• Berliner Hauptstadtflughafen: Lütke Daldrup holt sich einen Vertrauten dazu - ohne Ausschreibung

Berliner Hauptstadtflughafen : Lütke Daldrup holt sich einen Vertrauten dazu - ohne Ausschreibung

BER-Chef Lütke Daldrup entlässt einen Manager, holt einen Vertrauten. Der bekommt künftig ein üppiges Gehalt – ausgeschrieben wurde der Posten wohl nicht.

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Wo geht’s jetzt lang? FBB-Strategiechef Holger Seidemann musste das Unternehmen verlassen.
Wo geht’s jetzt lang? FBB-Strategiechef Holger Seidemann musste das Unternehmen verlassen.Foto: imago/Jürgen Heinrich

Sein Vorgänger Karsten Mühlenfeld am unvollendeten Flughafen wurde entlassen, als er den Technikchef brüsk loswerden wollte, um einen BER-Start 2018 zu retten. Nun sorgt der neue Flughafenchef und frühere Berliner Flughafen-Koordinator Engelbert Lütke Daldrup, noch keine vier Wochen im Amt, selbst mit einer Personalentscheidung für Aufsehen, die manche als rabiat empfinden. Die Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg (FBB) bestätigte am Montag in einer Erklärung, dass Christoph Hansel neuer Leiter der Unternehmensentwicklung der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH ist, und zwar direkt dem Chef Lütke Daldrup unterstellt: „Er berichtet an den Vorsitzenden der Geschäftsführung der Flughafengesellschaft.“ Wenige Stunden vorher hatte der Tagesspiegel einen Fragen-Katalog unter anderem zu diesem Wechsel an die FBB gestellt. Und nicht nur der wirft Fragen auf. Hansel ist ein früherer Vertrauter von Lütke Daldrup – und für ihn wurde ein anderer Manager gefeuert.

Die beiden kennen sich aus Leipzig

Lütke Daldrup und Hansel haben, wenn auch zu unterschiedlichen Zeiten, Raum- und Stadtplanung an der Universität Dortmund studiert und kennen sich gut aus der Zeit, als Lütke Daldrup Baustadtrat und (ab 2003) Olympiabeauftragter in Leipzig war. Als Fachreferent war Hansel außerdem Leiter des Leipziger Fußball-WM-Büros 2006.

Inzwischen ist er bei der Leipziger Kommunalholding für Grundsatzfragen und Unternehmenskommunikation zuständig. Zwischendurch hatte er sich erfolglos als Baudezernent in Halle beworben und war zeitweilig Präsident des SC Leipzig. In der FBB-Pressemitteilung wird der 49-jährige Hansel als Mann „mit großer Erfahrung im Umgang mit der Leitung und Steuerung komplexer Projekte“ gelobt.

Lütke Daldrup hat sich abgesichert

Sein neuer Job am Flughafen ist lukrativ, mit einem Jahresgehalt von rund 140.000 Euro. Und eine Ausschreibung gab es dem Vernehmen nach nicht. Für Hansel musste der bisherige FBB-Strategiechef Holger Seidemann nach knapp einem Jahr seinen Posten aufgeben. Er wurde entlassen, obwohl an seiner Arbeit bislang keine Kritik laut geworden war. Die FBB erklärte auf Anfrage lediglich, dass Herr Seidemann das Unternehmen „vorige Woche“ verlassen habe. Alles deutet auf einen Arbeitsgerichtsprozess hin, bei dem Seidemann gute Chancen auf eine hohe Abfindung haben dürfte. Er galt offenbar als Mann Mühlenfelds.

Der hatte ihn 2016 von Rolls Royce in Dahlewitz, wo Mühlenfeld selbst einige Jahre Chef war, zum Flughafen abgeworben. Allerdings war – anders als jetzt – die Stelle vakant und musste kurzfristig neu besetzt werden. Der langjährige FBB-Planungschef Uwe Hörmann hatte aus privaten Gründen das Unternehmen verlassen. Seidemann setzte sich damals gegen mehrere andere Bewerber durch. Der Strategie-Stab ist – neben der BER-Baustelle – von zentraler Bedeutung für die FBB, da die Abfertigungskapazitäten in Schönefeld für das Passagierwachstum schon der nächsten Jahre nicht reichen. Anders als Mühlenfeld bei der letztlich gescheiterten Entlassung von Technikchef Jörg Marks hat sich Lütke Daldrup allerdings abgesichert und die Personalie vom Präsidialausschuss des Aufsichtsrates genehmigen lassen.

Vertraulichkeit bei Personalien, sonst Trasnparenz

Offene Fragen gibt es auch zu seinem Geschäftsführer-Vertrag. Wie der Tagesspiegel erfuhr, soll Lütke Daldrup – auf eigenen Wunsch – in dem Drei-Jahres-Vertrag (Grundgehalt 400.000 Euro, mit Tantieme, Altersversorgung und Dienstwagen rund 500.000 Euro) ein eigenes Kündigungsrecht eingeräumt worden sein, weshalb er das Unternehmen von sich aus kurzfristig verlassen könnte. Damit hätte er in jedem Konfliktfall gegenüber dem Aufsichtsrat und den Eigentümern eine ultimativ starke Position, säße am längeren Hebel.

Kurzfristig ließe sich, wie schon der jüngste Wechsel zeigte, wohl kein Nachfolger finden. Die Tagesspiegel-Anfrage nach einem Kündigungsrecht wollten weder die FBB noch der Aufsichtsratsvorsitzende und Brandenburger Flughafenkoordinator Rainer Bretschneider beantworten, obwohl Lütke Daldrup und Bretschneider nach der letzten Aufsichtsratssitzung Transparenz zugesichert hatten. „Inhalte von Personalmaßnahmen und Geschäftsführerverträgen unterliegen der Vertraulichkeit“, sagte FBB-Sprecher Lars Wagner. Auch Bretschneider verwies auf Vertraulichkeit bei Personalien. „Zu Vertragsdetails des Geschäftsführers wie den von einzelnen Mitarbeitern wird dementsprechend nicht Stellung genommen.“

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