Berlin-Tempelhof : 15 Jahre Bezirkschef in Tempelhof: Siegmund Jaroch ist tot

Er wohnte immer im Kiez, hatte keinen Führerschein, er trug den höchsten Orden der US Air Force. Nun ist der CDU-Abgeordnete Siegmund Jaroch gestorben.

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Rathaus Tempelhof. Jaroch ging hier immer zu Fuß ins Büro. Foto: Kitty Kleist-Heinrich
Rathaus Tempelhof. Jaroch ging hier immer zu Fuß ins Büro.Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Der ehemalige Bezirksbürgermeister von Tempelhof und CDU-Abgeordnete Siegmund Jaroch ist tot. Der 89-Jährige starb am 9. Januar in Berlin, teilte die CDU-Fraktion des Abgeordnetenhauses mit. 1926 in Stettin geboren, war Jaroch von 1971 bis 1975 stellvertretender Bezirksbürgermeister Tempelhofs, anschließend leitete er bis 1991 das Rathaus. Zudem war er insgesamt zehn Jahre lang Abgeordneter. Im Jahr 2000 wurde er zum Stadtältesten von Berlin ernannt.

40.000 Mark Spende für die zerstörte Partnerstadt in den USA

Jaroch wurde 1992 mit dem höchsten Orden der US Air Force für Zivilisten, "Scroll of Appreciation", ausgezeichnet, wie der Tagesspiegel damals berichtet hat. Der CDU-Politiker habe während seiner über 15-jährigen Amtszeit "weniger durch Reden als durch Taten einen großartigen aktiven Beitrag zu den deutsch-amerikanischen Beziehungen geleistet", sagte Donald Rice damals von der US Air Force bei der Verleihung der Auszeichnung. In der Laudatio wurden besonders Jarochs Verdienste um die Städtepartnerschaft zwischen Tempelhof und Charleston (Südkarolina) gewürdigt. Als Charleston im Jahr 1989 von einem Hurrikan heimgesucht wurde, spendete Siegmund Jaroch sofort 40.000 DM aus öffentlichen Mitteln und organisierte private Hilfsaktionen.

So sah der Mauerstreifen aus
Beengend, der Familienausflug mit dem Fahrrad im Jahr 1981. Bis zur Panzersperre führte der Ausflug, im Hintergrund sind die Hochhäuser der Leipziger Straße im Osten der Stadt zu erkennen. Liebe Leserinnen, liebe Leser: Senden Sie Ihre Fotos des Berliner Mauerstreifens an leserbilder@tagesspiegel.de! Foto: Sommer/ImagoWeitere Bilder anzeigen
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07.06.2017 13:58Beengend, der Familienausflug mit dem Fahrrad im Jahr 1981. Bis zur Panzersperre führte der Ausflug, im Hintergrund sind die...

Er ging immer zu Fuß ins Rathaus Tempelhof

Zum 15-Jährigen Dienstjubiläum hieß es im Februar 1990 im Tagesspiegel: "Seit einem Vierteljahrhundert ist er heute Mitglied des Bezirksamtes, zudem seit fast 15 Jahren Bürgermeister. "Fast ein normaler Vorgang", wertet der gebürtige Stettiner das seltene Jubliäum, das nur mit einer .kleinen Bescheidenheit eines Mannes, der als dienstältester Bürgermeister West-Berlins eigentlich markanter im Rampenlicht der Öffentlichkeit stehen könnte. Aber das wäre wohl mit seinem Verständnis von Politik und Verwaltung nicht vereinbar. Statt großer Auftritte bevorzugt er "den Kontakt mit den Menschen" - im wahrsten Sinnes des Wortes auf der Straße. Zu Fuß legt er fast täglich den Weg von seiner Mariendorfer Wohnung - in der Straße wohnt er seit 1939 - zum Rathaus zurück. Weder Führerschein noch Auto besitzt Jaroch, der mit diesem Hinweis vor Jahren eine Attacke der AL in der BVV konterte, statt des Dienstwagens solle er sein Privatauto nutzen."

Florian Graf: "Wir verneigen uns"

Nach seinem Tod sagte der Vorsitzende der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus und CDU-Kreisvorsitzende von Tempelhof-Schöneberg, Florian Graf: "Wir verneigen uns vor einem guten Freund, einem hoch engagierten Politiker und Demokraten. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren." (mit Tsp-Altarchiv)

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Berlin-Charlottenburg, Breitscheidplatz, in den 70er Jahren. Der Reihe nach: der Tunnel ist geschlossen, die Fahrspuren links im Bild sind verschwunden (wie auch das Hochhaus hinten im Bild). Foto: Imago/Gerhard LeberWeitere Bilder anzeigen
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