie Deutschlands größte Polizeibehörde kommissarisch.

In ihrem Umfeld heißt es, dass sie sich um den Posten bewerben wird. „Sie ist niemand für die zweite Reihe“, sagte ein hochrangiger Beamter im Präsidium. In jüngster Zeit agiert Koppers auch deutlich offensiver, sie wirkt mutiger und setzt eigene Akzente. Am Montagvormittag erntete die 50-Jährige viel Lob für ihre Ankündigung, wichtige Demonstrationen zur Chefsache zu machen. Am Montagabend überraschte die kommissarische Behördenleiterin dann vor einem Verein, in dem sich Christen, Juden und Muslime zusammengefunden haben, mit ebenso deutlichen wie selbstkritischen Worten zur Rolle der Polizei beim Kampf gegen den Rechtsextremismus. Anlass des „Treffpunkts Religion und Gesellschaft“ waren Drohbriefe, die bei zwei Moscheen und der Jüdischen Gemeinde eingegangen waren.

Die Zwickauer Zelle zeige, dass mit terroristischen Kleingruppen zu rechnen sei, sagte Koppers. „Wir müssen uns von alten Denkmustern freimachen, um Gefahren sicher prognostizieren zu können.“ Die Polizei habe rechtsextreme Straftäter in mancher Hinsicht unterschätzt. „Wir müssen uns mehr in sie hineinversetzen, auch wenn mir persönlich das schwerfällt.“ Koppers plädierte für eine Neubewertung der „Gefahren, die in Deutschland vom Rechtsextremismus ausgehen“. Die rechte Gewalt sei eine ernstzunehmende Bedrohung.

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Sie gab zu, dass die Polizei seit dem Bekanntwerden der Zwickauer Terrorzelle einen Vertrauensverlust spüre. Er betreffe die Institution Polizei allgemein, nicht jedoch deren Verbindungsbeamte zu den jüdischen und islamischen Gemeinden sowie den Migrantenorganisationen. Koppers rief ihre Mitarbeiter dazu auf, mit den Betroffenen rechtsextremistischer Drohungen „deutlich sensibler umzugehen“. Die Opfer verstünden die in juristischen Begriffen formulierten Einschätzungen der Polizei zur Gefährdungslage oft nicht – etwa wenn wie im Falle der Drohbriefe über eine „abstrakte oder konkrete Gefährdungslage“ gesprochen werde. Und: „Ich will nicht abstreiten, dass es Rassismus in der Polizei gibt, aber wir arbeiten daran.“

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