Öffnungszeiten des Sommerbades : Wieder früher schwimmen in Pankow

Die Berliner Bäderbetriebe wollen das Frühschwimmen im Sommerbad Pankow wieder einführen. Vor allem Berufstätige hatten gegen die neuen Öffnungszeiten ab 10 Uhr protestiert.

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Während der Ferien bleibt das Sommerbad Pankow bis 20 Uhr geöffnet.
Während der Ferien bleibt das Sommerbad Pankow bis 20 Uhr geöffnet.Foto: imago

Das Sommerbad Pankow soll morgens wieder früher öffnen. Die Berliner Bäderbetriebe "prüfen derzeit alle Möglichkeiten, das Frühschwimmen wieder anbieten zu können". Das sagte Pressesprecher Matthias Oloew dem Tagesspiegel. Seit der laufenden Sommersaison galten in Pankow erstmals sogenannte Kernöffnungszeiten von 10 Uhr bis 18 Uhr. Bei schönem Wetter können sie kurzfristig ausgeweitet werden, faktisch passiert dies allerdings nur in den Abendstunden. Das Frühschwimmen, früher ab 8 Uhr morgens möglich, war mit der neuen Saison abgeschafft worden.

Berufstätige fühlen sich ausgeschlossen

Vor allem Berufstätige hatten seither gegen die neuen Öffnungszeiten protestiert. "Die Kunden sind unzufrieden, und wir wollen unsere Kunden natürlich nicht verprellen", begründet Oloew das Umdenken bei den Bäderbetrieben. Einen konkreten Termin für die Wiedereinführung des Frühschwimmens nannte er aber noch nicht. "Wir müssen klären, wie das finanziert werden soll", so der Pressesprecher. Noch in den anstehenden Sommerferien soll sich aber etwas ändern.

Bäderbetriebe müssen sparen

Durch die verkürzten Öffnungszeiten wollten die Bäderbetriebe Kosten sparen - allerdings auf Kosten ihrer treuesten Kunden, der Frühschwimmer. An kalten Tagen sind Frühschwimmer oft sogar die einzigen Gäste, denn sie kommen vor allem zum Schwimmen und nicht zum Sonnenbaden. Entsprechend groß war im Frühjahr die Verärgerung über die Entscheidung der Bäderbetriebe, das Frühschwimmen abzuschaffen. Auch den Tagesspiegel erreichten Beschwerden. Dorothea Richter etwa schrieb, die Bäderbetriebe hätten ihr auf Nachfrage mitgeteilt, die Öffnungszeiten seien dem Zielpublikum angepasst worden. "Das heißt, ich als voll berufstätiger Bürger dieser Stadt gehöre nicht mehr zu den Personen, die im Sommer ihr heimisches Freibad zum Schwimmen nutzen dürfen beziehungsweise können."

Ein Politikum

In der vergangenen Woche war der Unmut über die Bäderbetriebe sogar Thema in der Pankower Bezirksverordnetenversammlung (BVV). Grüne, CDU und SPD hatten einen Antrag zu dem Thema in die BVV eingebracht. Die BVV forderte das Bezirksamt daraufhin auf, sich bei den Bäderbetrieben für eine Rückkehr zu den alten Öffnungszeiten zwischen 8 und 20 Uhr einzusetzen.

Bisher ein super Sommer

So wird es nun wohl kommen. Ob die Öffnungszeiten dann wieder fest gelten oder weiter je nach Wetterlage kurzfristig ausgeweitet werden, ist derzeit aber noch offen. Laut Sprecher Oloew haben die Bäderbetriebe in Pankow mit der wetterabhängigen Verlängerung in den Abendstunden in den vergangenen Wochen sehr gute Erfahrungen gemacht. Die Ausweitung des Betriebes bis 20 Uhr werde jeweils kurzfristig auch im Internet bekanntgegeben. "Das kommt gut an."

Randale bei Rekordhitze

Vor allem am ersten, ultraheißen Juliwochenende machten sich die längeren Öffnungszeiten bezahlt und bescherten den Bäderbetrieben Rekordbesuche. Allerdings musste im Pankower Sommerbad am Sonntagabend auch mal wieder die Polizei anrücken, weil Jugendliche andere Badegäste "provoziert hatten", wie die Bäderbetriebe auf ihrer Internetseite mitteilten. Von Frühschwimmern hat man so etwas noch nicht gehört.

Autor

Ulrike Scheffer schreibt für Pankow


Ulrike Scheffer lebt mit ihrer Familie in einer sogenannten Intelligenzsiedlung in Pankow-Niederschönhausen. Einst lebten hier Wissenschaftler und Künstler, die schaffende Intelligenz der DDR. Einige ihrer Nachbarn wohnen schon seit den 1950er Jahren in der kleinen Straße und können kaum fassen, wie sich ihre Umgebung verändert hat: exklusive Townhäuser, Privatschulen und Müttercafés. Die meisten nehmen es gelassen, denn bei all dem hat sich Pankow seinen eigenen Charme bewahrt. Und deshalb fühlen sich wohl auch die Neubürger hier wohl.

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