Parks in Pankow : Senat korrigiert Pläne zur Panke

Im Bürgerpark sollte sich die Panke künftig frei entfalten. Auch im Schlosspark waren Veränderungen am Fluss geplant. Bürger und das Bezirksamt lehnten die Renaturierungs-Pläne des Senats aber ab. Der Protest hatte offenbar Erfolg. Um die Gestaltung des Bürgerparks wird aber im Bezirk weiter gestritten.

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Die Panke soll im Bürgerpark so bleiben wie sie ist.
Die Panke soll im Bürgerpark so bleiben wie sie ist.Foto: Ulrike Scheffer

Pankows Parks sollen so bleiben, wie sie sind. Größtenteils jedenfalls. Die Renaturierung der Panke zu einem sich frei schlängelnden Fluss auch in gestalteten Parkanlagen ist offenbar vom Tisch. Dies sagte der für die Grünflächen des Bezirks Pankow zuständige Stadtrat Jens-Holger Kirchner (Grüne) dem Tagesspiegel. "Niemand hat etwas dagegen, den Fluss zu renaturieren und den Hochwasserschutz zu verbessern. Man muss dabei aber intelligent vorgehen", so Kirchner. Der Senat habe auf Einwendungen von Bürgern und auf eine Stellungnahme des Bezirksamts reagiert und seine ursprüngliche Planung geändert.

Die Eingriffe im Bürgerpark und im Schlosspark sollen demnach abgemildert werden. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt wollte dies so zunächst nicht bestätigen. Abschließend angepasste und einvernehmlich abgestimmte Planunterlagen lägen zum gegenwärtigem Zeitpunkt noch nicht vor, hieß es dort auf Nachfrage. Es sei aber durchaus üblich, dass die Planunterlagen im Verlauf eines Planfeststellungsverfahrens geändert würden.

Hintergrund des Streits ist die Umgestaltung der Panke entsprechend der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie. Danach sollen Flüsse auch in Städten möglichst ihre natürliche Struktur zurückerhalten. Für die Panke, die von Brandenburg kommend durch Pankow über den Wedding nach Mitte fließt, bedeutet das: Betonkanäle sollen verschwinden, Böschungen erweitert und Begradigungen beseitigt werden, damit der Fluss frei fließen, sprich mäandern kann. Insgesamt geht es allein in Berlin um fast 18 Flusskilometer, rund drei Viertel davon liegen in Pankow.

"Weder ortstypisch noch angemessen"

In Pankow sind auch der Bürgerpark und der Schlosspark betroffen. Auch das Landesdenkmalamt hatte Bedenken angemeldet, denn vor allem der Bürgerpark würde sich mit der Renaturierung erheblich verändern und sein bisheriges - gestaltetes - Erscheinungsbild möglicherweise verlieren. Außerdem sollten im Zuge der Umgestaltung zahlreiche Bäume gefällt werden, allein im Bürgerpark standen auf der Liste 17 große Bäume, darunter eine seltene Sumpfzypresse und eine mächtige Eiche; im Schlosspark waren Eichen bedroht, die dem seltenen Heldbock-Käfer als Rückzugsort dienen.

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Das Pankower Bezirksamt schrieb in seiner Stellungnahme zum Planfeststellungsverfahren des Projekts, es lehne die Renaturierung der Panke "in der geplanten Form ab". Im Bürgerpark werde ein Großteil der zur Erholungsnutzung wichtigen Uferwiesen durch die vorgeschlagene Planung einer weiteren Nutzung entzogen, die Gestaltung im Schlosspark sei "weder ortstypisch noch angemessen für den Park mit einer wichtigen Erholungsfunktion inmitten eines zunehmend stärker verdichteten Wohnumfeldes", hieß es in der Begründung.

Nach Angaben von Stadtrat Kirchner hat der Senat inzwischen eine abgeänderte Planung vorgelegt. Danach soll sich die Panke nur noch in Randbereichen oder außerhalb der Parkanlagen frei entfalten dürfen. Auch die vielen Fällungen werden vorerst nicht realisiert. "Das kann man vielleicht in 20 oder 30 Jahren machen, wenn der derzeitige Baumbestand ohnehin an seinem natürlichen Lebensende steht." Im Bürgerpark sei das Mäandern nur noch im Bereich hinter den Wirtschaftsgebäuden des Grünflächenamtes vorgesehen. Alternativ werde außerdem die Freifläche neben dem Kinderbauernhof Pinke Panke zur natürlichen Entfaltung des Flusses freigeben.

Bürgerinitiative fordert Nutzungskonzept für den Bürgerpark

Damit hätte auch Gerhard Hochhuth mit seiner Einwendung im Planfeststellungsverfahren Erfolg gehabt. Noch weiß der ehemalige Pfarrer, der in der Cottastraße direkt am Bürgerpark wohnt, allerdings nichts davon. Ein Jahr nach Ablauf der Einwendungsfrist hat er vom Senat noch nicht einmal eine Eingangsbestätigung seines Schreibens erhalten. "Als Bürger fühle ich mich hier regelrecht vor den Kopf gestoßen", sagt Hochhuth. Auf Nachfrage des Tagesspiegels hatte die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt im März mitgeteilt, sie bereite einen Termin vor, bei dem alle Einwendungen zu dem Verfahren gemeinsamen erörtert werden sollten. Doch auch das fand nicht statt.

Hochhuth hat inzwischen gemeinsam mit anderen Bürgern eine Initiative für den Bürgerpark gegründet. Er vermisst ein Gesamtkonzept für die Gestaltung und Nutzung des Parks und fordert eine bessere Einbindung der Bürger in die Planungen des Bezirksamts. "Bisher werden wir über Maßnahmen erst informiert, wenn hinter verschlossenen Türen längst alle Entscheidungen gefallen sind", sagt Hochhuth. Als Beispiel nennt er die jüngsten Überlegungen, ein Tieraltersheim im Bürgerpark anzusiedeln. "Das ist an sich eine gute Sache, doch im Bürgerpark ist dafür einfach kein Platz." Der Park werde intensiv genutzt und müsste eher noch erweitert werden, ergänzt Hochhuth. Kirchner zeigt sich von der Kritik überrascht. Die Planungen für eine Sanierung bisher ungenutzter Parkbereiche werde gerade erst vorbereitet, sagt er. Eine Beteiligung der Bürger sei dabei sehr willkommen.

Ein Tieraltersheim soll die Volieren und das Jägerhaus (r.) übernehmen. Die alte Meierei (hinten) könnte ein Restaurant werden.
Ein Tieraltersheim soll die Volieren und das Jägerhaus (r.) übernehmen. Die alte Meierei (hinten) könnte ein Restaurant werden.Foto: Ulrike Scheffer

Für den 6. September hat die Bürgerinitiative nun eine Diskussionsveranstaltung zur Zukunft des Bürgerparks in den Delphin-Werkstätten in der Wilhelm-Kuhr-Straße organisiert. Auch Kirchner will kommen. Zumindest der Umzug des Tierasyls mit 300 Tieren aus einem Blankenburger Wohngebiet scheint aber tatsächlich bereits beschlossene Sache zu sein. Dirk Bufé, Vorsitzender des Trägervereins, bestätigte dem Tagesspiegel, dass es ein entsprechendes Angebot des Bezirksamts gebe. "Wir freuen uns und halten den Standort durchaus für geeignet." Im Bürgerpark gebe es schließlich bereits Ziegen und auch Vogelvolieren. "Vor allem unsere exotischen Vögel könnten eine weitere Attraktion für den Park darstellen." Kirchner sieht das ähnlich. Das Tierasyl soll im Bereich der schon vorhandenen Volieren unterkommen, der Umbau des dafür vorgesehenen ehemaligen Jägerhauses aus Spenden finanziert werden. Ein Platzproblem sieht Kirchner nicht. "Dem Park geht keine Fläche verloren."

Für den 6. September gibt es noch weiteren Diskussionsstoff. Klar ist: Die denkmalgeschützte Meierei, die seit Jahren verfällt, muss dringend restauriert werden. Kirchner stellt hierzu einen Ideenwettbewerb in Aussicht. "Denkbar wäre beispielsweise eine gastronomische Nutzung. Dafür müsste aber ein Investor gefunden werden", sagt er. Der Stadtrat kündigt zudem an, dass der Park, der bisher aus zwei Teilen besteht, zusammengeführt werden soll. Denn im Streit um die Renaturierung der Panke wurde deutlich, dass das Gelände zwischen Panke und Cottastraße offiziell Volkspark Schönholzer Heide heißt und anders als der Bürgerpark selbst nicht geschützt ist. Kirchner: "Die gefühlte Einheit der Anlage soll nun auch formal vollzogen werden. Das Denkmalschutzverfahren ist bereits eingeleitet worden."

Autor

Ulrike Scheffer schreibt für Pankow


Ulrike Scheffer lebt mit ihrer Familie in einer sogenannten Intelligenzsiedlung in Pankow-Niederschönhausen. Einst lebten hier Wissenschaftler und Künstler, die schaffende Intelligenz der DDR. Einige ihrer Nachbarn wohnen schon seit den 1950er Jahren in der kleinen Straße und können kaum fassen, wie sich ihre Umgebung verändert hat: exklusive Townhäuser, Privatschulen und Müttercafés. Die meisten nehmen es gelassen, denn bei all dem hat sich Pankow seinen eigenen Charme bewahrt. Und deshalb fühlen sich wohl auch die Neubürger hier wohl.

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