Neuer Erzeugermarkt in Pankow : Total regional

In der alten Willner-Brauerei, an der Grenze zwischen Pankow und dem Prenzlauer Berg, werden künftig immer donnerstags regionale Produkte angeboten. Kaufen muss man die allerdings im Internet, auf dem Markt wird nur probiert.

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Mate-Ritual in der alten Brauerei. Fabricio do Canto an seinem Stand.
Mate-Ritual in der alten Brauerei. Fabricio do Canto an seinem Stand.Foto: Ulrike Scheffer

Pankow hat einen neuen Wochenmarkt. Immer donnerstags zwischen 18 und 20 Uhr sollen künftig regionale Betriebe ihre Produkte in der früheren Willner-Brauerei in der Berliner Straße anbieten - wo früher ein Trödelmarkt beheimatet war und sich im Sommer inzwischen ein angesagter Biergarten etabliert hat. Zum Auftakt waren allerdings nur neun Stände auf dem Gelände im Grenzgebiet zwischen dem Altbezirk Pankow und dem Prenzlauer Berg aufgebaut. Biobäuerinnen aus Ahrensfelde waren gekommen, ein Imker-Paar aus Niederschönhausen, ein Pankower Hersteller von Bio-Fruchtaufstrichen und auch die Inhaber eines Bauernhofes aus der Ruppiner Schweiz mit ihren Spezialitäten vom alten deutschen Sattelschwein.

Biobäuerinnen aus Ahrensfelde in der ehemaligen Willner-Brauerei.
Biobäuerinnen aus Ahrensfelde in der ehemaligen Willner-Brauerei.Foto: Ulrike Scheffer

Alles durfte probiert werden, kaufen konnte man überraschenderweise nichts. Das wird künftig nicht anders sein, denn der Markt ist eher eine Art Abholstelle und Treffpunkt. Die Erzeuger stellen ihre Angebote vorab ins Internet und nehmen online Bestellungen entgegen. Am Markttag können die Kunden die Ware dann auf dem Markt in Empfang nehmen. Auch gezahlt wird via Internet.

Netzwerk zwischen Konsumenten und Erzeugern

"Damit wollen wir verhindern, dass die Erzeuger mit halbvollen Kisten wieder nach Hause fahren und einen Teil ihrer Waren womöglich wegwerfen müssen", erklärt Udo Tremmel von "Food Assembly". "Food Assembly" versteht sich als Netzwerker, der Erzeuger und Konsumenten zusammenbringt. Vorbild ist eine ähnliche Initiative in Frankreich, die sich zum Ziel gesetzt hat, traditionelle Bauernmärkte wiederzubeleben und damit sehr erfolgreich ist.

Rüdiger Haegele verkostete Bratwurst vom Sattelschwein.
Rüdiger Haegele verkostete Bratwurst vom Sattelschwein.Foto: Ulrike Scheffer

In Berlin gibt es bereits vier ähnliche Märkte, die wie der in Pankow jeweils von einem lokalen "Gastgeber" organisiert werden. Dafür erhält er 8,35 Prozent der Einnahmen, weitere 8,35 Prozent gehen an "Food Assembly". Ein reiner Lieferservice soll der Markt aber nicht sein. Zur Philosophie gehört laut Tremmel, dass Erzeuger und Konsumenten ins Gespräch kommen, vor allem, dass die Konsumenten mehr über die Produkte erfahren, die sie essen oder verwenden.

Mate-Rituale in der Brauerei

Dass die meisten der angebotenen Waren aus Biobetrieben kommen, versteht sich fast von selbst. Was die regionale Herkunft angeht, gibt es allerdings einen gewissen Spielraum. So kommen die Mate-Kräuter, aus denen Fabricio do Canto Getränke, Seifen und andere Produkte herstellt, natürlich nicht aus Brandenburg. Der Brasilianer versicherte aber, dass er sie selbst in Brasilien geerntet habe. "Und zwar in der Wildnis und nicht auf einer Plantage." Verarbeitet würden sie dann in Berlin. In der Willner-Brauerei bot do Canto am Donnerstag heiße Mate in kleinen Tongefäßen an. Getrunken wird sie durch einen Metallstrohhalm, an dessen unterem Ende ein kleines Sieb angebracht ist. Wer wollte, der konnte von dem Berliner aus Brasilien außerdem viel über Mate-Rituale brasilianischer Dorfgemeinschaften erfahren. Das nennt man wohl global lokal.

Autor

Ulrike Scheffer schreibt für Pankow


Ulrike Scheffer lebt mit ihrer Familie in einer sogenannten Intelligenzsiedlung in Pankow-Niederschönhausen. Einst lebten hier Wissenschaftler und Künstler, die schaffende Intelligenz der DDR. Einige ihrer Nachbarn wohnen schon seit den 1950er Jahren in der kleinen Straße und können kaum fassen, wie sich ihre Umgebung verändert hat: exklusive Townhäuser, Privatschulen und Müttercafés. Die meisten nehmen es gelassen, denn bei all dem hat sich Pankow seinen eigenen Charme bewahrt. Und deshalb fühlen sich wohl auch die Neubürger hier wohl.

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