Berlin-Tiergarten : Berlins kurioseste U-Bahnbaustelle: Bartholdy-Park

Der U-Bahnhof verschwindet im Dunkeln, die Glasscheiben werden ausgebaut. Und was soll das gewaltige Loch nebenan? Das ist für die S-Bahn ...

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Und so soll's mal später aussehen: Das Loch von eben verschwindet hier einer Verblendung links neben dem U-Bahnhof Mendelssohn-Bartholy-Park. Diese Simulationen hängen an der Baustelle.
Und so soll's mal später aussehen: Das Loch von eben verschwindet hier einer Verblendung links neben dem U-Bahnhof...Foto: André Görke

Welch eine Verwandlung: Aus dem vom Tageslicht natürlich erhellten U-Bahnhof Mendelssohn-Bartholdy-Park der U 2 am Potsdamer Platz ist eine verdunkelte Station geworden, die künstlich beleuchtet werden muss. Vor den großflächigen Fenstern sind inzwischen die Mauern für ein Gebäude, „High Park“ genannt, emporgewachsen, das den Hochbahnhof fast komplett einhausen wird. Nur der südliche Eingangsbereich am Landwehrkanal bekommt noch Tageslicht ab.

In einem aufwendigen Bauverfahren entsteht neben und über dem Bahnhof ein Gebäudekomplex mit bis zu 13 Stockwerken. Wohnungen, ein Hotel und Geschäfte soll es hier geben. Um die Baugruben neben der Station ausheben zu können, musste die BVG den Hochbahnhof stabilisieren. Für die erforderlichen Träger, die den Bau stützen, waren Öffnungen in der Fassade erforderlich.

13 Stockwerke soll das Gebäude haben

Die BVG wird die nun überflüssigen Fenster des Bahnhofs ausbauen und durch eine glaslose Wand ersetzen. Damit erledigt sich für die BVG auch das Problem mit den zerkratzten Scheiben. Der Bahnhof Mendelssohn-Bartholdy-Park war davon besonders betroffen; in der Not klebte die BVG Folien mit einem wellenförmigen Muster auf die Scheiben, was das Zerkratzen unattraktiv machte, weil die „Werke“ kaum noch zu erkennen waren. Den ebenfalls stark beschmierten Fliesen verpasste man eine leichter zu reinigende Folie mit Blümchenmuster.

Ein U-Bahnhof verschwindet im Bauch eines Hochhauses
Zwischen diesen Fotos liegen zehn Monate. Das linke Foto entstand Ende September 2016, das rechte im Dezember 2015. Der Eingang des U-Bahnhofs ist zu sehen, die eigentlichen Bahnsteige nicht mehr.Weitere Bilder anzeigen
1 von 43Fotos: André Görke
20.09.2016 09:44Zwischen diesen Fotos liegen zehn Monate. Das linke Foto entstand Ende September 2016, das rechte im Dezember 2015. Der Eingang...

Ungewöhnlich am Neubau ist aber nicht nur die Lage neben und über einem Hochbahnhof der U-Bahn. In der Fassade gibt es eine gewaltige Öffnung mit einem anschließenden Tunnel ins Nichts. Hier sollen irgendwann auch S-Bahnen durch den Neubau fahren – wie bereits jetzt die U-Bahn. Seit ewigen Zeiten geplant ist eine Neubaustrecke vom Potsdamer Platz zum U-Bahnhof Gleisdreieck und weiter bis Südring. Weil auch die S-Bahn hier in Hochlage verkehren soll, ist der Tunnel durch das Gebäude erforderlich, wie es ihn bereits am benachbarten Scandic-Hotel gibt. Vielleicht finden sich für die Nutzung auch Zwischenlösungen.

Der Bahnhof Potsdamer Platz ist vorbereitet auf die neue S-Bahn

Wann hier auch S-Bahnen fahren werden, ist ungewiss. Derzeit baut die Bahn unter dem Arbeitstitel S 21 den Abschnitt vom Nordring zum Hauptbahnhof, der später bis zum Potsdamer Platz verlängert werden soll. Dieser Bahnhof hat vier Gleise und zwei Bahnsteige, um zwei Nord-Süd-Strecken aufnehmen zu können – die vorhandene mit den Linien S 1, S 2 und S 25 sowie die geplante S 21. Auch für die Ausfädelung Richtung Gleisdreieck sind schon einige Meter Tunnel betoniert. Weil aus dem Hochbahnhof nun fast ein abgeschotteter U-Bahnhof entstanden ist, musste auch ein neuer Notausgang im Tunnel gebaut werden. Entstanden ist er auf der sogenannten Bernburger Treppe nördlich vom Scandic-Hotel, dessen Südfassade in Zukunft vom „High-Park“-Gebäude verdeckt sein wird.

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