Berlin-Tempelhof : Brücke soll Hatun Sürücüs Namen tragen

Die Brücke, die Tempelhof mit dem Tempelhofer Feld verbinden soll, wird nach Hatun Sürücü benannt. Die junge Frau wurde 2005 in der Nähe erschossen, ihr Bruder wurde wegen Mordes verurteilt.

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Hatun Sürücü wurde im Februar 2005 in der Oberlandstraße in Tempelhof erschossen.
Hatun Sürücü wurde im Februar 2005 in der Oberlandstraße in Tempelhof erschossen.Foto: dpa

Die künftige Brücke von der Oberlandstraße zum Tempelhofer Feld soll nach Hatun Sürücü benannt werden. Am Donnerstagabend stimmte der Kulturausschuss Tempelhof-Schöneberg mehrheitlich für einen Antrag der CDU, die 1982 in Berlin geborene und 2005 von mindestens einem ihrer Brüder ermordete Kurdin auf diese Weise zu ehren.

Die Brücke soll das Tempelhofer Feld und ein entlang der Stadtautobahn geplantes Gewerbegebiet ab etwa 2016 von Süden her erschließen. Direkt angrenzend ist ein S-Bahnhof geplant. An der südlich davon gelegenen Oberlandstraße war Hatun Sürücü am Abend des 7. Februar 2005 mit drei Kopfschüssen getötet worden. Einer ihrer drei angeklagten Brüder wurde vom Landgericht wegen Mordes zu mehr als neun Jahren Jugendstrafe verurteilt. Nach Überzeugung des Gerichts hatte die Familie den Lebensstil von Hatun missbilligt, die aus der Zwangsehe mit ihrem Cousin ausgebrochen war und mit ihrem kleinen Sohn in Berlin ein selbstbestimmtes Leben führen wollte. Das Verbrechen löste eine riesige politische Diskussion aus.

Mit der Benennung sollen Mut und Verantwortung der jungen Frau gewürdigt werden. Nach Auskunft von Kulturstadträtin Jutta Kaddatz (CDU) stimmten CDU und Grüne im Ausschuss dafür. SPD und Linke hätten sich zumindest teilweise dagegen geäußert, so dass auch das noch ausstehende Votum der Bezirksverordnetenversammlung unsicher sei. Nach Angaben von Kaddatz hat ein von der SPD benannter Träger in der Anhörung vor einer möglichen „Diskriminierung der türkischen Community“ wegen des türkischen Namens im Zusammenhang mit dem damaligen „Ehrenmord“ gewarnt. Dagegen sprachen sich der Lesben- und Schwulenverband sowie die Menschenrechtsorganisation Terre des Femmes für die Benennung aus.

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