Berliner Erzbischof : Papst Benedikt ernennt Woelki zum Kardinal

18.02.2012 10:37 UhrVon Claudia Keller
Rainer Maria Woelki ist zum Kardinal ernannt worden. Foto: Reuters
Rainer Maria Woelki ist zum Kardinal ernannt worden. - Foto: Reuters

Wenn der Berliner Erzbischof Rainer Maria Woelki spricht, sind die Säle voll, denn ihm trauen sie in Berlin einiges zu. Und nicht nur hier. Heute hat ihn Papst Benedikt zum Kardinal ernannt.

Drei Soutanen muss er mit nach Rom schleppen. „Das müssen Sie sich mal vorstellen – drei von diesen schweren Dingern“, klagte Rainer Maria Woelki vor einer guten Woche und zählte auf: Seine jetzige violette Bischofsrobe muss mit für den Freitag vor der Kardinalserhebung, dann die neue purpurrote Kardinalssoutane für die feierliche Messe am Sonnabend, in der Papst Benedikt XVI. ihn zum Kardinal erhebt. Dazu kommt noch die kardinalsgemäße Straßenkleidung, sozusagen das „kleine Rote“.

Und dann erzählte Woelki in kleiner Gesprächsrunde, dass ihm etwas bang ist vor den vielen offiziellen Terminen, die ihn an diesem Wochenende in Rom erwarten. Hoffentlich bleibe Zeit, seinen Eltern und Geschwistern die Stadt zu zeigen.

Rainer Maria Woelki macht keinen Hehl daraus, dass es für ihn noch Schöneres im Leben gibt, als sich von Journalisten ausfragen zu lassen oder vor Publikum über sich selbst zu sprechen. Aber er weiß: So ist die Welt nun mal, sie hebt die einzelne Person in den Vordergrund und will Glamour und Schlagzeilen, auch von einem Geistlichen.

Seit seinem Amtsantritt als Berliner Erzbischof vergangenen Sommer saß er schon vor vielen Mikrofonen, er trat in der Talkshow „Tadeusz“ auf und traf sich mit Journalisten zum Hintergrundgespräch. Er antwortete geduldig auch denen, die ihm am Anfang so viel Misstrauen entgegengebracht haben. Die geschrieben haben, er sei ein Hardliner, unfähig, verbissen und verbohrt. Die prognostizierten, dass er wie sein Ziehvater, der Kölner Kardinal Joachim Meisner, ständig mit dem moralischen Zeigefinger fuchteln werde. Und dass er wie die Anhänger des „Opus Dei“, an deren Universität er studiert hat, immer ganz genau wissen werde, wo es langgeht.

Ein kleines Beispiel dafür, dass es sich dabei um grobe Fehleinschätzungen handeln könnte: Woelki ist bisher kein negatives Wort über die offen homosexuelle Lebensweise des Katholiken und Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit (SPD) über die Lippen gekommen. Das wäre mit Meisner in Berlin wohl anders gelaufen. Woelki wirbt für seine Überzeugungen. Aber wenn jemand sagt, nein danke, ich mache es anders, respektiert er das. „Man muss die Menschen nehmen, wie sie sind“, sagt Woelki. „Man muss sie lieben, wie sie sind“.

Pomp und Gloria sind ihm fremd. Seine Kardinalssoutane hat er nicht beim Kurienschneider in Rom nähen lassen, sondern in Köln, wo es billiger ist. Er wohnt mittendrin im Kiez, in einer Dachgeschosswohnung in der Osloer Straße in Wedding. Im Sommer sah man Woelki Amtsgeschäfte mit dem Fahrrad erledigen, er fährt gerne mit U- und S-Bahn und für Fernreisen lieber mit dem Zug als mit Chauffeur und Dienstwagen. Seine Bescheidenheit und Offenheit hat sich bis nach Polen herumgesprochen, wo ihn Zeitungen dafür loben, dass er die Brötchen beim türkischen Bäcker kauft.

Die Neugier auf den neuen Erzbischof ist groß. Am Mittwoch vor einer Woche kamen über 200 Menschen ins „Kathedralforum“ bei St. Hedwig, um zu hören, wie er die vergangenen Monate erlebt hat und was er für die Zukunft plant. Mit so viel Andrang hatte keiner gerechnet, zusätzliche Stühle wurden beigebracht. Wann hat eine Veranstaltung im „Kathedralforum“ zuletzt so viele Menschen angezogen? Keiner konnte sich erinnern. In den vergangenen Jahren ging es im Erzbistum vor allem ums Sparen, die Stimmung war schlecht.

    Ein Service von
    Angebote und Prospekte von kaufDA.de
Videos - Berlin
Service

Umfrage

Vom 25. - 28. Mai findet in Berlin der 17. Karneval der Kulturen statt. Werden Sie an dem Festumzug teilnehmen?

Der Stadtleben-Blog

In Berlin kommt man nicht zur Ruhe. Zum Glück. Hier bloggen vier Tagesspiegel-Autoren über Kultur, Szene und Nachtleben der Stadt.
Berichte aus einer lauten Stadt

Das Berliner Programm

Nachrichten aus den Bezirken

Umfrage

Claus-Brunner hat die Frauenquote als "Tittenbonus" bezeichnet. Kann man bei dieser Wortwahl noch ein Auge zudrücken?

Weitere Themen

Willkommen im Tagesspiegel

In unserem Verlagsgebäude finden Lesungen und Salons, Konzerte, Vorträge und Seminare für Leserinnen und Leser statt, zu denen wir Sie herzlich einladen.

Biowetter, Deutschlandwetter und internationales Wetter, Niederschlagsmengen, Reisewetter und aktuelle Satellitenbilder. Behalten Sie das Wetter im Griff!

Tagesspiegel Wetterseite

Tagesspiegel-Spendenaktion

Erleben sie mit tagesspiegel.de die ganz besonderen Veranstaltungen in Berlin und Umgebung. Hier können Sie sich Ihre Tickets zum Aktionspreis sichern.

Weitere Tickets...