Universität und Religion : Technische Universität Berlin schließt Gebetsraum

Zurück zur Neutralität: Nach Jahrzehnten schließt die TU ihren muslimischen Gebetsraum. In der Turnhalle gibt es bald auch kein Freitagsgebet mehr.

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Nach Jahrzehnten schließt die Technische Universität ihren muslimischen Gebetsraum.
Nach Jahrzehnten schließt die Technische Universität ihren muslimischen Gebetsraum.Foto: Daniel Naupold/dpa

„Man findet nie einen günstigen Zeitpunkt für eine solche Entscheidung“, sagt Christian Thomsen. Am Freitag hatte der Präsident der Technischen Universität Berlin öffentlich gemacht, dass an der TU ab dem 14. März dieses Jahres keine Freitagsgebete mehr stattfinden werden und dass auch der muslimische Gebetsraum geschlossen wird.

Natürlich hat die Entscheidung zu Diskussionen geführt, zumal erst kürzlich die Universitäten in Dortmund und Essen ihre Gebetsräume für Muslime geschlossen haben. Dort gab es allerdings Streit, was in Berlin nicht so ist, wie Christian Thomsen betont. „Wir haben hier weder schlimme Vorfälle noch Hinweise auf Salafisten oder andere fundamentalistische Eiferer“, sagt er. „Uns geht es einzig und allein darum, das Neutralitätsgebot – die Trennung von Staat und Kirche – an unserer Einrichtung durchzusetzen.“

Das sollte schon relativ früh nach seinem Amtsantritt im April 2014 erfolgen, sagt der 56-jährige Physiker: „Wir wollten die Turnhalle, in der das Freitagsgebet stattfindet, und den Gebetsraum ursprünglich Ende 2014 schließen. Aber da fanden die ersten populistischen Veranstaltungen von Pegida statt, wir wollten uns da abgrenzen. Also verschoben wir es auf den Frühsommer 2015 – aber da diskutierten alle über Flüchtlinge. Wie gesagt, es gibt keinen günstigen Zeitpunkt.“

Ohnehin habe man sich die Entscheidung nicht leicht gemacht, erzählt Thomsen, und viele Gespräche dazu geführt – etwa mit Innensenator, Integrationsbeauftragten, Senatsverwaltung und der Studentenvereinigung Asta der TU. Alle hätten zugestimmt, schließlich stamme die Idee der Gebetsräume an der Uni aus einer Zeit, in der es noch nicht viele Moscheen gab. Heute könnten Studenten und Mitarbeiter problemlos auf nahe gelegene Gebetshäuser ausweichen.

Einige hundert Menschen hätten dennoch eine Petition für die Beibehaltung des Freitagsgebets unterzeichnet, sagt Thomsen – nachdem die Entscheidung dem Organisator des Gebets Ende Januar mitgeteilt worden war: „Ich treffe mich am Donnerstag mit Vertretern von vier muslimischen Studentenvereinen, habe auch einen Brief von ihnen erhalten.“ Darin werde argumentiert, dass muslimische Studierende fünfmal am Tag beten müssten und dass viele internationale Wissenschaftler auch deshalb an die TU kommen würden, weil sie hier Möglichkeiten hätten, ihre Religion auszuüben. „Ich glaube das nicht“, sagt Thomsen. Sowohl Humboldt- als auch Freie Universität hätten nie Gebetsräume eingerichtet und müssten sich dennoch nicht über mangelndes Interesse beklagen.

Dass man statt des muslimischen Gebetsraums einen „Raum der Stille“ für alle Religionen bereitstellt, hält Thomsen für wenig praktikabel: „Das hat ja an der Uni in Dortmund gerade nicht geklappt. Dort haben einige Muslime ihn ausschließlich für ihre Zwecke umfunktioniert.“ Er wolle dennoch einen offenen Dialog mit den muslimischen Vertretern führen, sagt Thomsen und betont: „Jeder kann in seinem Zimmer seine Religion ausüben. Aber Predigten passen nun einmal vom Grundsatz her nicht an staatliche Einrichtungen.“ Sandra Dassler

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