Berliner Senat gibt Widerstand gegen Krieger-Pläne auf : Pankower Tor soll sich als Stadtteil öffnen

Der Bezirk möchte keinen Shopping-Mall-Klotz am Pankower Bahnhof. Für die geplanten Möbelmärkte soll es einen Einzelbebauungsplan geben, damit schneller gebaut werden kann.

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Das Areal, das bebaut werden soll, ist riesig.
Das Areal, das bebaut werden soll, ist riesig.Foto: promo

Die Entwicklung des 40 Hektar großen Quartiers „Pankower Tor“ kommt langsam auf die Zielgerade. Das an der S-Bahnstrecke zwischen den Bahnhöfen Heinersdorf und Pankow gelegene Gelände eines ehemaligen Rangier- und Güterbahnhofs soll zunächst mit Möbelhäusern bebaut werden. Dafür soll ein städtebaulicher Wettbewerb ausgerufen werden. Geplant sind rund 350 Meter lange, 20 Meter hohe und 160 Meter tiefe Gebäudekomplexe entlang des Autobahnzubringers zur A 114 in unmittelbarer Nähe des S-Bahnhofes Pankow-Heinersdorf. Der Bezirk diskutiert zudem derzeit mit Kaufhausunternehmer Kurt Krieger (Möbel Höffner, Sconto, Möbel Kraft) intensiv über Dimension und Konfiguration der vom Eigentümer des Areals geplanten Shopping Mall am S-Bahnhof Pankow.

Das Land Berlin ist sich mit Krieger bereits im Grundsatz einig. Petra Rohland, stellvertretende Pressesprecherin der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt, bestätigte auf Anfrage, dass der Senat seinen Widerstand gegen eine 30 000 Quadratmeter große Einkaufsmall auf dem Gelände aufgegeben habe. Entsprechend hatte sich laut „Prenzlberger Stimme“ Bausenator Andreas Geisel auf einem Neujahrsempfang Ende Januar geäußert. Bisher hatte die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt den Standpunkt vertreten, dass das von Krieger vorgesehene Einkaufszentrum zu groß sei und den bereits vorhandenen Einzelhandel – z.B. am Rathaus Pankow - kannibalisieren könnte. Doch nun, so Senator Geisel, sei man zu dem Schluss gekommen, dass das Krieger-Vorhaben das Angebot qualitativ verbessern könnte. Trotzdem müsse der Bezirk zunächst noch offene Fragen klären, so Roland: „Das heißt, es steht noch ein Gutachten zur verkehrlichen Erschließung des Areals und die Ermittlung einer angemessenen Verkaufsflächengröße aus.“

Genau darum ging es gestern in einem Gespräch von Bezirksvertretern mit Emissären der Krieger Grundstücks GmbH, das auch nach Redaktionsschluss dieser Seite noch andauerte. Im Kern geht es dem Bezirk darum, eine Shopping Mall herkömmlicher Mach- und Bauart an dieser Stelle zu verhindern.

Stadtrat Kirchner plant Besichtigungsreise mit Krieger

Jetzt sind wir bei der Formatfrage“, sagte Pankows Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung Jens-Holger Kirchner (Bündnis 90/Die Grünen) dem Tagesspiegel vor dem Treffen. „Dass es eine zweistöckige Mall wird – barackenmäßig – das hat Pankow nicht verdient“, sagt Kirchner. Die Formatdiskussion müsse mit Krieger geführt werden und werde auch geführt, zum Teil lautstark. Dem Bezirk geht es um hochwertigen Einzelhandel, um die Qualität der Angebote. „Den siebzigsten Kik-Markt will ich da nicht“, sagt Stadtentwickler Kirchner. Er vermute, dass dem Kaufhaus-Großunternehmer Krieger ein Shopping-Center der siebziger Jahre vorschwebe. „Dazu wird es aber nicht kommen“, umschreibt Kirchner die Position des Bezirkes. Es könne nicht um eine Mall gehen, die letztlich ein „toter, geschlossener Raum“ sei. Es müsse ein Quartier geschaffen werden, in dem die Angebots- und Aufenthaltsqualität besser sei als in einer Mall. Anbieter hochwertiger Einzelhandelswaren seien dort zu finden, wo die Aufenthaltsqualität hoch sei. „Essen ist das neue Shoppen“, sagte Kirchner. Er habe sich mit Krieger zu einer Rundreise verabredet. Sie wollten sich moderne Einkaufscenter ansehen: „Was läuft in Miami, was läuft in Skandinavien?“ Hier würden nicht Shopping Center, sondern bereits Stadtteile gebaut. Die Mall of Berlin am Leipziger Platz zeige, dass es gelingen könne, städtische Strukturen in die Planung mit aufzunehmen.

Zu der von Krieger geplanten Aufreihung von Möbelmärkten an der Autobahnauffahrt zur A 114 soll es laut Kirchner ebenfalls nicht kommen. Es sei zwar unstrittig, wo die Möbelmärkte ihren Platz finden sollten, „doch die Planung von Herrn Krieger war sehr raumgreifend“. Deshalb solle ein Wettbewerb ausgerufen werden. Zunächst gehe es um die Weiterführung und Einleitung eines B-Plan-Verfahrens für diesen Bereich. Der Hintergrund: Die Möbelhauskette Porta plane an der Landsberger Allee eine Neuansiedlung. Dem wolle Krieger zuvorkommen, indem die Planungen für die Möbelmärkte aus dem Pankower-Tor-Projekt herausgelöst werden. „Wir haben schon mal einen Gebäudelageplan gemacht“, signalisierte Kirchner das Entgegenkommen des Bezirks.

Weiter gesprochen werden muss noch über die Verkehrsplanungen – hier gibt es mehrere Varianten, bis hin zu einer Tunnellösung. Wie berichtet will der Berliner Unternehmer Krieger für das Pankower Tor 400 Millionen Euro investieren. Er hatte neben seinen Gewerbebauten die Errichtung von 750 Wohnungen in Aussicht gestellt, nebst einer neuen Grund- und einer neuen Oberschule und eines neuen Stadtplatzes. Etwa 250 der Wohnungen sollen zu einem Mietpreis von 5,50 Euro kalt pro Quadratmeter angeboten werden. Edda Metz, Projektleiterin bei Krieger-Bau, sagte dem Tagesspiegel das „Pankower Tor“ sei auf gutem Wege.

Ulrike Scheffer schreibt für Pankow


Ulrike Scheffer lebt mit ihrer Familie in einer sogenannten Intelligenzsiedlung in Pankow-Niederschönhausen. Einst lebten hier Wissenschaftler und Künstler, die schaffende Intelligenz der DDR. Einige ihrer Nachbarn wohnen schon seit den 1950er Jahren in der kleinen Straße und können kaum fassen, wie sich ihre Umgebung verändert hat: exklusive Townhäuser, Privatschulen und Müttercafés. Die meisten nehmen es gelassen, denn bei all dem hat sich Pankow seinen eigenen Charme bewahrt. Und deshalb fühlen sich wohl auch die Neubürger hier wohl.