Berliner Stadtteile : Die Linke erobert den Westen

Die Linke hat selbst im Berliner Westen mehr Stimmen bekommen, als im Bundesdurchschnitt. In der Hauptstadt ist die Partei fast überall etabliert.

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So kann es kommen. Noch lange nach dem Debakel bei der Abgeordnetenhauswahl 2011 musste die Berliner Linke die eigenen Wunden lecken. Und nun das: Die prognostizierten Verluste zur Bundestagswahl sind nicht nur geringer ausgefallen als erwartet. Weil FDP und AfD fast zehn Prozent der Stimmen bundesweit binden, ohne dass sie im Bundestag auch Plätze belegen, werden die anderen Fraktionen dort entsprechend größer: Aus Berlin ziehen nicht nur Gregor Gysi, Petra Pau, Gesine Lötzsch, Stefan Liebich und Halina Wawzyniak in den Bundestag ein, sondern erstmals auch Integrationsexpertin Azize Tank.

Linke: "Wir sind eine gesamtstädtische Partei"

Das beruhigt nicht nur den Parteiapparat, schließlich sind diverse Stellen rund um die Fraktion gesichert. Auch die Berliner Basis ist froh, schon weil die Linke im Westen der Stadt besser abgeschnitten hat als im Bundesdurchschnitt. Elf Prozent haben in den West-Bezirken für die Linke gestimmt, im Osten ist die Partei mit rund 30 Prozent ohnehin stärkste Kraft. „Wir haben uns als gesamtstädtische Partei etabliert“, sagte Katina Schubert, Berliner Wahlkampfleiterin der Linken.

Linke im Westen nicht mehr per se "exotisch"

Das sehen Parteienforscher insofern ähnlich, als dass die Linke im Westen gerade unter jungen Wählern nicht mehr per se als exotisch gelte. „Viele verbinden mit ihr eben nicht mehr den Kalten Krieg“, sagte Gero Neugebauer, Parteienforscher an der Freien Universität. In Berlin käme hinzu, dass sich die Bevölkerung in einigen Kiezen seit den Neunzigerjahren durch Zu- und Wegzug ausgetauscht habe. Einige Parteimitglieder hat dennoch eine Bemerkung von Gregor Gysi gestört. Er sagte am Wahlabend, 1990 hätte niemand gedacht, dass „diese Partei“ mal drittstärkste Kraft im Bundestag werde. 1990 hieß „diese Partei“ PDS, die Vereinigung mit der mehrheitlich westdeutschen WASG sollte 2007 eigentlich zu einem neuen Projekt führen: der gesamtdeutschen Linken.

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