Gauck besucht Suppenküche in Pankow : "Bemerkenswert normal"

Der Bundespräsident kam kurzfristig nach Pankow. Er besuchte die Suppenküche des Franziskanerklosters - um deren Gäste zu treffen und die Arbeit der ehrenamtlichen Helfer zu würdigen.

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Der Bundespräsident aß zwar nichts, er unterhielt sich aber offenbar gut mit den Gästen der Suppenküche.
Der Bundespräsident aß zwar nichts, er unterhielt sich aber offenbar gut mit den Gästen der Suppenküche.Foto: dpa

Plötzlich war er da, der Bundespräsident. Mit einem großen Tross an Journalisten und Mitarbeitern im Schlepptau besuchten Joachim Gauck und seine Lebensgefährtin Daniela Schadt am Dienstag die Suppenküche des Pankower Franziskanerklosters. Den Gästen hatten die Brüder und ihre ehrenamtlichen Helfer vorher nur gesagt, dass später die Presse vorbeischauen werde. "Manche unserer Gäste stehen nicht so auf Blitzlicht, die konnten dann vorher gehen oder später wiederkommen", sagt Bernd Backhaus, der die Suppenküche leitet. Der Bundespräsident sei "bemerkenswert normal" gewesen, so Backhaus. "Ich hatte Hollywood erwartet und gekommen ist einfach Herr Gauck."

Bratwurst gibt es in der Suppenküche nicht jeden Tag.
Bratwurst gibt es in der Suppenküche nicht jeden Tag.Foto: dpa

Herr Gauck schaute auch in die Töpfe, die an diesem Tag Bratwurst, Kartoffelpüree und Rotkohl enthielten - ein wahres Festessen für die Besucher der Suppenküche. "Meistens bieten wir ja tatsächlich eine Suppe an", erklärt Bernd Backhaus. Dass es diesmal Bratwurst gab, sei reiner Zufall gewesen, versichert er. "Wir sind für das Essen auf Spenden angewiesen, da wird halt gekocht, was da ist." Insgesamt kommen täglich zwischen 100 und 400 Menschen in die Wollankstraße nach Pankow. Viele sind obdachlos oder können sich von ihrer Rente kaum ernähren. Auch Flüchtlinge stellen sich neuerdings hier um eine warme Mahlzeit an.

Eine kurze Schrecksekunde dürften die Personenschützer des Präsidenten erlebt haben, als sich Gauck ein kräftiger Gast in den Weg stellte. Doch er wollte nur ein Anliegen loswerden. "Richten sie Frau Merkel aus, dass sie keine Obergrenzen festlegen soll", sagt er. Gemeint war eine Obergrenze für Flüchtlinge. Alle Menschen hätten irgendwie das Recht, glücklich zu sein und satt zu werden, fuhr er fort. Backhaus und seine Kollegen waren erleichtert. "Wir haben hier sonst auch schon mal Menschen im Publikum, die nicht sehr fremdenfreundlich sind."

Vor dem Besuch in der Suppenküche war Gauck in der Klosterkapelle mit den ehrenamtlichen Helfern zusammengekommen, ohne die die Suppenküche gar nicht denkbar wäre. Schließlich leben in dem Franziskanerkloster nur vier Brüder. Bernd Backhaus ist einer der wenigen Angestellten. Insgesamt packen rund 60 Ehrenamtliche in der Küche und der Kleiderkammer des Klosters mit an. Auch Waschmöglichkeiten und Sozialberatung werden angeboten. „Wer Menschen etwas zu essen gibt, wer Menschen menschliche Nähe gibt, erweckt in diesen Menschen auch plötzlich Gefühle von Solidarität, die sonst vielleicht beim Kampf ums Dasein jeden Tag so ein bisschen verschüttet werden“, sagte Gauck den Helfern. Gerade in Berlin, das für viele die Stadt der Clubs und Start-ups sei und wo vor Weihnachten Tausende Menschen „unglaublich viel Geld ausgeben“, sei es wichtig, einen Ort der Fürsorge zu sehen. Gauck lud die Freiwilligen auch zu seinem nächsten Sommerfest ein. "Das ist natürlich eine tolle Sache für unsere Mitarbeiter", sagt Backhaus.

Nach gut einer Stunde verabschiedeten sich Gauck und Schadt wieder. Das Fazit des Küchenchefs: "Das war eine Riesennummer!"

Autor

Ulrike Scheffer schreibt für Pankow


Ulrike Scheffer lebt mit ihrer Familie in einer sogenannten Intelligenzsiedlung in Pankow-Niederschönhausen. Einst lebten hier Wissenschaftler und Künstler, die schaffende Intelligenz der DDR. Einige ihrer Nachbarn wohnen schon seit den 1950er Jahren in der kleinen Straße und können kaum fassen, wie sich ihre Umgebung verändert hat: exklusive Townhäuser, Privatschulen und Müttercafés. Die meisten nehmen es gelassen, denn bei all dem hat sich Pankow seinen eigenen Charme bewahrt. Und deshalb fühlen sich wohl auch die Neubürger hier wohl.

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