Berliner Polizei rät : Was jeder wissen sollte, der ein Verbrechen bemerkt

Wer Zeuge einer Straftat wird oder etwas Auffälliges bemerkt, ist mit der Situation oft überfordert. Was tun? Die Polizei rät: Helfen Sie, aber bringen Sie sich nicht in Gefahr! Zivilcourage kann für alle Beteiligten wertvoll sein.

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Ein Polizeiwagen steht am Alexanderplatz
Für die Polizei gilt: Lieber einmal zu viel anrufen als einmal zu wenig.Foto: dpa

Eine Situation eskaliert, jemand ist in Not. Oder irgendetwas stimmt nicht, man bemerkt etwas Auffälliges. Was tun? Nicht nur Menschen, die solche Situationen schon einmal erlebt haben, bewegen diese Fragen. Viele überlegen sich: Wie würde ich reagieren? Und wie sollte ich? Der Rat der Polizei lautet immer: Helfen Sie, aber bringen Sie sich nicht selbst in Gefahr! In einer Notsituation die Polizei zu rufen, sei richtig. Man sollte aber „keinesfalls versuchen, den oder die Täter selbst festzunehmen“, rät Polizeisprecher Stefan Redlich.

Stattdessen sollten sich Zeugen alles, was hilfreich sein kann, möglichst genau merken: Autokennzeichen, Kleidung, Aussehen oder sonstige Auffälligkeiten. Niemand sollte den Helden spielen – aber nicht zu helfen, obwohl man es könnte, kann unter Umständen auch mit einem Verfahren wegen unterlassener Hilfeleistung enden. Für die Polizei gilt: Lieber einmal zu viel anrufen als einmal zu wenig.

Wie wertvoll Hinweise sein können, zeigt sich in verschiedenen Bereichen der Kriminalität. So kann eine auffällige Beobachtung, die man der Polizei meldet, beispielsweise einem misshandelten oder verwahrlosten Kind das Leben retten. Bereits vor mehreren Jahren hat die Leiterin des Kommissariats für Kindesverwahrlosung und -vernachlässigung, Gina Graichen, gesagt: „Die Menschen trauen sich mehr.“ Während früher die Angst vor dem Denunziantentum im Vordergrund stand, hätten die Menschen nach etlichen grausamen Fällen von misshandelten oder verwahrlosten Kindern gemerkt, dass sie „in der Mitverantwortung stehen, falls etwas passiert“. Die Polizei appelliert genau an diese Mitverantwortung. Sie hat mit medienwirksamen Kampagnen dazu beigetragen, dass sich immer mehr Menschen trauten, Auffälligkeiten anzuzeigen. Auch das ist ein Grund, weshalb die Fallzahlen in diesem Deliktbereich gestiegen sind.

Zahlreiche Präventions-Veranstaltungen

Ähnlich sieht es beim Thema häusliche Gewalt aus. Frauen trauten sich früher häufig nicht, ihre Männer, Partner oder Ex-Liebhaber anzuzeigen, wenn diese sie verprügelten. Auch bei der Polizei war man jahrelang nach der Devise „Pack schlägt sich, Pack verträgt sich“ herangegangen, wie es polizeiintern immer hieß. Doch vor etwa zehn Jahren kam die Umkehr: Häusliche Gewalt wurde als eigenständiges Delikt gewertet und in die Polizeiliche Kriminalstatistik aufgenommen. Beamte werden speziell geschult und verteilen bei solchen Einsätzen Flyer mit Beratungsstellen wie der „BIG Hotline“ – eine Hilfseinrichtung, mit der die Behörde kooperiert.

Ein weiteres aktuellstes Beispiel ist der Bereich der „Wohnraumeinbrüche“. Die Sorge war groß, als 2012 die Fallzahlen mit rund 12 000 Taten immens anstiegen. Nun ist ein leichter Rückgang der Einbrüche zu erkennen – zumindest in den ersten neun Monaten dieses Jahres. Die Polizei führt dies auch auf die gestiegene Zahl von Anrufern zurück, die etwas Auffälliges bemerkt und daraufhin den Notruf gewählt haben. Rund drei Viertel aller Festnahmen von mutmaßlichen Einbrechern, nämlich rund 73 Prozent, erfolgten aufgrund von Bürgeranrufen. 2010 waren es „nur“ 55,6 Prozent. Von den in diesem Jahr 140 gefassten Verdächtigen ist gegen 53 ein Haftbefehl verhängt worden.

Die Polizei bietet zahlreiche Präventionsveranstaltungen an, mehr Informationen dazu finden Sie unter: www.polizei.berlin.de/prävention

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