Berliner Wohnungsmarkt : Teures halbes Zimmer

Acht Quadratmeter für 380 Euro im Monat: In Wohngemeinschaften schießen die Mieten hoch.

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Preisbewusst. 47,50 Euro Monatsmiete pro Quadratmeter kostet dieses WG-Zimmer umgerechnet, das derzeit in Friedrichshain angeboten wird.
Preisbewusst. 47,50 Euro Monatsmiete pro Quadratmeter kostet dieses WG-Zimmer umgerechnet, das derzeit in Friedrichshain angeboten...Screenshot: Tsp

In der Gärtnerstraße im höchst beliebten Friedrichshainer Kiez errichtet die Wohnungsbaugesellschaft Mitte gerade großzügige Neubauwohnungen, die für maximal 12 Euro pro Quadratmeter vermietet werden. Teuer! Aber es geht auch noch viel teurer: Im sanierten Altbau gleich nebenan, wo der Quadratmeter 47,50 Euro kostet. Rein rechnerisch jedenfalls, denn es geht um monatlich 380 Euro für ein Acht-Quadratmeter-Zimmer in einer Wohngemeinschaft – zu finden bei „medici living“, dem nach eigenen Angaben größten professionellen WG-Anbieter Deutschlands. Früher, im Sozialen Wohnungsbau, hieß so etwas „halbes Zimmer“ und wurde als zumutbar erachtet, jedenfalls für kleine Kinder.

London, Paris – wir kommen. Die Preisexplosionen im Zuge der „Gentrifizierung“ sind offenbar nicht nur auf raffgierige Hausbesitzer zurückzuführen, sondern auch auf ebenso preisbewusste Hauptmieter. Die Regelungen des gesetzlichen Mietspiegels erfassen zwar die Gesamtmiete einer Wohnung, aber was der Hauptmieter dann dem jeweiligen Untermieter seiner WG abknöpft, ist faktisch frei aushandelbar, zumal sich die sonstigen Nutzungsrechte schlecht in Grundmiete umrechnen lassen. In dem hier gezeigten Fall umfassen die 380 Euro alle Nebenkosten einschließlich Internet und Heizung, die Nutzungsrechte an Küche und Bad sowie Balkon.

Generös werden außerdem die Möbel zur Nutzung angeboten: Bett, Schreibtisch, Regal – mehr passt ohnehin nicht rein, aber, wie es im Internet-Inserat des Vermittlers wg-gesucht.de für offenbar dasselbe Zimmer heißt: „Wenn du deine eigenen Möbel mitbringen willst, auch kein Problem“. Der freundlich kumpelnde Ton verdeckt die harte wirtschaftliche Realität.

Generell gilt der Berliner Markt für WG-Zimmer Betroffenen als „ unglaublich schwierig“. Ein Tagesspiegel-Mitarbeiter berichtet, er habe ungefähr 40 persönliche E-Mails geschrieben, keine Standardtexte, und fünf Antworten bekommen. „Wenn man dann mal zum Casting eingeladen wird, empfiehlt es sich, pünktlich zu sein, weil zehn Minuten später schon der Nächste kommt – an einem Abend laufen dann locker 20 Leute durch so eine Wohnung durch.“ Außerdem kommt es auf Minuten an. Wenn die Anzeige im Internet älter als einen halben Tag ist, haben sich in der Regel schon mehr als 200 Interessenten beworben.

Generell hängt das Preisniveau natürlich auch von der Lage ab: Da WG-Bewohner in der Regel nicht über ein Auto verfügen, wollen sie meist innerhalb des S-Bahn-Rings wohnen. Doch auch außerhalb steigen die Mieten bedenklich. Kürzlich ist ein Angebot für 12 Quadratmeter im unsanierten Altbau in Pankow aufgefallen: 400 Euro.

Rechtlich dürfte an solchen Angeboten nichts zu deuteln sein. Es gibt zwar Grundsatzurteile für die Mindestfläche, aber die betreffen Gefängniszellen: Acht Quadratmeter gelten dem Bundesverfassungsgericht als menschenunwürdig – bei zwei Insassen.

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