Berlins erster Hindu-Tempel : Heinz Buschkowsky und die heilige Kuh

Berlins erster Hindu-Tempel ist bunt, beheizt und steht natürlich in Neukölln. Sonntag wird er eingeweiht. Mit Bezirksbürgermeister Buschkowsky und einer heiligen weißen Kuh.

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Am Sonntag wird Berlins erster Hindu-Tempel in der Blaschkoallee in Neukölln eingeweiht. Bis zuletzt hatten die Handwerker zu tun.
Am Sonntag wird Berlins erster Hindu-Tempel in der Blaschkoallee in Neukölln eingeweiht. Bis zuletzt hatten die Handwerker zu tun.Foto: dpa

Als die Kreissäge angeht, drehen die Hindus die Flötentöne vom Tonband einfach lauter. Während Bauarbeiter im hinteren Tempelbereich noch Fliesen verlegen, feiern am Donnerstag rund 40 Männer und Frauen in bunten, goldbestickten Gewändern vorn schon eine kleine Zeremonie. Am Sonntag wird der erste Hindu-Tempel Berlins in der Riesestraße 20 in Britz offiziell eingeweiht. Bis Neuköllns Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky und eine heilige weiße Kuh um zehn Uhr zur Feier kommen, muss alles fertig sein. Wirklich fertig, denn der Termin für die Eröffnungszeremonie wurde von den Priestern nach dem Mondkalender geplant – er kann nicht verschoben werden.

Der Sri Murugan Mayurpathy Tempel ist rot-weiß gestreift, ganz oben drauf sitzen zwei fünf und sieben Meter hohe Türme, verziert mit unzähligen bunten Gottheiten. Drinnen lachen farbenfrohe Götter von der Decke, mit acht Altaren wird ihnen gehuldigt. „Fünf Jahre haben unsere Gemeindemitglieder zusammen mit unterschiedlichen Firmen am Tempel gearbeitet und zum Beispiel die Betonfertigteile selbst zusammengesetzt“, erzählt der Koordinator des Bauprojektes Nadarajah Thiagarajah. 800 000 Euro hat der Neubau gekostet. Einen Teil des Geldes für das Bauprojekt haben die Gemeindemitglieder gespendet, den Rest finanzieren sie über einen Kredit.

Berlins erster Hindu-Tempel
Buschkowsky mal anders. Der Bezirksbürgermeister wurde am Sonntag mit traditionellen Kleidungsstücken der Hindus ausstaffiert, denn er war zu Gast...Weitere Bilder anzeigen
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08.09.2013 16:51Buschkowsky mal anders. Der Bezirksbürgermeister wurde am Sonntag mit traditionellen Kleidungsstücken der Hindus ausstaffiert,...

Der 67-Jährige war dabei, als sich die Gemeinde 1990 mit nur neun Leuten gründete. Sie mieteten einen Keller in der Urbanstraße 176 in Kreuzberg, als sie sich 1992 mit 200 Mitgliedern als Verein eintragen ließen, kaufen sie ihn. Mittlerweile sind es 600 Gemeindemitglieder. „Da wurde es im Keller einfach zu eng“, sagt Thiagarajah. Den neuen Tempel hat der indische Architekt Govindan Ravi Shankar gestaltet. Er ist Spezialist für Hindu-Tempel, schon sein Vater und sein Großvater haben diese Gotteshäuser entworfen. Shankar hat schon in Sri Lanka und Malaisia gebaut, „aber das ist mein erstes Projekt in Europa“, sagt er. Seit einem Jahr ist er in Berlin, um den Bau fertig zu stellen, alle Figuren der Türme hat er aus dem Kopf gestaltet. „Die größte Herausforderung ist das wechselnde Wetter hier“, sagt Shankar. Der Tempel hat eine Fußbodenheizung.

In der Hasenheide in Neukölln baut eine befreundete Hindu-Gemeinde seit 2007 einen weiteren Tempel. Mehr wird es aber nicht in der Stadt geben, meint Thiagarajah. „Dafür leben hier zu wenige Hindus.“ Ab Montag werden sechs Mal am Tag Andachten in Sanskrit abgehalten. Besucher sind jederzeit willkommen. Es gibt nur wenige Bedingungen, sagt Thiagarajah: Auf das Gelände dürfen weder Alkohol noch Zigaretten noch Fleisch mitgebracht werden. Und im Tempel muss man sich die Schuhe ausziehen. Am Sonntag sind die Flötentöne natürlich live.

Weitere Informationen zur Hindu-Gemeinde in Britz finden Sie hier.

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