• Betrug mit fremder DNA: Immer wieder versuchen Männer beim Vaterschaftstest zu schummeln

Betrug mit fremder DNA : Immer wieder versuchen Männer beim Vaterschaftstest zu schummeln

Die Geschichte der beiden Brüder, die beim Vaterschaftstest schummeln wollten, ist kein Einzelfall. Immer wieder versuchen Männer, ihre Identität mit fremder DNA zu vertuschen – und immer wieder fliegen sie auf.

Marie Rövekamp
Foto: picture-alliance/ dpa

Nein, Omar M. (27) war nicht begeistert, als er von der Schwangerschaft seiner Ex-Freundin erfuhr - und erst recht nicht, als er die Vaterschaft offiziell anerkennen sollte. Deswegen machte sein Bruder Mohammed M. (23) für ihn den Vaterschaftstest, flog dabei allerdings auf und stand mit Omar M. am Montag wie berichtet vor dem Amtsgericht Tiergarten. Für den Gerichtssprecher war ihr Vorhaben einmalig. Für das rechtsmedizinische Institut der Charité keineswegs.

Maßnahmen gegen Betrug

„Wir haben zum Beispiel schon mehrmals Fälle gehabt, bei denen jemand mit einem falschen Ausweis zu uns gekommen ist“, sagt Rechtsmedizinerin Marion Nagy am Dienstag und nennt weitere Maßnahmen, um einen Betrug bei der DNA-Analyse auszuschließen. So müssten die eventuellen Väter ihre Identität mit einer Unterschrift, einem geschossenen Foto vor Ort und einem Fingerabdruck bestätigen. Auch Mohammed O. hätte an diesen Stellen auffliegen müssen, doch dies war für ihn kein Problem. Er scheiterte ausgerechnet an dem, womit er seinem Bruder so gern aus der Misere helfen wollte. Seiner DNA.

Während der behandelnde Arzt seinen Molekülfaden an 15 verschiedenen Orten mit der DNA seines eventuellen Kindes verglich, fand er nämlich vier Treffer. Das ist zwar zu wenig für eine nachzuweisende Vaterschaft, aber zu viel für einen Fremden. Deswegen wurde der Mediziner skeptisch und überlegte, ob es sich bei der Probe nicht um die Daten eines Verwandten handeln könnte. „Zwischen zwei Brüdern kann der numerische Code der DNA nämlich zu 25 Prozent übereinstimmen“, erklärt Marion Nagy.

Diesen Verdacht teilte der Arzt, der die Speichelprobe von Mohammed O. untersucht hatte, dem Gericht schließlich mit und bat die Ex-Freundin von Omar M., sich das Foto aus dem Institut anzusehen. Dass es sich dabei nicht um den Vater ihres Kindes, sondern um dessen Bruder handelte, sah sie sofort - und so musste Omar M. am Ende doch seine DNA überprüfen lassen. Das Ergebnis: eine Übereinstimmung von über 99,99 Prozent.

Spektakuläre Vorfälle

Meistens merkten Mitarbeiter von Rechtsmedizinischen Instituten solche Betrugsversuche allerdings viel früher. Die Männer wirkten dann unruhig und nervös, oder sie weigerten sich, den Ausweis vorzuzeigen oder ihren Fingerabdruck abzugeben. Nichts Spektakuläres. Nur ein Fall fällt Marion Nagy am Dienstag ein, der alles andere als alltäglich war. Immer wieder habe ein Mann vor einiger Zeit in ihrer Abteilung angerufen und habe sich ganz genau über den Ablauf eines Vaterschaftstests informiert. Doch als er schließlich zur Speichelprobe kam, sagte er plötzlich nichts. Kein einziges Wort. Warum er sich so merkwürdig verhielt, klärte sich wie bei Mohammed M. schließlich im Labor.

Dort entdeckten die Mediziner bei seiner Probe mehrere Erbinformationen, die nicht zusammenpassten. Der Mann - ein Arzt - hatte seinen Mund nämlich mit fremdem Zellmaterial eingeschmiert und wollte auf diesem Weg seine Erbinformation manipulieren. Um die Substanz allerdings vor der Speichelprobe nicht herunterzuschlucken, schwieg er. Geholfen hat es allerdings nicht. „Etwas ähnlich Extremes habe ich nur Ende der 80er Jahre mitbekommen, als sich ein Mann ein Stück Plastik mit fremdem Blut in die Vene steckte“, sagte die Rechtsmedizinerin. In solchen Fällen sorge aber der numerische Code eines Menschen am Ende dafür, dass die Mediziner derartige Versuche merken. Der einzige Mensch, bei dem das Vermischen oder Austauschen von Erbinformationen nicht auffalle, sei ein eineiiger Zwilling.

Vorteil von Zwillingen

Mit diesem Vorteil wurden vor einigen Jahren zwei Männer bekannt, die keine Vaterschaft, sondern einen Raub vertuschen wollten. Bei dem Einbruch am 25. Januar 2009 waren aus einer Filiale der Juwelierkette Christ im KaDeWe Schmuck und Uhren im Wert von mehreren Millionen Euro entwendet worden. Dringend tatverdächtig war ein Zwillingspaar, das rund zwei Wochen nach der Tat gefasst wurde. Mitte März 2009 wurden die Haftbefehle gegen die zwei mutmaßlichen Einbrecher allerdings wieder aufgehoben. Zwar war den Ermittlern zufolge mindestens einer von ihnen an der Tat beteiligt. Aufgrund ihrer identischen DNA war eine eindeutige Zuordnung, welcher von beiden es war, jedoch nicht möglich, und so wurden sie wieder auf freien Fuß gesetzt.

Laut Marion Nagy wäre aber auch dieser Versuch bei einer Vaterschaftsfeststellung sinnlos. Zwar gebe es bei der DNA tatsächlich keinen Unterschied. Wohl aber beim Fingerabdruck.

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