Berliner Pressekonferenz : "Charlie Hebdo" übt scharfe Religionskritik

Zwar konnte der Chefredakteur von „Charlie Hebdo", Biard nicht persönlich nach Berlin kommen. Doch auch sein Redaktionskollege Antonio Fischetti sorgte mit einer Rede für die nötige Botschaft.

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Gäste blättern in einer Ausgabe con "Charlie Hebdo".
Gäste blättern in einer Ausgabe con "Charlie Hebdo".Foto: dpa

Das Spargelessen der Berliner Pressekonferenz ist ein Fixpunkt im politischen Leben der Stadt – die Tischregie hat es in der Hand, Gespräche zu stiften, die, wer weiß, später politische Konsequenzen haben können. Davon abgesehen ist die Stimmung bei diesem traditionellen Treffen von Journalisten und Politikern eher leicht, aber mit Ausnahmen.

Eine solche ereignete sich am Donnerstag beim Mittagessen unter dem Dach des Hotels Intercontinental: Eingeladen war Gérard Biard, der Chefredakteur des Pariser Satiremagazins „Charlie Hebdo“. Ein Sportunfall verhinderte, dass er tatsächlich auch kam, doch das nahm seiner Rede nichts von ihrer Brisanz – vorgetragen wurde sie von Biards Redaktionskollegen Antonio Fischetti. „Eine Beerdigung hat mir das Leben gerettet“, sagte dieser zur Einführung – er war bei der Beisetzung einer Tante, als die Terroristen am 7. Januar 2015 die Redaktion überfielen und zwölf Menschen umbrachten.

Glaube mächtiger als Wissenschaft

Biard formulierte in seiner Rede eine schroffe, in Deutschland so kaum je gehörte Religionskritik. Jeder Mörder könne sich auf mildernde Umstände berufen, wenn er vorgebe, im Namen Gottes zu morden, sagte er. Jeder, der sich in Gesellschaft auf seinen Glauben berufe, egal, ob er an Allah, Nostradamus oder an Elvis’ Rückkehr glaube, stoße auf freundliches Verständnis – wer diese Haltung offen kritisiere, werde dagegen angesehen, „als habe er in die Krawatte seines Nachbarn geschnäuzt“.

Tariq Ramadan, der Islamwissenschaftler, der „Charlie Hebdo“ scharf kritisiert hatte, „hat gegen Voltaire gesiegt“, formulierte Biard weiter. Der Glaube sei längst mächtiger als Wissenschaft, und der Verstand des Menschen offenbar „beim Höhlenmenschen stehen geblieben“. Fischetti betonte auf anschließende Fragen, die Arbeit seiner Zeitung habe sich inhaltlich durch das Attentat nicht verändert. Man halte sich an die gesetzlichen Grenzen, werde nie rassistisch oder antisemitisch argumentieren – aber Blasphemie werde man sich nicht verbieten lassen: „Charlie Hebdo ist praktisch die einzige Zeitung, die sich offen für atheistisch erklärt“.

Was wird aus der absackenden SPD? 

Nach diesem vehementen Plädoyer für die Meinungsfreiheit wurde unmittelbar Spargel mit Schnitzel und Sauce Hollandaise aufgetragen. Schlüsselfrage der in religiösen Fragen weniger erregten Gäste: Was wird aus der absackenden SPD? Und wer koaliert im Herbst nach der Wahl mit wem? Alle Parteien hatten ihre Spitzen geschickt, Michael Müller und Raed Saleh waren da, Florian Graf und Frank Henkel zeigten Flagge für die CDU, Ramona Pop und Udo Wolf vertraten die Opposition, und auch Sebastian Czaja von der FDP durfte sich ein wenig warmmachen in der Berliner Polit-Atmosphäre. Aber auch Pensionäre wie Ex-Senator Klaus Böger sind beim Spargel gern gesehene Gesprächspartner auf Augenhöhe mit Nachwuchskräften wie der Neuköllner Bürgermeisterin Franziska Giffey.

Neu im Kreis: Zoodirektor Andreas Knieriem, erkennbar an unerschütterlichem Optimismus. Ja, sagte er immer wieder, das mit den Pandas wird was. Zoologie kommt, Gott sei Dank, ganz ohne Religion aus.

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