Berlins beste Bars : Sommer on the rocks

Ob in der Strandbar, auf dem Dach oder der Terrasse eines Berliner Hotels: Der Sundowner ist vielleicht nicht der erste Drink des Tages, aber der schönste.

Peter Eichhorn
Die Internationale. Blick auf den alten Westen aus der Monkey Bar.
Die Internationale. Blick auf den alten Westen aus der Monkey Bar.Foto: Promo

Der Tag geht – und jeder weiß, was kommt. „Whisky ist flüssiges Sonnenlicht“, sagt der Dichter George Bernard Shaw. Dem war auch der Literatur-Nobelpreisträger sehr zugetan. Aber mal ehrlich: Was gibt es Schöneres, als sich mit einem eleganten Drink zum Sonnenuntergang zu belohnen, dem Sundowner. Dazu noch inspirierende Gesellschaft und ein freier Blick bis zum Horizont – oder auf die Silhouette einer Metropole, die das Gefühl von Größe und Weltläufigkeit vermittelt. Dem Sundowner steht ein Hauch Exklusivität gut, die Gesellschaft eloquenter Menschen und ein sich ins Abendrot verabschiedender Himmel. Berlin kann auch mal mondän.

Aber erst mal denken wir uns auf Weltreise. In den Garten des prunkvollen Anwesens in dem fiktiven Ort West Egg auf Long Island. Der große Jay Gatsby schmeißt eine seiner legendären Partys und himmelt doch nur die unerreichbare Daisy an. Seinen berühmten Roman schreibt F. Scott Fitzgerald inmitten der amerikanischen Prohibitionszeit. Kein Werk Fitzgeralds kommt ohne Alkohol aus. Und so drückt er auch in „The Great Gatsby“ den Gästen die Gin Rickeys – Lieblingsdrink Fitzgeralds aus Gin, Limette, Zucker und Soda – in die Hand.

„Arbeiten bis um 12 Uhr und dann betrunken ab 15 Uhr“

Fitzgerald war eng mit Ernest Hemingway befreundet, noch so ein berüchtigter Trinker des 20. Jahrhunderts. „Arbeiten bis um 12 Uhr und dann betrunken ab 15 Uhr“, lautete dessen Motto. Noch heute huldigt ihm ganz Kuba für seinen Daiquiri-Konsum in der Bar El Floridita, und die stärksten Varianten der karibischen Cocktail-Ikone sind nach ihm benannt: Papa Doble oder Hemingway Special – beide mit extra viel Rum zu Ehren des genialen Abenteurers, Säufers und Nobelpreisträgers.

Wie beherzt die Trinkkultur in der amerikanischen Gesellschaft zu dieser Zeit verankert war, zeigte zuletzt die US-Serie „Mad Men“, in der die New Yorker Werbeprofis von Sterling-Cooper bereits am Morgen reichlich zu Old Fashioneds, Martinis und Manhattans greifen. In der Realität sah es kaum anders aus. Bis in die späten Siebziger gehörte die Phrase vom „Three-Martini-Lunch“ zur flüssigen Begleitung jedes mittäglichen Geschäftsmeetings. Der Geiger und Komödiant Henny Youngman bastelt sich seine eigene Philosophie: „Als ich von den schlimmen Folgen des Trinkens las, gab ich sofort das Lesen auf.“

Ein Sherry Cobbler oder besser ein French 75 Cocktail?

So bleibt der Drink zum Sonnenuntergang eine wunderbare Ausnahme, eine Belohnung, wenn man so will, die Gaumen und Geist sich gönnen dürfen. Wer würde nicht gerne in Singapur unter Palmen im Raffles Hotel einen Singapore Sling genießen wollen, jenen Cocktail, der 1915 hier ersonnen wurde, damit die Damen der britischen Offiziere ihren Gin mit Saft tarnen konnten und bei dem sich Stammgast Rudyard Kipling womöglich seine Eingebungen für das Dschungelbuch holte? Oder träumen wir uns weiter nach Schanghai, wo man aus den Sky Bars der Hyatt Hotels über den Huangpu-Fluss blicken kann, während in luftigen Höhen Rum Sour, Sidecar oder White Lady geschüttelt werden.

Wie wäre es mit einem Sherry Cobbler oder einem French 75 Cocktail in der Gong Bar des Shangri-La Hotels in London? Die Drinks von Barchef Zdenek Kastanek sind köstlich und der Blick aus dem 52. Stock über die Skyline atemberaubend. Und selbst das laute, ewig blinkende Las Vegas hält versteckte Orte bereit, um sich dem Sog der Spielbanken zu entziehen. Ein magischer Moment erwartet die Besucher der Bar weit oben im Mandarin Oriental Hotel am Strip, eines der wenigen Hotels ohne Casino. Die genussvolle Ruhe wird mit köstlichen, asiatisch inspirierten Cocktails noch angenehmer. Kehren wir zurück nach Europa – und nach Italien, das Land, das als Inbegriff der Aperitivo-Kultur zum Sonnenuntergang gilt. Zuerst ins Caffè Giacosa nach Florenz, wo eine Tafel an die Vorgänger-Bar „Casoni“ erinnert, in der 1919 für den Grafen Camillo Negroni ein Drink mit Gin, Campari und rotem Wermut gerührt wurde. Zum Schluss an den Comer See, für Cocktail-Liebhaber nicht erst eine gute Adresse, seit George Clooney hier die Schauspielerkollegen von „Ocean’s Eleven“ auf der Terrasse der „Villa d’Este“ empfing, wie es vor ihm bereits Greta Garbo, Orson Welles oder Bette Davis taten.

Und Berlin? Mit so viel Eleganz und Exklusivität kann sich die Metropole vielleicht nicht messen. Aber auch hier gibt es mondäne, versteckte und inspirierende Orte, um einen Aperol Spritz, einen Americano, einen Pimm’s Cup oder einen Gin Tonic zu genießen. Die Sundowner- und Aperitif-Kultur gedeiht – endlich – auch hier in Wein- und Cocktailbars, auf sonnenbeschienenen Terrassen und Dächern in luftiger Höhe.

Was wird der Sundowner dieser Saison? Womöglich der Curtain Call, eine Kreation des Berliner Bartenders Arash Ghassemi, der in der „Schwarzen Traube“ in Kreuzberg oder in der „Green Door Bar“ in Schöneberg die Gäste umsorgt. Sein Drink schaffte es ins Finale eines der wichtigsten Cocktailwettbewerbe der Welt, die Bacardi Legacy. Subtile Kräuternoten umschmeicheln den leichten Rum, und der Schuss Champagner verleiht das perfekte Prickeln. Für den letzten Trinkspruch vor dem Sonnenuntergang lassen wir noch einmal F. Scott Fitzgerald das Glas erheben: „Here’s to alcohol, the rose colored glasses of life.“

Das Magazin „Tagesspiegel Genuss“, aus dem dieser Beitrag stammt, bietet mehr Themen für einen leckeren Sommer (im Tagesspiegel-Shop oder am Kiosk)

Die besten Adressen:

LEBENSSTERN

Ein Hauch von Roaring Twenties weht durch die alte Henny-Porten-Villa. Rare Spirituosen aller Kontinente, ausgefeilte Drinks werden von der Bar in die Salons serviert oder auf die Dachterrasse im Garten um das Café Einstein Stammhaus.Tiergarten, Kurfürstenstraße 58, ab 19 Uhr. www.lebensstern-berlin.de

SAGE

Beach Bar hinterm historischen Industriegebäude direkt an der Spree. Zum Sonnenuntergang eine Sage Margarita mit Mezcal, Agave, Limette und eben Sage, also Salbei.Kreuzberg, Köpenicker Straße 18–20, Di–So bei gutem Wetter ab 14 Uhr. www. sage-restaurant.de

MONKEY BAR

Zum Mai Tai die Aussicht aufs Affengehege des Zoos: Die Lage verhalf der Bar in der zehnten Etage des 25 Hours Hotels zu ihrem Namen. Oder doch lieber den Blick über den Ku’damm und dazu einen erfrischenden Gin Tonic? Charlottenburg, 25 Hours Hotel Bikini Berlin, Budapester Straße 40, tägl. ab 12 Uhr. www.hours-hotels.com

APARTMENT BAR

Zu den Hotels der Amano-Gruppe gehört einfach eine chillige Dachterrasse, so auch im Haus am Hauptbahnhof. Bei einem präzise abgeschmeckten Negroni kann man die Hauptstadt im Wandel betrachten: Kräne rings um den Bahnhof, Reichstag, Sony Center. Tiergarten, Amano am Hauptbahnhof, Heidestraße 62, Di–So ab 19 Uhr. www.amanogroup.de

RIVABAR

Hinter dem Cocktail-Klassiker am Hackeschen Markt verbirgt sich ein Gärtchen unterhalb der S-Bahn. In gemütlichen Loungesesseln, umgeben von Großstadtgrün, blickt man in den Abendhimmel oder hinauf zum Fernsehturm.Mitte, S-Bahnbogen 142, Di–Sa ab 18 Uhr. www.riva-berlin.de

THE ROOFTOP TERRACE

Auf der Dachterrasse überm Forum Fridericianum blüht der Lavendel. Umgeben von der mondänen Silhouette preußischer Architektur empfiehlt sich ein Touch the Sky mit Wermut, Erdbeeren und Champagner. Die Barkeeper können aber mehr und auch alkoholfrei. Mitte, Hotel de Rome; Behrenstraße 37, tägl. 15–22 Uhr, Sa/So 12-23 Uhr, www.roccofortehotels.de

SKYKITCHEN BAR

Im 14. Stock des Andel’s Hotels liegt einem Berlin zu Füßen. Dazu etwas Berlin im Glas, etwa den Icke Bins mit Berliner Brandstifter, Zitrone, Himbeere, Orangenespuma.Lichtenberg, Landsberger Allee 106, ab 18 Uhr. www.viennahouse.com/de/andels-berlin

HEFNER BAR

Ideal ist ein Platz auf der großen Außenterrasse an der Ecke zur Kantstraße. Perfekt für den Sonnenuntergang: ein Daiquiri oder die elegante Variante Royal Bermuda Yacht Club.Charlottenburg, Savignyplatz/Ecke Kantstraße 146, tägl. ab 16 Uhr. www.hefner-berlin.de

ENVY BAR

Quietschbunt und extrem musikalisch präsentiert sich das Nhow Hotel. Wem es in der Bar zu grellrosa ist, wählt einen Sessel auf der Terrasse im historischen Osthafen. Dazu passt die Himmelsfarbe im Glas: Blueberry Caipiroska

mit Wodka, Limette und frischen Blaubeeren.Friedrichshain, Stralauer Allee 3, tägl. ab 11 Uhr, www.nhow-berlin.com

DECK 5

Die Location auf dem Dach des Parkhauses der Schönhauser Allee Arcaden hat sich rausgeputzt. Neues Mobiliar und frische Palmen statten das perfekte Sundowner-Feeling über den Dächern von Prenzlauer Berg aus.Prenzlauer Berg, Schönhauser Allee Arcaden, Schönhauser Allee 79, Mo–Sa ab 10 Uhr, So ab 12 Uhr, www.freiluftrebellen.de

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben