Ärger ums Sommerbad Pankow : "Ich gehöre nicht mehr zum Zielpublikum"

Die Berliner Bäderbetriebe wollen sparen und haben verkürzte Kernöffnungszeiten für das Sommerbad in Pankow eingeführt. Früh- und Spätschwimmen wird nur noch bei schönem Wetter möglich sein. Das birgt Konfliktstoff.

Ulrike Scheffer
Das Sommerbad Pankow öffnet am 23. Mai. Ärger gibt es schon jetzt.
Das Sommerbad Pankow öffnet am 23. Mai. Ärger gibt es schon jetzt.Foto: Berliner Bäderbetriebe

Dorothea Richter ist sauer. Neulich hatte sich die Pankowerin das Frühbucherticket der Berliner Bäderbetriebe gekauft. 20-mal schwimmen im Freibad für 50 Euro, so das Angebot der Bäderbetriebe, die ihr Schnäppchenticket mit dem Spruch "Wetten auf einen Super-Sommer" bewarben. Doch nun muss Dorothea Richter feststellen, dass die Bäderbetriebe selbst offenbar nicht auf einen Super-Sommer setzen. Denn statt das Sommerbad in Pankow wie in früheren Jahren von 8 Uhr bis 20 Uhr zu öffnen, ist für diesen Sommer zunächst nur eine "Kernöffnungszeit" von 10 Uhr bis 18 Uhr geplant. Saisonbeginn in Pankow ist der 23. Mai.

Nicht das Zielpublikum

Dorothea Richter hat die Neuigkeiten "mit Entsetzen" zur Kenntnis genommen, wie sie in einer Mail an den Pankow-Blog schreibt. Sie hat bei den Bäderbetrieben angerufen, um zu erfahren, warum die Öffnungszeiten sich geändert haben. "Auf meine telefonische Nachfrage bei den Berliner Bäderbetrieben wurde mir mitgeteilt, dass die Öffnungszeiten dem 'Zielpublikum' angepasst wurden. Das heißt, ich, als voll berufstätiger Bürger dieser Stadt, gehöre nicht mehr zu den Personen, die im Sommer ihr heimisches Freibad zum Schwimmen nutzen 'dürfen' beziehungsweise können", schreibt sie weiter. Wenn das Bad um 18 Uhr schließe, sei schließlich schon um 17 Uhr Kassenschluss.

Es muss gespart werden

Die Bäderbetriebe verteidigen ihr neues Öffnungskonzept. "Wir können es uns schlicht nicht mehr leisten, das Früh- und Spätschwimmen zu garantieren", sagte Sprecher Matthias Oloew dem Pankow-Blog. Abgeschafft sei es aber nicht, denn die neue Kernöffnungszeit könne bei schönem Wetter kurzfristig erweitert werden. Und er erklärte auch, wie das konkret funktionieren soll: An heißen Tagen könne das Personal im Sommerbad beispielsweise nachmittags entscheiden, das Bad erst später zu schließen. "Wenn sich eine Hitzewelle abzeichnet, kann das auch gleich für eine Woche beschlossen werden", so Oloew. Die Änderungen sollten jeweils im Internet veröffentlicht werden. Städte wie Köln oder München, sagt der Sprecher, hätten mit ähnlichen Konzepten gute Erfahrungen gemacht.

Sonnenbaden statt Frühschwimmen

Und die Frühschwimmer? Auch frühere Öffnungszeiten sind laut Oloew bei gutem Wetter nicht ausgeschlossen. "Allerdings sind Sommerbäder eigentlich für Leute da, die sich hier mehrere Stunden aufhalten, und nicht für Schwimmer, die nur ihre Bahnen ziehen wollen." Andererseits sind Frühschwimmer in der Regel treue Stammkunden, die auch ohne Sonnenschein ins Wasser gehen. An kalten Tagen sind sie oft sogar die einzigen Kunden im Bad. Und ausgerechnet sie sollen nun ausgeschlossen werden? Organisatorisch sei das nicht anders möglich, erklärt Oloew. Man könne das Bad nicht früh öffnen und dann bis zum Nachmittag wieder schließen. Pankow sei ohnehin kein ausgesprochenes Frühschwimmerbad. "Andere Bäder haben morgens deutlich mehr Besucher", sagt er.

Eine Frage der Heizung

Das neue Kernzeiten-Konzept gilt nicht für alle Berliner Sommerbäder. Dass das Sommerbad im bevölkerungsreichsten Berliner Bezirk von den eingeschränkten Öffnungszeiten betroffen ist, erklärt Oloew mit der Wassertemperatur. Das Pankower Bad verfügt nur über eine solare Heizanlage, die das Wasser nur mäßig aufheizt, und natürlich nur bei Sonne. Im Umkehrschluss bedeute das: Bei schlechtem Wetter ist auch das Wasser kälter. "Dann kommen erst recht weniger Besucher." Deshalb also lautet künftig die Devise: Nur wenn die Sonne scheint, kann lange gebadet werden. Die aktuellen Öffnungszeiten für Pankow können jeweils im Internet eingesehen (www.berlinerbaeder.de) oder telefonisch (Hotline: 030 22 19 00 11) erfragt werden. Ob die Diskussion um die Änderungen damit abgeschlossen ist, wird sich zeigen.

Wenn auch Sie etwas zum Thema zu sagen haben, schreiben Sie an den Pankow-Blog des Tagesspiegels (pankow@tagesspiegel.de). Teilen Sie uns auch ihre Erfahrungen nach dem Saisonstart an Pfingsten mit.

Ulrike Scheffer schreibt für Pankow


Ulrike Scheffer lebt mit ihrer Familie in einer sogenannten Intelligenzsiedlung in Pankow-Niederschönhausen. Einst lebten hier Wissenschaftler und Künstler, die schaffende Intelligenz der DDR. Einige ihrer Nachbarn wohnen schon seit den 1950er Jahren in der kleinen Straße und können kaum fassen, wie sich ihre Umgebung verändert hat: exklusive Townhäuser, Privatschulen und Müttercafés. Die meisten nehmen es gelassen, denn bei all dem hat sich Pankow seinen eigenen Charme bewahrt. Und deshalb fühlen sich wohl auch die Neubürger hier wohl.

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