Khadija-Moschee in Pankow : Muslime sollen Integration von Flüchtlingen unterstützten

Die Ahmadiyya-Gemeinde hatte zum Empfang geladen. Dabei stellte sie auch vor, wie sie sich in der Flüchtlingshilfe engagiert. Dafür gab es viel Lob, es wurden aber auch Erwartungen formuliert.

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Imam Said Ahmed Arif im Gespräch mit dem Leiter der Polizeidirektion 1, Bernhard Kufka, und einer weiteren Polizistin.
Imam Said Ahmed Arif im Gespräch mit dem Leiter der Polizeidirektion 1, Bernhard Kufka, und einer weiteren Polizistin.Foto: Qasim Unger/OffeneBlende

Bernhard Kufka, Leiter der Polizeidirektion 1, kam gleich mit mehreren Kollegen in die Khadija-Moschee in Heinersdorf. Als ganz normale Gäste saßen sie am Dienstagabend beim Neujahrsempfang entspannt im Gebetssaal der Pankower Moschee, gegen die es vor ihrer Eröffnung 2008 massiven Widerstand gegeben hatte. Damals war die Polizei mehr gefordert. Doch die Lage hat sich längst beruhigt. Die Kontakte zu Kufka und seinen Mitarbeitern hat die Gemeinde aufrecht erhalten. Said Ahmed Arif, Imam der Khadija-Moschee, nannte die Beziehungen zur Polizei am Dienstagabend besonders freundschaftlich, was Kufka mit einem süffisanten Zwinkern bestätigte.

Nachdem es einige Jahre still um die Gemeinde geworden war, machte sie Ende 2015 wieder von sich reden. Unmittelbar nach den Terroranschlägen in Paris im November 2015 und Anschlagsdrohungen von Islamisten gegen Deutschland distanzierte sie sich als eine der ersten muslimischen Gemeinschaften öffentlich von Gewalt und Terror und lud zur Pressekonferenz nach Heinersdorf ein. Sogar überregionale Medien kamen und berichteten.

Das erste und einzige Minarett im Osten.
Das erste und einzige Minarett im Osten.Foto: Ulrike Scheffer

Auch in der Einladung für den Dienstagabend hatte es - wohl nicht nur mit Blick auf Paris, sondern auch auf die Ereignisse der Kölner Silvesternacht - geheißen: "Das vergangene Jahr hat auch in Deutschland gesellschaftliche Umbrüche eingeläutet, die unseren Zusammenhalt herausfordern. In dieser aufgerüttelten Stimmung mit vielfachen Konfliktpotentialen rund um das Thema Muslime und Islam ist es erforderlich, dass wir das Gespräch suchen." Dennoch war der Abend deutlich beschaulicher als die Veranstaltung Ende vergangenen Jahres. Er stand unter der Schirmherrschaft des Regierenden Bürgermeisters Michael Müller. Gekommen war Müller aber nicht. Bezirksbürgermeister Matthias Köhne fehlte ebenfalls. Er ist derzeit im Urlaub. Der Gebetssaal der Khadija-Moschee war aber gut gefüllt. Zu den Gästen gehörten unter anderem der Integrationsbeauftragte des Senats, Andreas Germershausen, der CDU-Bundestagsabgeordnete und Generalsekretär der Berliner CDU, Kai Wegner, und die Landesvorsitzende der Berliner Grünen, Bettina Jarasch, die in Pankow ihren Wahlkreis hat. Auch Vertreter verschiedener Religionsgemeinschaften waren eingeladen, darunter die Alt-Pankower Pfarrerin Ruth Misselwitz, die später noch lange mit Vertreterinnen der Ahmadiyya-Frauenorganisation im Frauentrakt der Moschee zusammensaß und dort unvermittelt in eine Diskussion über die Rolle der Mystik in der Religionswissenschaft verwickelt wurde.

Die meisten Gäste waren nicht zum ersten Mal in der Pankower Moschee. Die Gemeinde hat seit ihrer Ansiedlung in Pankow viel dafür getan, Kontakte in ihrem neuen Umfeld zu knüpfen und zu pflegen. Sie veranstaltet Vorträge über den Islam, öffnet die Moschee für Interessierte und nimmt an der langen Nacht der Religionen teil. Am 1. Januar machen sich junge Ahmadiyya-Muslime traditionell früh morgens auf, um Straßen zu säubern. Angesichts der Berliner Böllerleidenschaft an Silvester eine sehr praktische Einrichtung gerade in der Hauptstadt, merkte Rabbiner Walter Rothschild in seinem Grußwort an. Kai Wegner stellte in seinem Grußwort die Flüchtlingsarbeit der Gemeinde heraus, für die er sich ausdrücklich bedankte. Mitglieder der Gemeinde teilen unter anderem am Lageso Tee und Essen aus, sammeln Spenden und besuchen auch Flüchtlinge in Unterkünften - unabhängig von deren religiöser Orientierung.

Religion als Integrationskraft

Die Ahmadiyya-Gemeinschaft, die ihr Zentrum vor allem in Pakistan und Indien hat, wird von den meisten sunnitischen und schiitischen Muslimen nicht anerkannt, sondern als Sekte von Abtrünnigen abgelehnt. Im Westen gilt sie indes als reformorientiert und friedlich. Ihr in London ansässiger Kalif, Mirza Masroor Ahmad, hat sich mehrfach gegen Gewalt ausgesprochen und predigt den Dialog. Ihm folgen heute über 60 Millionen Muslime in über 200 Staaten; 40.000 Anhänger gibt es in Deutschland. Die Moschee in Berlin ist bisher die einzige im Ostteil der Stadt und auf dem Gebiet der ehemaligen DDR. In Leipzig soll eine weitere folgen.

Bettina Jarasch von den Grünen ging ebenfalls auf die Flüchtlingshilfe der Gemeinde ein. "Alle Gruppen, die sich dem Gemeinwohl verpflichtet fühlen, bilden die Grundlage unseres demokratischen Staates", zitierte sie einen früheren Verfassungsrichter. Gleichzeitig forderte sie die Muslime auf, ihr Verhältnis zur Gewalt zu klären. "Sie als Muslime müssen untereinander um die Interpretation des Islam streiten", sagte sie. Jörg Antoine, Konsistorialpräsident der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, äußerte weitere Erwartungen. Von den Religionen gehe eine große Integrationskraft aus, sagte er. "Das ist auch eine wichtige Aufgabe für die Muslime in Berlin und in Deutschland."

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Ort der Begegnung

Autor

Ulrike Scheffer schreibt für Pankow


Ulrike Scheffer lebt mit ihrer Familie in einer sogenannten Intelligenzsiedlung in Pankow-Niederschönhausen. Einst lebten hier Wissenschaftler und Künstler, die schaffende Intelligenz der DDR. Einige ihrer Nachbarn wohnen schon seit den 1950er Jahren in der kleinen Straße und können kaum fassen, wie sich ihre Umgebung verändert hat: exklusive Townhäuser, Privatschulen und Müttercafés. Die meisten nehmen es gelassen, denn bei all dem hat sich Pankow seinen eigenen Charme bewahrt. Und deshalb fühlen sich wohl auch die Neubürger hier wohl.

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