BERLINER Chronik : 18. März 1987

Kritik an Kunst auf dem Ku’damm und eine umstrittene Kabarett-Werbung.

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Der Ku’damm soll zum Stadtjubiläum als Skulpturen-Boulevard glänzen. Ecke Joachimstaler Straße steht über Nacht die erste Installation, der Bildhauer Olaf Metzel hat „Fundstücke“ rot-weißer Absperrgitter der Polizei aufgetürmt. Das Werk kostet 170 000 DM und löst einen Sturm der Entrüstung aus. Das mächtige Gebilde ist nach einem Foto von einer Demonstration geformt, auf dem solche Gitter und Pflastersteine zu sehen sind. Auch andere Skulpturen stoßen auf Ablehnung, so Wolf Vostells einbetonierte Cadillacs am Rathenauplatz. Den Künstlern schlage „enorme Spießigkeit“ entgegen, äußert die Projektleitung, die der Neue Berliner Kunstverein hat.

Das Kabarett Die Enterbten muss auf Beschluss des Landgerichts seine Werbeplakate mit der zusätzlichen Aufschrift „Kabarett“ versehen. Die BVG hatte die für die U-Bahn gedachten Plakate beanstandet; sie zeigen einen grauen Bundesadler, der auf eine am unteren Rand zerfetzte NS-Fahne genagelt ist. Das Kabarett weist den Aufkleber als „Eingriff in ein Kunstwerk“ zurück und verzichtet auf die Plakatwerbung. Brigitte Grunert

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