Berliner Wohnungsmarkt : Zuzügler treiben die Mieten hoch

Wohnungsunternehmer fordern von der Berliner Landesregierung mehr Unterstützung für Neubauten. In einigen Bezirken steigen die Preise enorm – aber es gibt auch Ausnahmen.

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Mieten im Griff? In vielen Gebieten wird das Wohnen immer teurer.
Mieten im Griff? In vielen Gebieten wird das Wohnen immer teurer.Foto: dpa-tmn

Berlin benötigt in den kommenden Jahren fast doppelt so viele neue Wohnungen, wie bislang vom Senat und der rot schwarzen Koalition angenommen. Das ist die Prognose des Verbands Berlin- Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU), die Vorstandsmitglied Maren Kern am Mittwoch vorstellte.

Grundlage sind aktuelle Berechnungen, nach denen die Einwohnerzahl der Hauptstadt bis zum Jahr 2030 um rund 250 000 Menschen wachsen wird. Laut BBU werden daher mindestens 150 000 zusätzliche Wohnungen benötigt. Um den Bedarf zu decken, müssten nach Schätzungen des Verbandes mindestens 10 000 neue Wohnungen im Jahr gebaut werden. Die Koalition hingegen hat in ihrer Planung für die seit knapp einem Jahr laufende Legislaturperiode lediglich 6000 neue Wohnungen im Jahr vorgegeben. Diese Prognose hat sich nach BBU- Einschätzung überholt. Der Verband repräsentiert zahlreiche Wohnungsbaugesellschaften, Genossenschaften sowie kirchliche und private Vermieter mit rund 1,1 Millionen Mietwohnungen – 40 Prozent des Berliner Mietmarkts.

Hat sich der Senat in seiner Prognose also verschätzt? „Wir haben von Anfang an gesagt: 6000 Wohnungen mindestens“, sagt die Sprecherin von Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD), Daniela Augenstein. „Jede Wohnung zählt.“ Allerdings sei es in der Tat so, dass man im vergangenen Jahr, als die politischen Ziele für die kommenden Jahre vereinbart wurden, noch von einer weniger dynamischen Bevölkerungsentwicklung in der Stadt ausgegangen sei. Demnächst will die Senatsverwaltung neue Prognosen veröffentlichen und dann entsprechende Schlüsse daraus ziehen.

Eine weitere Erkenntnis des aktuellen BBU-Marktmonitors, die auch von Zahlen aus dem Mikrozensus des Statistischen Landesamtes bestätigt wird: Die Wohnungskosten beanspruchen einen immer größeren Anteil der Haushaltsbudgets. Besonders bei Umzügen müssen die Mieter in den meisten Bezirken tiefer in die Tasche greifen. Besonders stark steigen die Mieten bei Abschluss neuer Verträge demnach in den Innenstadtbezirken sowie im Südosten und in Pankow. Spitzenreiter ist Charlottenburg-Wilmersdorf, wo die Neuvertragsmieten im Gesamtmarkt bei 7,65 Euro pro Quadratmeter und Monat liegen und bei den BBU-Unternehmen immer noch bei 6,27 Euro. An zweiter Stelle liegt Steglitz-Zehlendorf mit durchschnittlichen Neuvertragsmieten von 7,06 Euro im Gesamtmarkt (BBU-Unternehmen: 6 Euro). Schlusslicht ist in der Statistik der Bezirk Marzahn-Hellersdorf, wo die Neuvertragsmieten auf dem Gesamtmarkt bei 4,95 Euro liegen und bei den BBU-Unternehmen bei 4,91 Euro.

Auf die ganze Stadt berechnet, stiegen die Neuvertragsmieten zwischen 2007 und 2011 der BBU-Untersuchung zufolge um 19 Prozent. Die Mieten aller Wohnungen stiegen im gleichen Zeitraum nach Angaben des Landesamtes für Statistik lediglich um 7,1 Prozent, was fast der Inflationsrate für den Zeitraum von sieben Prozent entspricht. Treibende Kraft hinter den zunehmend steigenden Preisen bei Neuvermietungen ist laut BBU der anhaltend starke Zuzug von Neuberlinern. Der führte vor allem in einzelnen Teilen Charlottenburg-Wilmersdorfs, Friedrichshain-Kreuzbergs und Nord-Neuköllns sowie im Altbezirk Mitte zu kräftigen Preissprüngen.

Um auch künftig genug bezahlbaren Wohnraum für alle Einkommensgruppen anzubieten, benötigt Berlin daher mehr Neubauten als bislang geplant, sagt BBU-Vorstand Kern. Der Verband hat berechnet, dass in den kommenden zehn Jahren mindestens 30.000 staatlich geförderte Wohnungen nötig sind, da nur so auch für Geringverdiener erschwingliche Mietpreise von 6,50 Euro oder weniger möglich seien. 45 Millionen Euro sollen Senat und Bezirke dafür investieren, die Vergabe landeseigener Grundstücke müsse vereinfacht, bürokratische Hürden in den Bezirken abgebaut werden.

„Wir brauchen einen Maßnahmenmix“, sagt dazu die Sprecherin von Senator Müller. Dazu gehörten neben Förderprogrammen, über die man derzeit nachdenke, Zweckentfremdungsverbote, ein Mietenbündnis zur Dämpfung von Bestandsmieten, Milieuschutzgebiete in besonders betroffenen Bezirken und die wieder eingeführte Belegungsbindung.

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