Berliner Parks : Essbares Grün für alle

Mehrere Bezirke wollen Obst und Gemüse in Parks und auf Plätzen anpflanzen. Für den Erfolg des "essbaren Bezirks" ist jedoch die Mithilfe der Bürger gefragt - die sollen nämlich nicht nur ernten, sondern auch selbst anbauen.

von
Eine Birne für den Weg? In den Berliner Parks sollen demnächst Obstbäume zum kostenlosen Snacken einladen.
Eine Birne für den Weg? In den Berliner Parks sollen demnächst Obstbäume zum kostenlosen Snacken einladen.Foto: imago

Brombeeren naschen im Volkspark Friedrichshain, Quitten ernten im Görlitzer Park, Birnen pflücken im Mauerpark. Mehr essbare Pflanzen, von denen dann jeder Berliner ernten darf. Mehr Land in der Stadt. Das wollen die Grünen in Friedrichshain-Kreuzberg und Pankow und haben dazu zwei Anträge in den Bezirksparlamenten gestellt. Der Trend zum Urban Gardening, zum Bepflanzen des öffentlichen Raumes, erreicht die Politik.

Friedrichshain ist Vorreiter als "essbarer Bezirk"

„Es geht darum, dass Städter wieder eine Beziehung zum Essen und seiner Herkunft bekommen“, sagt Hans Panhoff, Umweltstadtrat von Friedrichshain-Kreuzberg. Dort wird der „essbare Bezirk“ bereits umgesetzt. Das Bezirksamt hat eine Matrix erstellt, um zu prüfen, welche Pflanzen sich für welchen Standort eignen. „Wir konzentrieren uns vorerst auf geschützte Orte in öffentlichen Grünanlagen, auf Schulhöfe und Kinderbauernhöfe“, sagt Hilmar Schädel, Leiter des Grünflächenamts. Spielplätze kommen erst mal nicht in Frage. Man sorgt sich, dass abbrechende Äste, unreife Früchte oder Wespen die Kinder gefährden könnten. Straßennahe Orte wie Mittelstreifen oder auch Baumscheiben sind wegen der Schadstoffe tabu.

Jeder Bürger darf ernten und jäten

So fand das Institut für Ökologie der TU Berlin bereits vor Jahren heraus, dass „Gemüse aus innerstädtischen Gärten“ mehr Schwermetalle enthalten kann als Supermarktprodukte. Mit der Entfernung zu Straßen oder durch Barrieren sank die untersuchte Belastung deutlich. Als Pflanzen hat der Bezirk Obstbäume und Sträucher, Nüsse und Früchte im Blick, die nicht roh verspeist werden. Ansonsten bestehe die Gefahr, dass zu früh geerntet werde.

Vorbild ist Andernach in Rheinland-Pfalz. Dort gedeihen Rote Bete und Kohl neben Altglascontainern, legen Hühner Eier im Burggraben. Die Stadtverwaltung lässt im öffentlichen Raum Gemüse, Obst und Kräuter anbauen, jeder Bürger darf jäten und ernten.

Bürger sollen auch auf eigene Kosten anbauen

Weil die Kassen in Berlin leer sind, setzen die Initiatoren vor allem auf die Berliner. Sie sollen auf eigene Kosten anbauen, aber vom Bezirk geeignete Orte zugewiesen bekommen. Voraussetzung sei, dass auch die ernten dürfen, die nicht pflanzen oder sich kümmern, sagt Grünflächenleiter Schädel. Der Bezirk selbst wolle bei Neupflanzungen darauf achten, vermehrt essbare Pflanzen zu benutzen. Für den Görlitzer Park sind Quitten geplant.

In Pankow streben die Grünen einen öffentlichen Workshop an, um ein Konzept zu entwickeln. Dazu wurde ein Antrag von der BVV in die Ausschüsse verwiesen. Während es den Grünen vor allem um die innerstädtischen Gegenden geht, hat die CDU-Fraktion die nördlichen Ortsteile im Blick. Sie fordert das Bezirksamt auf, zu prüfen, „ob öffentliche und frei zugängliche Grün- und Freiflächen als Streuobstwiesen genutzt werden können.“ Der Antrag dazu wurde beschlossen.



» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben