Flüchtlinge in Berlin-Pankow : Turnhalle in der Wackenbergstraße wird geräumt

Rund 90 Flüchtlinge aus einer Turnhalle in Pankow ziehen bald in eine Containerunterkunft nach Karow. Die Zustände in der Halle waren katastrophal.

Ulrike Scheffer
Eine Notunterkunft in Berlin - allerdings nicht die Wackenbergstraße. Dort waren mehr als 90 Flüchtlinge untergebracht.
Eine Notunterkunft in Berlin - allerdings nicht die Wackenbergstraße. Dort waren mehr als 90 Flüchtlinge untergebracht.Foto: Thilo Rückeis

Die Polizeisporthalle in der Pankower Wackenbergstraße soll zum 15. Dezember geräumt werden. Die rund 90 Flüchtlinge, die ursprünglich noch einen weiteren Winter in der Halle zubringen sollten, ziehen zum größten Teil in eine neue Containerunterkunft in Karow. Das erfuhr der Tagesspiegel aus Helferkreisen.

Die Karower Unterkunft gehört zu jenen sogenannten Tempohomes, die zwar bezugsfertig sind, für die es aber noch keinen Betreiber gibt, weil das Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten (Laf) entsprechende Ausschreibungen schlecht vorbereitet hatte. Deshalb war der Umzug der noch in Turnhallen lebenden Flüchtlinge erneut verschoben worden.

Da nun aber ein schon bezogenes Tempohome in der Zossener Straße wegen schadhafter Elektroleitungen teilweise evakuiert werden muss, zieht ein Teil der Bewohner von dort zusammen mit ihrem Betreiber nach Karow um. Und es gibt in der Karower Siverstorpstraße offenbar genug Platz auch für die meisten Flüchtlinge aus der Wackenbergstraße. Die übrigen Bewohner gehen zum Teil in andere Unterkünfte, zwei Familien können in Wohnungen umziehen. Das Laf bestätigte dem Tagesspiegel auf Nachfrage, dass der Umzug der Flüchtlinge aus der Wackenbergstraße vorbereitet wird.

Nach einer Ortsbesichtigung in der Wackenbergstraße in der vergangenen Woche war das Landesamt zunehmend unter Druck geraten, die Halle zu räumen. Auch Pankows Bezirksbürgermeister Sören Benn (Linkspartei) hatte die Notunterkunft besucht und sich für Veränderungen stark gemacht. "Der Einsatz von Herrn Benn und der Protest der Flüchtlinge selbst haben dann am Ende wohl den Ausschlag gegeben", sagte Birgit Geist vom Unterstützerkreis der Wackenbergstraße dem Tagesspiegel.

Benn selbst hatte dem Tagesspiegel gestern noch zur Wackenbergstraße gesagt: „Die Zustände dort sind so, dass man die Unterkunft eigentlich schließen müsste." Die Spanplatten auf dem Hallenboden würden sich zersetzen, Wäsche werde auf Leinen aufgehängt, weil die Trockner zum Teil kaputt seien, als Heizung diene ein riesiger, brummender Lüfter. Viele Menschen litten unter Hautausschlägen, Kleinkinder hätten Fieber. „Im Sommer konnten die Leute sich tagsüber wenigstens noch draußen aufhalten, doch jetzt sind sie auf die Halle beschränkt."

Benn hatte den Flüchtlingen zugesagt, nach Möglichkeiten zu suchen, im Außenbereich der Halle Gruppenzelte aufstellen zu lassen, damit die Flüchtlinge weitere trockene Räume bekommen. Für die Wackenbergstraße wird dies nun nicht mehr nötig sein. Die übrigen Turnhallen im Bezirk, die als Notunterkünfte dienen, sollen aber Außenzelte bekommen.

Ulrike Scheffer schreibt für Pankow


Ulrike Scheffer lebt mit ihrer Familie in einer sogenannten Intelligenzsiedlung in Pankow-Niederschönhausen. Einst lebten hier Wissenschaftler und Künstler, die schaffende Intelligenz der DDR. Einige ihrer Nachbarn wohnen schon seit den 1950er Jahren in der kleinen Straße und können kaum fassen, wie sich ihre Umgebung verändert hat: exklusive Townhäuser, Privatschulen und Müttercafés. Die meisten nehmen es gelassen, denn bei all dem hat sich Pankow seinen eigenen Charme bewahrt. Und deshalb fühlen sich wohl auch die Neubürger hier wohl.

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