Berliner Immobilienkongress : Investieren in feindlicher Umgebung

Geht Bauen und Sanieren nur noch gegen den Widerstand der Betroffenen? Kreuzbergs Baustadtrat, Verbände und Investoren diskutieren auf dem Berliner Immobilienkongress. Es gab Proteste.

von
Mieterprotest vor dem Immobilienkongress im dbb-Forum
Mieterprotest vor dem Immobilienkongress im dbb-ForumFoto: Thomas Loy

Durch das Spalier der protestierenden Mieter mussten sie alle hindurch, die Baulöwen und Bestandsverwalter der Berliner Immobilienbranche. Am Mittwochmorgen trafen sie sich zum Berliner Immobilienkongress im dbb-Forum an der Friedrichstraße. Was draußen lautstark angeprangert wurde - das Profitmachen mit dem Grundbedürfnis Wohnen - war auch drinnen das Thema bei der zentralen Eröffnungsdiskussion. "Eine ganze Branche ist zum Feindbild geworden", warnte eingangs Michael Rücker, Geschäftsführer der W&R Immocon, die den Kongress organisiert.

Mit dabei Christoph Gröner, Chef der CG-Gruppe, die wegen ihrer Bauprojekte im Friedrichshainer Kiez an der Rigaer Straße ins Visier linker Aktivisten geraten ist. Und Michael Zahn, Chef der Deutsche Wohnen, dem größten privaten Vermieter der Stadt, der ebenfalls verdächtigt wird, vor allem Mieterhöhungen im Blick zu haben. Moderiert wurde die Runde von Tagesspiegel-Reporter Ralf Schönball.

Bezirke arbeiten "pragmatisch" oder "ideologisch"

Während Gröner deutlich machte, dass er mit "lauthals schreienden" Protestler nicht reden werde, auch wenn sie die öffentliche Debatte bestimmten, gab sich Zahn sehr moderat. Im Grunde seien sich "beide Seiten", also rot-rot-grüner Senat und die Investoren, einig, dass modernisiert und neu gebaut werden müsse. Es gebe eine "große Schnittmenge" in den Zielen. In den Bezirken gehe man an konkrete Projekte aber sehr unterschiedlich heran. in Spandau beispielsweise "pragmatisch", andere Bezirke seien dagegen "ideologisch geprägt" und würden "erstmal Konfrontation aufbauen", um dann anschließend doch "lösungsorientiert" vorzugehen. Das war natürlich auf Friedrichshain-Kreuzberg gemünzt, dessen Baustadtrat Florian Schmidt (Grüne) ebenfalls auf dem Podium saß.

Schmidt sprach vom "Kreuzberger Modell": Über Projekte werde "gemeinsam mit den Bürgern" entschieden. Wie in der griechischen Polis. Eine "Scheinbeteiligung" werde es nicht mehr geben. "Ich möchte ihnen die Hand reichen an dieser Stelle", sagt er der versammelten Immobilienbranche, um sogleich daran zu erinnern, dass in Kreuzberg Kündigungen von Gewerbemietern durch den Protest aus dem Kiez verhindert werden konnten. "Ein Investor erkannte sogar selbst, einen Fehler gemacht zu haben."

Christoph Gröner: "Politik bekennt nicht Farbe"

Auch Investor Gröner findet Beteiligung grundsätzlich in Ordnung, er habe aber "große Probleme bei der Identifikation von Gesprächspartnern". In der jeweiligen Nachbarschaft eines Projektes, aber auch in der Politik. "Politik bekennt nicht Farbe." Die Verantwortlichen sollten sich "auch Gedanken machen, wie man die Kaufkraft stärken kann." Gröner baut nach eigener Einschätzung Wohnungen für den Mittelstand, für "Polizisten und Krankenschwestern", bei einer Kaltmiete von acht bis 12 Euro pro Quadratmeter. Im Übrigen sei es egal, was der Quadratmeter koste, solange der Gesamtpreis einer Wohnung akzeptabel ist. Durch intelligente Technik und raumsparende Grundrisse ließe sich da viel machen.

Die städtischen, genossenschaftlichen und kirchlichen Wohnungsunternehmen sehen sich bereits als "Kiezstabilisierer und Mietendämpfer", sagte Maren Kern, Vorsitzende des Verbands der Wohnungsunternehmen (BBU). Die Durchschnittsmiete ihrer Mitgliedsunternehmen liege bei 5,60 Euro kalt. Die Degewo als größte städtische Wohnungsgesellschaft betreibe vorwiegend "nachhaltige Bestandserhaltung und Quartiersmanagement", sagte Degewo-Chef Christoph Beck.

Gröner würde gerne noch mehr bauen in Berlin, die Politik bremse da eher und verpasse eine "historisch einmalige Chance". In anderen Städten wie Leipzig laufe das besser. Ähnlich argumentierte Christian Wiesenhütter, Vizechef der IHK. Für den Mittelstand in der Stadt werde zu wenig getan. Daher zögen Familien lieber ins Umland. Michael Zahn von der Deutsche Wohnen kündigte zum Schluss noch ein "Leuchtturmprojekt" in Kreuzberg an, dort habe man 7000 Wohnungen. "Wir wollen den Bestand in der Qualität heben". Mit dem Leuchtturmprojekt spielte Zahn wahrscheinlich auf die Sanierung der Otto-Suhr-Siedlung an, deren Mieter draußen protestierten. "Wir suchen immer den größten Widerstand."

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

Autor

16 Kommentare

Neuester Kommentar