Ausstellungserfolg in Pankow : Kaviar mit Honecker

Schloss Schönhausen in Pankow war einst das Gästehaus der DDR. Eine Ausstellung erweckt die Zeit wieder zum Leben. Schon 2500 Besucher wollten das sehen.

Ulrike Scheffer
Als die Stimmung noch gut war: Erich Honecker und Michail Gorbatschow 1986 im Schloss Schönhausen.
Als die Stimmung noch gut war: Erich Honecker und Michail Gorbatschow 1986 im Schloss Schönhausen.Foto: dpa

Für Gorbatschow gab es nur vom Feinsten. Jedenfalls bei seinem Besuch 1986. Kaviar, Lachs und Aal wurden ihm zum Frühstück im Schloss Schönhausen in Pankow serviert "und zum Abschluss ein Glas Sekt", wie es im Menüvorschlag des Protokolls hieß. Seit Anfang April ist im Schloss Schönhausen eine Ausstellung über dessen Zeit als DDR-Gästehaus zu sehen. In den ersten beiden Wochen sahen sich das schon mehr als 2500 Besucher an. "Ein großer Erfolg für unser kleines Haus", sagt Jörg Kirschstein, Schlossbereichsleiter der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg. Auch zahlreiche Pankower seien bereits gekommen. "Viele können selbst noch Geschichten aus der Zeit erzählen, denn die Bevölkerung musste ja Spalier stehen, wenn Staatsgäste zum Schloss fuhren." Auch das ist in der Ausstellung dokumentiert. Ein Schreiben an die Bezirksleitung aus dem Jahr 1977 enthält genaue Anweisungen, wo sich entlang der Protokollstrecke wie viele Bürger einzufinden hatten. Der Gast damals: Fidel Castro. Insgesamt 132.000 DDR-Bürger wurden für den "Genossen Commandante" zwischen dem Flughafen Schönefeld und dem Schloss Schönhausen aufgeboten, 12.000 davon in Pankow. Der rumänische Staatschef Nicolae Ceausescu war offenbar nicht ganz so viel Aufwand wert. Als er 1985 die DDR besuchte, musste er sich mit 65.000 winkenden DDR-Bürgern begnügen.

Die Ausstellung beschränkt sich aber nicht auf die DDR. Sie vergleicht vielmehr die Geschichte zweier Gästeschlösser in Ost und West - Schloss Schönhausen in Pankow und Schloss Augustusburg in Brühl bei Bonn. Sie liefert dabei auch viele Informationen zur deutsch-deutschen Geschichte. Begriffe wie Hallstein-Doktrin und Grundlagenvertrag werden erläutert, und es wird auch erklärt, was unter einem Staatsbesuch eigentlich genau zu verstehen ist. Alle Texte sind ins Englische übersetzt.

Das Damenschlafzimmer im Gästeapartment mit dem angrenzendem Bad.
Das Damenschlafzimmer im Gästeapartment mit dem angrenzendem Bad.Foto: dpa

Eines wird in der Ausstellung vor allem deutlich: Die DDR tat alles, um mit der Bundesrepublik mitzuhalten. "Man gönnte sich ganz bewusst ein Barockschloss, um den Anspruch zu verdeutlichen, als vollwertiger Staat anerkannt zu werden", sagt Jörg Kirschstein. Erich Honecker ließ Ende der 1970er Jahre sogar das anfangs modern gehaltene Mobiliar gegen Neurokokomöbel austauschen. Auch textile Wandbespannungen nach preußischen Vorbildern ließ er anbringen. Das Schloss wurde wieder hochherrschaftlich und Honecker zum Schlossherrn, der stolz strahlend im Spiegelsaal mit seinen Gästen auf dem fürstlichen Sofa posierte, wie eine Filmdokumentation mit Beiträgen der "Aktuellen Kamera" dokumentiert. Auch im Film werden Staatsbesuche in beiden Teilen Deutschlands gegenübergestellt.

Blick in das Bad des Damenschlafzimmers.
Blick in das Bad des Damenschlafzimmers.Foto: dpa

Schloss Schönhausen, das in der DDR Schloss Niederschönhausen hieß, wurde seit 1966 als Gästehaus genutzt. Im ersten Stock entstand ein Gästeapartment mit zehn Zimmern. Auch Zimmer für begleitende Ärzte gab es - und jede Menge Abhörtechnik. Einige der Räume sind noch weitgehend erhalten, unter anderem das sogenannte Herrenschlafzimmer und das Damenschlafzimmer mit dem angrenzenden lila Badezimmer. Für Minister und andere hochrangige Delegationsmitglieder wurde ein Apartmenthaus außerhalb des eigentlichen Schlossgeländes gebaut. In Gebäuden an der Zufahrt zum Schloss kamen Fahrer und Dienstpersonal unter, und auch Konferenzräume wurden hier eingerichtet.

Anfangs wohnten indes nur selten Gäste im Pankow. Im Durchschnitt nur einer pro Jahr. Erst als mit dem Grundlagenvertrag zwischen den beiden deutschen Staaten 1972 der Weg für Aufnahme der DDR in die Vereinten Nationen frei wurde und immer mehr Staaten sie offiziell anerkannten, kam Leben ins Schloss. Aus dem großen Apartment wurden schließlich zwei gemacht, um auch zwei Gäste parallel unterbringen zu können. Bis 1989 beherbergte Schloss Schönhausen insgesamt 120 Staatsgäste. Indira Gandhi nahm hier 1976 im knallroten Sari Blumenkohl von Gemüsebauern aus Golzow entgegen, wie im Film zu sehen ist, Willy Brandt gab im Konferenzgebäude eine Pressekonferenz. Auch andere Westpolitiker logierten in Pankow, Oskar Lafontaine kam sogar mehrmals. Der letzte offizielle Staatsgast war 1989 Michail Gorbatschow. An der Protokollstrecke riefen die Leute damals "Gorbi, Gorbi", in der Hoffnung, dass mit dem Staatsgast Glasnost endlich auch in der DDR Einzug halten würde. Im Schloss war die Stimmung zwischen Gast und Gastgeber aber deutlich weniger herzlich als 1986, wie im Beitrag der "Aktuellen Kamera" erkennbar ist.

1991 residierte dann noch einmal ein Staatsgast im Schloss Schönhausen, diesmal aber einer des wiedervereinigten Deutschlands: die niederländische Königin Beatrix.

Die Ausstellung "Schlösser für den Staatsgast" ist noch bis zum 3. Juli im Schloss Schönhausen zu sehen. Danach wird sie im Schloss Augustusburg gezeigt. Am Sonntag (24.4., 11 Uhr) erläutert Schlossbereichsleiter und Ausstellungskurator Jörg Kirschstein in einem Vortrag, auf welche Weise die DDR das Schloss Schönhausen für seine politische Selbstdarstellung nutzte. Dabei wird auch bisher unveröffentlichtes Bildmaterial vorgeführt.

Ulrike Scheffer schreibt für Pankow


Ulrike Scheffer lebt mit ihrer Familie in einer sogenannten Intelligenzsiedlung in Pankow-Niederschönhausen. Einst lebten hier Wissenschaftler und Künstler, die schaffende Intelligenz der DDR. Einige ihrer Nachbarn wohnen schon seit den 1950er Jahren in der kleinen Straße und können kaum fassen, wie sich ihre Umgebung verändert hat: exklusive Townhäuser, Privatschulen und Müttercafés. Die meisten nehmen es gelassen, denn bei all dem hat sich Pankow seinen eigenen Charme bewahrt. Und deshalb fühlen sich wohl auch die Neubürger hier wohl.

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