Berliner Stadtschloss : Streit um die Gestaltung des Schloss-Umfeldes

Der Bund stellt Geld für die Versetzung des Neptunbrunnens und der Kolonnaden neben das Schloss zur Verfügung. Aber so einfach ist es nicht.

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Der Streit um die Gestaltung des Schloss-Umfeldes geht weiter.
Der Streit um die Gestaltung des Schloss-Umfeldes geht weiter.Foto: dpa

Historisch, autogerecht oder steinern? Mit Wippe oder Kolonnaden? Mit oder ohne Brunnen? Über die Gestaltung der Freiflächen rund um das Schloss wird wieder heftig gestritten, seitdem der Bund nun schon zum zweiten Mal mit dem Scheckbuch seine Präferenzen deutlich zum Ausdruck gebracht hat: Das Geld für die Versetzung der Kolonnaden und des Neptunbrunnens an ihren ursprünglichen Platz neben das Schloss steht zur Abrufung bereit – der Senat muss nur noch wollen.

Bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung heißt es auf Anfrage, dazu könne sich nur die neue Leitung des Hauses äußern. Die ist aber noch nicht im Amt. Pläne für die Gestaltung des Schloss-Umfeldes gibt es allerdings schon und die haben mit der historischen Ästhetik wenig zu tun. Senatsbaudirektorin Regula Lüscher hatte vor drei Jahren einen Wettbewerb ausgelobt, aus dem die Landschaftsarchitekten „bbz“ als Sieger aus der Konkurrenz mit 40 Wettbewerbern hervorgingen. Unumstritten war das Votum allerdings nicht, acht Stimmen für, fünf gegen den Entwurf hatte es gegeben – denkbar knapp.

Vor allem die Gestaltung des Schlossplatzes, also der Fläche vor der Südfassade, wenig Grün und viel Beton, hatten dem Entwurf den Spitznamen „steinerner Garten“ eingebracht. Die Jury hatte seinerzeit empfohlen, die Pläne zu überarbeiten. Bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung hieß es nun, dies sei auch erfolgt. Einer Realisierung rückten die Entwürfe damit trotzdem nicht näher.

Amüsanter Schlagabtausch zwischen Befürwortern und Gegnern

Das erinnert an das Schicksal der Entwürfe für die Wettbewerbe zur Gestaltung der Leerstelle, aus der nun das Schloss emporwächst. Auch dazu waren viele Beiträge zeitgenössischer Architekten eingegangen, ohne dass einer wirklich zu überzeugen vermochte. Kommt aus einer ähnlichen Verlegenheit nun die Rekonstruktion des Schloss-Umfeldes nach historischem Vorbild?

Dem steht noch Widerstand von den Aktivisten für das Freiheits- und Einheitsdenkmal um Wolfgang Thierse entgegen. Wie berichtet haben diese in einem Offenen Brief an die Bundestagsabgeordneten noch einmal die „handstreichartige“ Entmachtung des Parlamentsbeschlusses zugunsten des Denkmals nach Plänen von Johannes Milla beklagt und klar gestellt, warum von der Kostenexplosion, mit der das Vorhaben gestoppt worden war, keine Rede sein könne.

Ganz fair ist es tatsächlich nicht, Kosten für die Sanierung des historischen Sockels, auf dem frühere Kaiser Wilhelm thronte und der nun der „Einheitswippe“ tragen soll, dem Denkmal-Projekt zuzuschreiben – denn diese fallen ohnehin an, egal welches Szenario Realität wird.

Langzeitdokumentation vom Bau des Berliner Stadtschlosses
Bevor das Gemecker gleich losgeht "von wegen seit April nichts mehr gemacht" und so. Sparen Sie sich Ihre Kommentare! Bitte.Weitere Bilder anzeigen
1 von 507Foto: Kitty Kleist-Heinrich
02.12.2016 15:42Bevor das Gemecker gleich losgeht "von wegen seit April nichts mehr gemacht" und so. Sparen Sie sich Ihre Kommentare! Bitte.

Der Denkmal-Sockel und das historische Erbe in dessen Umfeld führte nun auch zu einem amüsanten Schlagabtausch zwischen Befürwortern und Gegnern des Denkmals. Die Staatsministerin für Kultur Monika Grütters hatte im Tagesspiegel erklärt, die Mosaike unter dem Sockel des Denkmals hätten entfernt werden müssen, denn diese seien „kontaminiert“: Wappen von Ländern wie Elsass-Lothringen, Pommern und Schlesien seien abgebildet, kurzum von vergangenen geschichtlichen Gebilden, und das sei „nicht vereinbar mit der Botschaft von Freiheit und Einheit heute“.

Stadthistoriker: Es geht um Ästhetik, nicht um Politik

Die scharfe Replik des Gegners der Kolonnaden-Rekonstruktion und Befürworters des Einheitsdenkmals Florian Mausbach: Solche „geschichtsfälschende Retuschen an historischen Darstellungen“ seien „sonst nur aus Staaten unter Parteidiktatur bekannt“ und folgten der Logik einer „political correctness“, die auch Frauengestalten wie die Weichsel aus dem Schlossbrunnen entfernen lassen müssten, weil diese preußische Flüsse darstellten und damit Ausdruck seien „preußisch-deutschen Germanisierungsbestrebungen Westpolens“.

Absurd seien Grütters Einlassungen zumal sie andererseits mit den Kolonnaden ein „Denkmal zur Huldigung von Obrigkeit und Untertanengeist“ fordere.

Befürworter von Rekonstruktion wie Stadthistoriker Benedikt Göbel halten politische Begründungen für müßig, wo der Einsatz doch nur ästhetisch sei. In dieser Hinsicht aber sei es mit Kolonnaden und Brunnen nicht getan, auch die „Rossebändiger“ müssten vom Preußischen Kammergericht am Kleistpark zurück zum Schloss. Diese beziehen sich auf Dachfiguren des Alten Museums und verstärken die Blickbeziehungen.

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