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Berliner Flughafen BER : Wie die Architekten zu Schuldigen wurden

13.02.2013 00:00 Uhrvon und

Als der Großflughafen noch Prestige versprach, hielten sie sich in der zweiten Reihe. Jetzt kämpfen die Architekten Hubert Nienhoff und Hans Joachim Paap nicht nur um ihren Ruf - sondern auch um ihre Existenz.

Es begann mit einem Strich, hingeworfen auf eine Rolle Butterbrotpapier. Ein schwarzer Filzstift hat einer vagen Idee der Architekten die ersten Züge verliehen. Sechs Jahre später steht diese Idee beinahe vollendet da, erbaut aus 160 000 Kubikmetern Beton und 33 000 Quadratmetern Glas – und nichts bewegt sich mehr auf dem Großflughafen Berlin-Brandenburg. Die eigene Schöpfung scheint sich gegen sie gewandt zu haben, ist für die Architekten Hubert Nienhoff und Hans Joachim Paap zum Existenzrisiko geworden. Doch es muss offenbar mehr passieren, bevor man den eigenen Flughafen verstößt.

In beider Arbeitszimmern hängen Bilder vom BER an einem Ehrenplatz, direkt gegenüber vom Schreibtisch. Jeder Blick ein Stich ins Herz? Das Gebäude kann doch nichts dafür, sagt Paap. Da sind wir stolz drauf, sagt Nienhoff. Ja, trotz allem, sagen beide.

Nienhoff, Jahrgang 59, greift wieder zum Filzstift. Zwölf kräftige Striche braucht der Mann mit dem blauen Hemd, der Weste und dem hellen Schal, für die Vogelperspektive von Terminal, zwei Piers und einem Satelliten. Nienhoff ist Chef der Berliner Niederlassung gmp, Deutschlands erfolgreichstem Architekturbüro „Gerkan, Marg und Partner“. Die Belegschaft zog 1995 von Kreuzberg nach Charlottenburg, in einen 50er-Jahre-Bau an der Hardenbergstraße. In dem Haus, in dem früher die Familie Kiepert Bücher verkaufte, arbeiten etwa 150 Architekten, nicht nur für den BER, sondern laut Nienhoff an etwa 50 Projekten weltweit.

Im Team mit Paap sei er eher der „story teller“, der Geschichtenerzähler, sagt Nienhoff – beim Entwerfen, aber offenbar auch im richtigen Leben. Fragt man Nienhoff nach der Brandschutzanlage, die die jüngste Eröffnung des Flughafens verhinderte, geht seinen Geschichten zwar nicht der Unterhaltungswert, dafür aber die Poesie verloren. Der Mann mit dem grau melierten Bart wirft sich auf seinem Designerstuhl nach hinten und breitet die Arme aus: „Ja, klar, natürlich: Wir sind die zwei Zampanos, die die ganze Republik verarscht haben!“

Die Architekten sollen schuld daran sein, dass die Entrauchungsanlage nicht funktioniert und auf der Baustelle alles drunter- und drübergeht. Damals, als der BER noch Prestige und Ehre versprach, als sich die Politiker und Flughafenchefs bei Spatenstich und Richtfest im Blitzlichtgewitter drängelten, hielten sich Nienhoff und Paap in der zweiten Reihe. Jetzt kämpfen die Architekten ums Überleben – um den Ertrag vieler Jahre Arbeit, ihren guten Ruf und vor allem sehr viel Geld. Im vergangenen Mai, unmittelbar nach einem abendlichen Besprechungstermin mit dem damaligen Flughafenchef Rainer Schwarz, hatte die Flughafengesellschaft der Planungsgemeinschaft gekündigt und die beteiligten Architekturbüros gmp und JSK auf 80 Millionen Euro Schadensersatz verklagt. Ein Irrsinn, sagt Nienhoff. „Wir könnten jetzt in Schönefeld on Air, also in Betrieb sein.“

Zum Zeitpunkt der Kündigung seien fast 90 Prozent der Arbeiten abgeschlossen gewesen, „alle wollten nur noch fertig werden“. Der Rauswurf habe die Probleme auf der Baustelle nur verschärft, zu einer Selbstblockade geführt. „Ein Millionengrab“, schimpft Nienhoff, springt auf, reißt das Fenster auf – um es gleich wieder zu schließen. Nein, sie könnten leider keine Schuldigen und keine Namen nennen, nicht, solange das juristische Verfahren laufe. Aber eines sei gewiss. „Inzwischen haben diejenigen, die uns gekündigt haben, selbst ein Problem, und sind – auch deswegen – ihren Job los.“ Thesen, die knackig klingen, aber derzeit weder zu beweisen noch zu widerlegen sind.

Die Architekten sind draußen, auch wenn sich inzwischen die Erkenntnis durchgesetzt hat, dass der Rausschmiss vermutlich ein Fehler war. Ob sie bei einem Angebot wieder einsteigen würden? „Nur, wenn wieder echte Zusammenarbeit möglich wäre und das Schwarzer-Peter-Spiel ein Ende hätte“, sagt Nienhoff. Schon nach der ersten Terminverschiebung im Sommer 2010 habe man sich zurückziehen wollen. „Die Flughafengesellschaft hat uns aber überredet, zu bleiben.“

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