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Berliner Piraten verlieren ihren Chef : Bruno Kramm verlässt Piraten und wechselt zu den Grünen

Der Landeschef der Berliner Piraten hat seinen Rücktritt erklärt. Ein kommissarischer Nachfolger steht fest. Kramm geht zu den Brandenburger Grünen.

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Vor wenigen Wochen war Bruno Kramm zu Gast beim Tagesspiegel Wahlforum - am Donnerstag nach der Wahl trat er zurück.
Vor wenigen Wochen war Bruno Kramm zu Gast beim Tagesspiegel Wahlforum - am Donnerstag nach der Wahl trat er zurück.Foto: Mike Wolff

Die Erosion der Piratenpartei geht weiter: Am Donnerstagmorgen teilte der Landesverband den Rücktritt des Landesvorsitzenden Bruno Kramm mit und veröffentlichte ein Statement von ihm.

Am Freitag will Kramm in der Potsdamer Landesgeschäftsstelle der Brandenburger Grünen vor die Presse treten - und offenbar seinen Eintritt in die Partei bekanntgeben, der er schon von 2009 bis 2012 selbst angehört und sich aktiv eingebracht hat. Zeitweise war er also Doppelmitglied bei Piraten und Grünen. Er habe seinen Wohnsitz gleich nach der Wahl nach Werder (Havel) verlegt, wo er ein Haus mit Tonstudio habe, sagte der 48-Jährige dem Tagesspiegel. "Ich habe den Rücktritt vorher lange durchdacht. Es macht auch Sinn, das gerade im Zuge der Causa Claus-Brunner zu tun." Kramm hatte zunächst ein Gedenken für Claus-Brunner organisiert. Wenig später stellte sich heraus, dass der Ex-Abgeordnete vor seinem Freitod einen anderen Mann umgebracht haben soll.

Kramms Statement zu seinem Rücktritt ist gemessen am sonst oft üblichen Umgangston in der Partei ausgesprochen freundlich.

"Viele von euch sind mir als Freunde ans Herz gewachsen und haben mich immer wieder inspiriert", schreibt Kramm. "Dennoch das desaströse Wahlergebnis hat gezeigt, dass die Piratenpartei in den Medien kaum mehr wahrgenommen wird und mit ihren vielen großartigen Vorstößen nur marginal in der politischen Debatte stattfindet. Ob es auch daran liegt dass einige prominente Exmitglieder ihr öffentliches Gewicht zum bewussten Schaden an der Partei skrupellos eingesetzt haben, muss eine umfassende Aufarbeitung erweisen. Ich persönlich bin davon überzeugt."

Schlappe bei der Berlin-Wahl

Kramm hatte sich im Gespräch mit dem Tagesspiegel noch kurz vor der Wahl überzeugt gezeigt, das nach den Umfragewerten absehbare Desaster abwenden zu können und den Wiedereinzug ins Abgeordnetenhaus zu schaffen. Doch davon ist die vor fünf Jahren fulminant gestartete Partei mit 1,7 Prozent weit entfernt. Nur in zwei der zwölf Bezirksverordnetenversammlungen konnte sie je zwei Mandate retten. Auf Bezirksebene gilt eine Drei-Prozent-Hürde.

"Nach einem Kräfte zehrenden, verlorenen Wahlkampf und einer unerwarteten Trauerphase über eine menschliche Tragödie am Rande der Partei ist nun die Zeit gekommen, auf das Erreichte zurückzublicken und auch einen Blick auf den eigenen Horizont zu wagen", schreibt Kramm weiter. Ohne jeden Groll oder Enttäuschung stelle ich fest, das für mich die Zeit gekommen ist, neue Wege in meiner politischen Arbeit zu gehen. Ich danke Euch allen aus tiefstem Herzen für Euer Vertrauen und lege mein Amt in die kommissarischen Hände meines Stellvertreters und Freundes Simon Kowalewski."

Kowalewski gehörte der 15-köpfigen Fraktion an, mit der die Piraten vor fünf Jahren ins Abgeordnetenhaus eingezogen waren.

Die Pressestelle der Piratenpartei dankte Kramm für "seinen überragenden Einsatz im Wahlkampf zur AGH-Wahl 2016" und schrieb unter seine Abschiedsmail: "Alles Gute Bruno, wir sehen uns!"

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