Kultur aus Pankow : Ein Musical aus Niederschönhausen

Ein großes Plakat an einem Privathaus in Niederschönhausen kündigt ein Musical an. Auch eine kleine Aufführung fand hier kürzlich statt - weil ein junger Pankower einen großen Traum hat.

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Im Keller seines Elternhauses baut Sascha Laue schon das Bühnenbild für sein Musical.
Im Keller seines Elternhauses baut Sascha Laue schon das Bühnenbild für sein Musical.Foto: Ulrike Scheffer

Ein großes Plakat an einem Privathaus hat in Niederschönhausen Verwirrung gestiftet. "Herrscher der Träume, das Musical", steht darauf. Ein weiß geschminktes Männergesicht ist ebenfalls abgebildet: stechend grüne Augen, dämonischer Blick, schwarze Lippen. Das Plakat hängt an der Hauswand der Platanenstraße 93. In der Nachbarschaft fragen sich nun viele, ob hier tatsächlich bald ein Musical aufgeführt werden soll. Schließlich waren neulich abends schon einmal laute Musik und Gesang aus dem Garten hinter dem Haus zu hören. Und auch viele Gäste wurden gesichtet. Eine öffentliche Probe? Der Mann hinter all dem, der auch auf dem Plakat zu sehen ist, heißt Sascha Laue. Er wohnt in der Platanenstraße 93. Das heißt, eigentlich wohnen seine Eltern hier, seit einem Jahr ist der Sohn aber praktisch wieder bei Ihnen eingezogen - um sein Musical vorzubereiten.

Von Hamburg zurück nach Niederschönhausen

Sascha Laue (Jahrgang 1988) ist ausgebildeter Bühnendarsteller. Seine Ausbildung hat er an der Hamburger "Stage School" absolviert, einer Kaderschmiede für Musicalstars. 2012 machte er dort seinen Abschluss und hatte seither eine Reihe von Engagements, darunter eine Tournee mit dem Musical "3 Musketiere". "Es ist für mich bisher sehr gut gelaufen", sagt er in der elterlichen Küche in Niederschönhausen.

Sascha Laue vor dem Plakat seines Musicals.
Sascha Laue vor dem Plakat seines Musicals.Foto: Ulrike Scheffer

Seit gut einem Jahr arbeitet Sascha Laue dennoch auch an seinem eigenen Projekt, dem "Herrscher der Träume". Er hat die Texte zu dem Musical geschrieben, ein Freund, Rick Middelkoop, die Musik. Im Keller des Elternhauses baut Laue außerdem bereits an Masken und Bühnenbildern. Da sein Vater ein Unternehmen für Innenausbau hat, stehen dort jede Menge Werkzeug und Maschinen. "Vor allem deshalb wohne ich jetzt wieder hier, denn ich kann hier in Ruhe und vor allem sehr günstig arbeiten", erklärt er. Viele Freunde hätten ihn anfangs für verrückt erklärt, sich an ein so großes Vorhaben heranzuwagen. Doch inzwischen sei die Stimmung umgeschlagen. "Und die Familie hat mich sowieso immer unterstützt."

Inspiration und Unterstützung aus der Familie

Aus dem familiären Umfeld stammt auch die Inspiration für "Herrscher der Träume". In dem Stück geht es um einen Jungen namens Ben, der in der Schule gemobbt wird und sich immer stärker in eine Traumwelt flüchtet, wo er Edgar, dem Herrscher der Träume, begegnet. Der will Ben bei sich behalten, doch der Junge erkennt, dass Edgar keine guten Absichten hat, und möchte sich ihm entziehen. Ein Kampf um Macht und Träume beginnt. "Auch ich war als Kind viel in fiktiven Welten unterwegs", sagt Sascha Laue. Seine Mutter habe immer wieder zu ihm gesagt: "Du bist ein Träumer." Seine Schwester habe ihm zudem von Mobbing an ihrer Schule berichtet. "Das hat mich geprägt."

Klischees brechen

"Für ein Musical ist das natürlich ein ungewöhnliches Thema, aber ich will ganz bewusst mit den üblichen Musical-Klischees brechen", sagt er selbstbewusst. Der dramatische Bogen sei langgezogen, gleich zu Beginn gebe es eine lange Mobbingszene. Und die Musik von "Herrscher der Träume" beschreibt Laue als "derb, fast rockig". "In anderen Musicals fehlen mir oft die Brüche." Auf ein Happy End verzichtet aber auch Sascha Laue nicht. Details will er aber noch nicht verraten.

Erfolgreiche Sponsorenparty

Bei all seiner Liebe fürs Träumen, naiv ist der Nachwuchs-Musicalmacher aus Niederschönhausen nicht. Ihm sei klar, dass noch ein weiter Weg vor ihm liege, sagt er. 150.000 bis 200.000 Euro benötigen Laue und sein Partner Rick Middelkoop, um ihr Stück zu realisieren. Und natürlich eine Bühne. Denn etwas Größeres als der elterliche Garten in der Platanenstraße soll es dann doch sein. Ende April haben die beiden dort aber ein Fest für potenzielle Sponsoren und Unterstützer gegeben. Dafür hatten sie auch das Plakat an die Hauswand gehängt. "Das war für uns das ganz große Ding", sagt Sascha Laue. Einen roten Teppich hatten sie ausgerollt, Fackeln aufgestellt und natürlich erste Teile des Bühnenbildes, einen Thron, der sich in ein Bett verwandeln lässt, und eine überdimensionierte Hand. Es war der Abend, als sich viele Nachbarn fragten, ob hier bereits geprobt wird, denn gemeinsam mit Künstlerfreunden haben Laue und Middelkoop bei dieser Gelegenheit auch einige Szenen ihres Stückes aufgeführt. Die 65 Gäste waren so begeistert, dass sie am Ende sogar eine Zugabe einforderten. "Darauf waren wir gar nicht vorbereitet."

Das Ziel fest im Blick

Einige der potenziellen Sponsoren hätten gleich Unterstützung zugesagt. In den kommenden Tagen und Wochen seien weitere Gespräche geplant, berichtet Laue stolz. Er ist optimistisch, dass sein Traum vom eigenen Musical tatsächlich Realität wird. "Vielleicht können wir ja noch in diesem Jahr starten."

Autor

Ulrike Scheffer schreibt für Pankow


Ulrike Scheffer lebt mit ihrer Familie in einer sogenannten Intelligenzsiedlung in Pankow-Niederschönhausen. Einst lebten hier Wissenschaftler und Künstler, die schaffende Intelligenz der DDR. Einige ihrer Nachbarn wohnen schon seit den 1950er Jahren in der kleinen Straße und können kaum fassen, wie sich ihre Umgebung verändert hat: exklusive Townhäuser, Privatschulen und Müttercafés. Die meisten nehmen es gelassen, denn bei all dem hat sich Pankow seinen eigenen Charme bewahrt. Und deshalb fühlen sich wohl auch die Neubürger hier wohl.

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