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Berliner Kulturstaatssekretär : Tim Renner will in die Bundespolitik wechseln

Als Direktkandidat in Charlottenburg-Wilmersdorf strebt Berlins scheidender Kulturstaatssekretär Tim Renner den Einzug in den Bundestag an. Zunächst einmal muss er jedoch die SPD davon überzeugen.

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Tim Renner wechselte 2013 in die Landespolitik, nun will er in die Bundespolitik.
Tim Renner wechselte 2013 in die Landespolitik, nun will er in die Bundespolitik.Foto: Thilo Rückeis

Der bisherige Kulturstaatssekretär Tim Renner strebt eine Fortsetzung seiner politischen Karriere im Bundestag an. Seine Bewerbung für eine Direktkandidatur in Charlottenburg-Wilmersdorf reichte er gestern Abend beim SPD-Kreisvorsitzenden Christian Gaebler ein. Es gilt als wahrscheinlich, dass es zu einer Mitgliederentscheidung kommt, da mit mehreren Kandidaten gerechnet wird. Bei der Bundestagswahl 2013 war hier Ülker Radziwill für die SPD angetreten, das Direktmandat gewann Klaus-Dieter Gröhler von der CDU.

Renner sagte dem Tagesspiegel, er wolle in der Kulturpolitik bleiben, deswegen habe er auch kein anderes Amt in der künftigen Landesregierung angestrebt. Das Kulturressort ging bei den Koalitionsverhandlungen an die Linken. Der frühere Musikmanager war erst im Herbst 2013 in die SPD eingetreten, nachdem ihn der damalige Regierende Bürgermeister und Kultursenator Klaus Wowereit als Staatssekretär in den Senat geholt hatte.

Kultur muss die Lücken in der Gesellschaft füllen

Einen Schwerpunkt seiner möglichen künftigen Arbeit sieht Renner darin, "der Illusion vergangener Größe", wie sie Donald Trump und auch die AfD propagierten, eine "Vision der Zukunft" entgegenzusetzen. In einer Zeit großer Umbrüche, in der Begriffe wie Arbeit und Beschäftigung neu definiert würden, komme auch der Kultur "eine ganz neue Aufgabe" zu.

Fortschrittliche Politik müsse "diejenigen auffangen, die rausfallen" und sich um deren Grundansprüche kümmern, wozu auch eine Bürgerversicherung gehöre. Die Kultur müsse sich mit den Lücken beschäftigen, die sich dabei auftun: "Es ist dringend notwendig, Kultur breiter zu denken. Vor allem bei kultureller Bildung, die für die Gesellschaft von hoher Relevanz ist, gibt es einen enormen Nachholbedarf." Dabei gehe es auch um Antworten auf die Frage: "Wie definiere ich Sinn?"

Renners Chancen werden unterschiedlich eingeschätzt

Renner arbeitete früher in leitender Funktion beim Musikunternehmen Universal und gründete später die Produktionsfirma "Motor", die heute von seiner Frau geführt wird. Renner sagt, in seiner Zeit als Politiker habe er gelernt, "dass Kultur noch relevanter ist, als ich dachte". Als eine seiner Stärken sieht er es an, einen "breiten Blickwinkel" zu haben: "Ich laufe über das ganze Spielfeld." Auch habe er in den vielen Jahren im Kulturbusiness und in der Politik "gelernt, Geld für Künstler zu besorgen".

Renners Chancen, in den Bundestag zu kommen, werden unterschiedlich eingeschätzt. Seine Rolle als Quereinsteiger könnte nach außen gut vermittelbar sein, heißt es in der SPD, allerdings sei die innerparteiliche Konkurrenz groß, auch bei der Aufstellung der Wahlliste. Unter SPD-Kulturpolitikern im Bundestag ist zu hören, dass sie seine Kandidatur begrüßen würden. Zum Mitgliederentschied aufgerufen werden etwa 2200 Parteimitglieder.



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