Berlin : Berliner Investoren kaufen Meyer&Beck

Siebzig Mitarbeiter müssen gehen – und bis Ende 2004 werden sechs Filialen geschlossen

Alexander Visser

Eine Berliner Investorengruppe um den Unternehmer Axel Gropp übernimmt die wirtschaftlich angeschlagene Supermarktkette Meyer&Beck von der Oetker-Gruppe. Sechs Filialen werden bis Jahresende geschlossen, die anderen 38 Filialen will die neue Unternehmensleitung langfristig sichern. Für Oetker war die traditionsreiche Einzelhandelskette zuletzt ein Verlustgeschäft. „Wir glauben, dass wir hier vor Ort ein erfolgreicheres Konzept für die Märkte entwickeln können als die Oetker-Zentrale in Bielefeld“, sagte der neue Geschäftsführer Axel Gropp dem Tagesspiegel. Der Unternehmer saß nach eigenen Angaben früher im Vorstand der Ruhrkohle-Tochter Rütgers und ist heute Mitglied im Kuratorium des Business Angels Club Berlin, in dem erfahrende Manager neugegründete Firmen beraten.

Übernommen wird Meyer & Beck von der neu gegründeten Mema Handels GmbH zum 1.Januar 2005. 38 Filialen mit 580 Mitarbeitern werden weitergeführt. Der jetzige Geschäftsführer Heinz Mohr soll seine Arbeit dann fortsetzen. Bis Ende des Jahres werden sechs Filialen geschlossen, die nach Aussage von Oetker nicht rentabel weitergeführt werden können. Davon sind Oetker zufolge 70 Mitarbeiter betroffen. „Nach unseren Informationen haben die schon ihre Kündigung erhalten“, sagte Ottwald Demele, Bereichsleiter Handel der Gewerkschaft Verdi in Berlin. Demele kritisiert, dass den Mitarbeitern der sechs betroffenen Filialen „ohne Sozialauswahl“ im Unternehmen gekündigt wurde. Normalerweise müssen bei Kündigungen die Betriebszugehörigkeit und soziale Härten berücksichtigt werden. Nach Tagesspiegel-Informationen sind unter anderem die Filialen in Alt-Tempelhof, im Bottroper Weg sowie in der Ludwigsfelder und Wilmersdorfer Straße betroffen.

Die traditionsreichen Lebensmittelgeschäfte von Meyer & Beck schlossen sich 1985 zusammen. Beck wurde im Jahr 1888 als Butter-Einzelhandelsgeschäft gegründet. Meyer war früher durch den Werbeslogan „Keine Feier ohne Meyer“ bekannt. „Wir überlegen, die Filialen unter dem Namen ,Mema‘ weiterzuführen, eine Kurzform für Meyer Markt“, sagte Axel Gropp. Hintergrund für den Ausstieg Oetkers ist die Krise des Einzelhandels, von der zum Beispiel auch Karstadt-Quelle betroffen ist. Der Konzern hat in der Vorwoche angekündigt, Standorte abgeben zu wollen. In Berlin sinkt der Umsatz des Einzelhandels seit Jahren, der Trend setzte sich auch in den ersten Monaten dieses Jahres fort.

„Supermärkte mit weniger als 1000 Quadratmetern Verkaufsfläche sind nicht mehr rentabel zu führen“, sagte Stadtentwicklungsexperte Jochen Brückmann von der Berliner IHK dem Tagesspiegel. Die Schließung der Meyer&Beck-Filialen sei daher folgerichtig. „Oft werden die frei werdenden Ladenflächen von türkischen Gemüsehändlern übernommen“, sagte Brückmann.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben