Investor könnte in Pankow von Verzögerungen profitieren : Kostenloser Lärmschutz für Krieger?

Die Bahn will 2017 in Pankow mit dem Bau von Lärmschutzwänden beginnen. Die sollen Altbauten abschirmen. Doch auch der Streckenabschnitt neben dem künftigen Stadtquartier "Pankower Tor" taucht in den Plänen auf.

von
Blick auf das Pankower Tor und das Altbauviertel entlang der Granitzstraße (Vordergrund).
Blick auf das Pankower Tor und das Altbauviertel entlang der Granitzstraße (Vordergrund).Foto: promo

Für den Investor des Stadtquartiers "Pankower Tor" könnten sich die Verzögerungen bei der Planung zur Abwechslung einmal auszahlen. Weil es noch immer keine konkreten Beschlüsse für die Bebauung des alten Pankower Güter- und Rangierbahnhofs gibt, könnte Möbelunternehmer Kurt Krieger von öffentlichen Fördergeldern für den Lärmschutz entlang der Pankower Bahntrasse profitieren. Konkret geht es um rund 700.000 Euro für eine Lärmschutzwand.

Die Bahn will ab Herbst 2017 in Pankow eine ganze Reihe von Lärmschutzwänden errichten. Die Mittel dafür stammen aus einem Bundesprogramm. Das zielt allerdings ausschließlich auf den Schutz von Altbauten, im Osten Berlins auf Häuser, die vor 1990 errichtet wurden. Bei neueren Gebäuden ist der Bauherr dafür verantwortlich, den Lärmschutz sicherzustellen, etwa durch Schallschutzfenster. Das gilt also auch für das Krieger-Projekt zwischen den S-Bahnhöfen Pankow und Heinersdorf, wo mehrere Möbelhäuser, ein Einkaufszentrum, Wohnungen und auch Schulen entstehen sollen. Dennoch plant die Bahn auch auf Höhe des Pankower Tors eine 600 Meter lange Schutzwand. Kostenpunkt: 700.000 Euro. Sollte sie tatsächlich gebaut werden, könnte Krieger, der insgesamt rund 400 Millionen Euro investieren will, später beim Lärmschutz einiges sparen.

"Für den betreffenden Teilabschnitt liegen kein final abgestimmtes Bebauungskonzept und kein rechtsverbindlicher B-Plan vor", begründet die Bahn ihre Planung. Für sie ist das Krieger-Areal damit nach wie vor nichts weiter als eine Brachfläche. Entlang der dahinter liegenden Granitzstraße stehen indes lauter Altbauten. Sie bekommen den Bahnlärm auf der viel befahrenen Strecke derzeit voll ab und würden von einer Lärmschutzwand erheblich profitieren, wie ein Gutachten der Bahn belegt. Damit ist die Wand nach derzeitigem Stand förderwürdig. Sollte das 40 Hektar große Brachland allerdings wie vorgesehen bebaut werden, würden die Neubauten einiges an Lärm schlucken. Ohnehin wäre die Wand damit obsolet. "Eine Förderung von Lärmschutzmaßnahmen mit Mitteln des Lärmsanierungsprogramms des Bundes schließt sich mit Vorliegen einer relevanten Beschlussfassung zur zukünftigen Bebauung entlang der Granitzstraße aus", heißt es bei der Bahn auf Nachfrage. Die Maßnahme werde nicht realisiert, "wenn durch die zuständigen Bereiche des Bezirkes verbindliche Informationen vorliegen".

Stadtrat schließt Überschneidungen nicht aus

Angesichts immer neuer Verzögerungen ist aber fraglich, ob die "verbindlichen Informationen" rechtzeitig kommen, um den Bau der Wand tatsächlich noch aufzuhalten. Die Bahn sagt, sie gehe von einer "zeitnahen Aussage" des Bezirksamts aus. Der dort zuständige Stadtrat, Jens-Holger Kirchner (Grüne), will sich aber nicht festlegen lassen. Dem Tagesspiegel sagte er: "Ich kann nicht ausschließen, dass sich die Planungen überschneiden." Er hält es also für möglich, dass die Wand am Ende doch gebaut wird, obwohl längst klar ist, dass daneben eine neues Stadtquartier entsteht.

Laut Kirchner ist allenfalls für einen Teil des Pankower Tors in diesem Jahr mit einem Bebauungskonzept zu rechnen. Der Rest müsse "noch reifen". Das betrifft vor allem das geplante Einkaufszentrum. Sicher scheint inzwischen, dass es an die Berliner Straße angrenzen soll. Wie es einmal aussehen wird, ist aber noch völlig offen. Kirchner arbeitet daran, Krieger für ein innovatives Konzept zu gewinnen. Statt einer geschlossenen Mall favorisiert er ein Einkaufsquartier mit hochwertigen Einzelhandelsgeschäften, Cafés und Restaurants. Doch das alles ist noch Zukunftsmusik. Konkret sind allein die Zeitpläne der Bahn.

Autor

Ulrike Scheffer schreibt für Pankow


Ulrike Scheffer lebt mit ihrer Familie in einer sogenannten Intelligenzsiedlung in Pankow-Niederschönhausen. Einst lebten hier Wissenschaftler und Künstler, die schaffende Intelligenz der DDR. Einige ihrer Nachbarn wohnen schon seit den 1950er Jahren in der kleinen Straße und können kaum fassen, wie sich ihre Umgebung verändert hat: exklusive Townhäuser, Privatschulen und Müttercafés. Die meisten nehmen es gelassen, denn bei all dem hat sich Pankow seinen eigenen Charme bewahrt. Und deshalb fühlen sich wohl auch die Neubürger hier wohl.

3 Kommentare

Neuester Kommentar